Montag, 16. Dezember 2019

22.05.2019Verband

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Deutliche Worte in Richtung TÜV

Verbandsvorsitzender Kurt Bartels stellte stellvertretend das Portfolio von Hauptaussteller Audi vor
© Foto: Theresa Siedler

Der Verbandsvorsitzende Kurt Bartels und seine Vertreter hatten wieder einmal in den Kristallsaal der Messe Köln geladen und knapp 300 Fahrlehrer – unter ihnen auch zehn Fahrlehreranwärter, was Bartels besonders freute – waren ihrem Ruf gefolgt.

Nordrhein-Westfalen fordert AM15

Bartels sprach unter anderem das Thema AM15 an. Er informierte die anwesenden Fahrlehrer darüber, dass sich das Bundeskabinett dafür ausgesprochen habe, eine Ermächtigung für die Bundesländer bezüglich AM15 einzuführen. Obwohl dies einen „Flickenteppich innerhalb Deutschlands“ bedeuten könnte, sprach sich der Verbandsvorsitzende klar für AM15 aus. In Absprache mit dem Schwesterverband Westfalen, der durch dessen Verbandsvorsitzenden Friedel Thiele vertreten war, verfolgen sie die gleiche Zielrichtung. Den Worten Bartels zollten die Fahrlehrer mit langanhaltendem Applaus ihre Zustimmung.

Für die Einführung von AM15 brachte der Vorsitzende dann auch Argumente, die er speziell an die Regierungsdirektorin Judith Grothe, die als Nachfolgerin von Ministerialrat Dieter Kettenbach zum ersten Mal vor Ort war, richtete: „Frau Grothe, nehmen Sie bitte mit, dass die Unfallstatistik in den ostdeutschen Bundesländern, wo AM15 schon lange läuft, durchweg positiv ist und dass wir unseren Ausbildungsauftrag – bei 15-Jährigen nochmals verstärkt – sehr ernst nehmen.“ Sie könne sich darauf verlassen, dass Fahrschüler umfassend ausgebildet und auf den Straßenverkehr vorbereitet werden. Eine kurze Meinungsäußerung zu der tags zuvor beschlossenen Einführung von Elektroscootern konnte sich Bartels im selben Atemzug nicht verkneifen. Ihm „schwillt der Kamm“, sagte er in seinem rheinischen Dialekt, wenn er daran denke, dass diese schon von 14-Jährigen ohne vorherige Ausbildung jeglicher Art genutzt werden dürften.

Audi setzt auf Elektromobilität

Wegen anderer unaufschiebbarer Termine musste sich der Fahrschulspezialist von Hauptaussteller Audi, Bernd Nentwig, durch den Verbandsvorsitzenden entschuldigen lassen. „Unserem Hauptsponsor tut es sehr leid, dass heute niemand persönlich da sein kann“, verkündete Bartels. Trotzdem sei er sehr froh, dass Audi das Sponsoring übernommen habe. „Ohne die Unterstützung von Audi wäre solch eine Veranstaltung schlichtweg nicht möglich“, fasste er zusammen. Er sei außerdem durch Nentwig „gebrieft“ worden und werde deshalb kurz in die Rolle des Audi-Fahrschulspezialisten schlüpfen. In dieser berichtete er, dass das Modell Audi A4 in überarbeiteter Version bald auf den Markt kommen soll und dass die e-Tron-Modelle als elektronische Alternative auf dem Vormarsch seien. Zudem konnte er im Auftrag von Audi vermelden, dass bei den neuen Elektromodellen die Batterien platzsparend unter dem Fahrzeug verbaut werden.

Dann sprach der Verbandsvorsitzende noch ein Thema an, das viele Fahrlehrer sehr beschäftigt: die Automatikregelung. „Wir müssen damit rechnen, dass es in wenigen Jahren nur noch Automatik-Autos gibt.“ In Richtung des TÜV bat er deshalb darum, sich zusammenzusetzen und eine mögliche Lösung zu finden, die beide Seiten zufriedenstelle. Insgesamt müssten sich Fahrlehrer darauf einstellen, dass auf dem Fahrzeugmarkt viel passieren werde.

