Freitag, 20. April 2018

12.11.2016Nachrichten

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Fahrlehrerkongress: Das Leben jonglieren

Ralph Goldschmidt
Buchautor Ralph Goldschmidt begeisterte die rund 1500 Zuhörer
© Foto: Werner Kuhnle

Der wichtigste Mensch im Leben? Der Partner, sagen die einen, mein Kind, meinen die anderen. Manch einer denkt vielleicht an die Eltern. „Verantwortunglos, beinahe asozial!“, findet das Ralph Goldschmidt. Der Coach und Experte für Lebenskunst führte den Kongressteilnehmern in seinem Vortrag zunächst provokativ, dann nachvollziehbar, aber immer lustig vor Augen, wieso es nur eine richtige Antwort geben kann: „Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben.“

„Nur wenn es dir gut geht, kannst du der Welt dein Bestes geben“, ist Goldschmidts Credo. Wer sich nicht um sein eigenes Wohlbefinden kümmere, handle nicht nur verantwortungslos gegenüber sich selbst, sondern auch gegenüber der Familie, seinen Mitarbeitern und Kollegen und dem eigenen Unternehmen. Schließlich fällt man bei einer psychischen oder physischen Krankheit in sämtlichen Rollen als Partner, Elternteil und Mitarbeiter oder Chef aus. Gerade die vorrangige Aufgabe von Führungskräften sei es, um es mit dem Ökonomen Peter Drucker zu halten, sich um die eigene Energie zu kümmern, um dann die Energie der Mitarbeiter nutzbar zu machen.

Ein Leben als Seiltänzer oder als Jongleur?

Viele Menschen benutzen, wenn sie über ihr Leben sprechen, den Begriff Work-Life-Balance. Das zugrundeliegende Bild besagt, man solle sein Leben möglichst so führen, dass die Arbeit und das Privatleben im Gleichgewicht bleiben. „Bullshit“, findet das der Lebensberater. „Wie öde wäre das Leben auf einer Waage?“, fragte er ins Plenum. Mit seinem Vortrag wollte er die anwesenden Fahrlehrer zum Nachdenken anregen, welche Bereiche in ihrem Leben gut und welche nicht so gut laufen. Er empfahl, das Leben nicht als Seiltänzer zu durchqueren, sondern als Jongleur, der sieben Lebensbereiche (Beziehungen, Gesundheit, Beruf, Vermögen, Freizeit, Wohnen, Umwelt) so geschickt am Laufen hält, dass keiner zu kurz kommt und auf den Boden fällt.

Völlige Zufriedenheit in allen Lebensbereichen, also eine „Zehn“ auf der Bewertungsskala, ist nicht möglich, meint Goldschmidt. Ein Fahrlehrer könne nicht gleichzeitig genügend Zeit für die Familie aufbringen, nebenher die größte Fahrschule der Welt aufbauen und sich nebenbei noch gesund ernähren. Sein Leben verlaufe in Kurven. Mal investiere er mehr Zeit in den Beruf, dafür sorge er wieder in anderen Phasen dafür, dass mehr Zeit zur freien Gestaltung bleibt.

Außerdem riet der Trainer zu priorisieren: Manche Menschen können beispielsweise damit leben, wenn es im Beruf, den Finanzen und der Wohnsituation nicht so gut aussieht, dafür aber die Beziehungen intakt sind, die Gesundheit gegeben ist und ausreichend Freizeit vorhanden ist. „Das Leben ist eine höchst individuelle Angelegenheit“, bemerkte der Referent, „packen Sie an, was anzupacken ist.“

(ms)

 

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