TÜV: Vergangenes Jahr als Herausforderung

Für die TÜV Nord und Rheinland trat Wolfhardt Werner an das Mikrofon. Er entschuldigte sich bei den Fahrlehrern, dass das letzte Jahr „nicht optimal verlaufen“ sei. Vor allem die Situation, dass nicht alle Prüfstellen genügend bedient werden konnten, sei sowohl für den Berufsstand als auch für die TÜV selbst nicht zufriedenstellend. Auch das Thema „Nichtbestehensquote“, das immer mal wieder in den Medien aufploppe, und das leidige Thema „Prüfungsmanipulationen“ sprach der TÜV-Beauftragte im Kristallsaal der Messe Köln an. Bartels erklärte das Thema „Prüfungsmanipulation“ aufgreifend: „Wir werden alles dafür tun, dass österreichische Modell, das bei Manipulation eine neunmonatige Sperre des Prüflings nach sich zieht, in Deutschland einzuführen!“ An die Regierungsdirektorin Judith Grothe gewandt, sagte er: „Sie haben unsere volle Unterstützung“, wenn sie sich ebenfalls für diesen Vorschlag einsetze.

Auch auf das Thema „Prüfungsengpässe“ ging Bartels noch einmal ein. Die aktuelle Lage in einigen Regionen sei nicht akzeptabel, sagte er, denn eine strukturierte Ausbildung habe auch etwas mit der richtigen Zeitplanung für Fahrschüler und Fahrschulen zu tun. Für diese sei es aber immer schwerer zu vermitteln, warum Fahrschüler fünf bis sechs Wochen auf einen Prüfungstermin warten sollen. „Wir sind nicht das Beschwerdemanagement des TÜV“, brachte es Bartels klar auf den Punkt. Er bat noch einmal um Stellungnahme des TÜV, dieses Mal in Person von Arne Böhne vom TÜV Rheinland. Jenem war die momentane Situation sichtlich unangenehm, denn sie entspreche in keiner Weise der Unternehmensphilosophie des TÜV. Er versprach aber eine Besserung in weniger als zwei Wochen, da Samstagsarbeit möglich werde und zusätzlich drei Prüfer im Gebiet Düsseldorf eingesetzt werden sollten. „Wir nehmen Sie beim Wort“, sagte der Verbandsvorsitzende des Fahrlehrerverbandes Nordrhein.

Dankeschön an von Bressensdorf

Auch der ehemalige Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Gerhard von Bressensdorf, war der Einladung des Fahrlehrerverbandes Nordrhein nach Köln gefolgt. Als „Dankeschön für seine jahrelange, hervorragende Arbeit“ überreichte Kurt Bartels dem Bundesvorsitzenden a.D. ein Geschenk auf der Bühne, das von Bressensdorf unter lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations entgegennahm. In seiner kurzen Dankesrede legte er dem Publikum ans Herz, weiter den Verband zu stützen und zu stärken.

Digitalisierung der Fahrschulbranche

Dann widmete sich der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Dieter Quentin, einem der Megathemen der aktuellen Zeit. In seinem Vortrag „Digitalisierung in der Fahrschule – Chancen und Herausforderung“ erklärte er, dass „die Digitalisierung auch vor der Fahrlehrerschaft nicht Halt macht“. Die Branche müsse deshalb die Herausforderungen und Chancen annehmen. Denn die Digitalisierung sei eine Veränderung, wie sie die Branche noch nie erlebt habe. Er sprach Themen wie Big Data, Konnektivität, Cloud Computing oder Sharing Economy an. Auch die Themen „autonomes beziehungsweise automatisiertes Fahren“ müssten professionell in die Ausbildung integriert werden. In diesem Zusammenhang müsse auch die Fahrschüler-Ausbildungsordnung geändert werden.

Trotz aller digitalen Entwicklungen komme man an einem Präsenzunterricht nicht vorbei, stellte Quentin klar. „E-Learning ist eine gute Unterstützung unserer Arbeit“, es ersetzte sie aber keineswegs. Die aktuelle Regelung habe sich über Jahre bewährt und sollte so auch noch weitergeführt werden, denn der „komplexe Straßenverkehr muss von den Schülern verstanden werden“. Gegen Initiativen für die Abschaffung des Theorieunterrichts wehre sich der Bundesvereinigung mit aller Kraft.

Fahrlehrerversicherung: Wohin geht die Reise?

Die Fahrlehrerversicherung, vertreten durch Vorstand Stefan Kottwitz, berichtete von 68,4 Millionen Euro Beitragseinnahmen im letzten Jahr. Diesem ständen 52,8 Millionen Euro an Schadensregulierungen gegenüber. Nach Abzug aller Kosten und Steuern dürfe sich der Verein über einen Überschuss von 0,9 Millionen Euro freuen. Dies verbleibe im Gesamten als Rücklage für die nächsten Jahre bei der Fahrlehrerversicherung.

Die Fahrlehrerversicherung beschäftige sich außerdem ebenfalls mit dem Thema Digitalisierung. Denn obwohl „das digitale Zeitalter gerade erst begonnen hat“, könne sich niemand vor dieser Entwicklung verschließen. So stehe auch die Fahrlehrerversicherung vor einer digitalen Transformation. Höchste Priorität habe deshalb die Implementierung der neuen Bestandsführungssoftware der Fahrlehrerversicherung im kommenden Jahr. Außerdem berichtete Kottwitz von denkbaren Geschäftsmodellen, die die Fahrlehrerversicherung im Rahmen des digitalen Fortschritts in Zukunft bieten könnte. Er nannte Stichworte wie die „vollautomatische Policierung“, „Versicherung on demand“ oder die Schadensregulierung über Foto, das man mittels App einreichen könne. Eines sei der Fahrlehrerversicherung dabei aber immer wichtig: der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch. Daher stellte Kottwitz klar: „Bei uns wird es keine Chatbots geben!“

Generell könnten sich die Mitglieder der Fahrlehrerversicherung darauf einstellen, dass sein Unternehmen nicht alle Trends, die die Digitalisierung mit sich bringe, umsetzen werde, erklärte Kottwitz im Kristallsaal. Man werde aber im Laufe der Zeit sehen, was Fahrlehrer individuell brauchen und darauf entsprechend reagieren. „Automatisierung mit Bedacht“ laute die Strategie der Fahrlehrerversicherung, denn schließlich stehe der Vereinsgedanke über allem. „Sie als Mitglieder bestimmen, wohin die Reise geht“, rief er deshalb dem Plenum im Saal zu.

Mitgliederschwund im Fahrlehrerverband Nordrhein

Im internen Teil des Verbandstages sprach Bartels den Mitgliederschwund in den letzten Jahren an. Dieser sei zwar erklärbar, deshalb aber nicht weniger bedenklich. Auch im letzten Jahr hatte der Verband einen Mitgliederschwund verkraften müssen. Dies hänge auch mit der Tatsache zusammen, dass in Nordrhein-Westfalen – wie im ganzen Bundesgebiet – die Zahl der Fahrschulbetriebsstellen abnehme. Man müsse damit rechnen, dass Fahrschulbetriebe immer größer werden. Deshalb müsse auch der Verband reagieren und sich verändern. Er könne sich beispielsweise vorstellen, juristische Personen in den Verband aufzunehmen oder junge Fahrlehrer – nicht nur die mit dem weißen Schein –  in Form einer außerordentlichen Mitgliedschaft an den Verband zu binden. Um die möglichen Umstrukturierungen zu besprechen, wolle er sich Ende des Jahres 2019 mit den Kreisobleuten seines Verbandes zusammensetzen, erklärte Bartels. Außerdem solle dazu im nächsten Jahr eine Satzungsänderung den Mitgliedern vorgelegt werden.

Außerdem legte der Verbandsvorsitzende den anwesenden Fahrlehrern nahe, die ASF-/FES-Fortbildung im Rahmen der Fortbildungspflicht einzuhalten. Vor allem die FES-Fortbildung sei „ein Sorgenkind“, weil viele Fahrlehrer der Ansicht seien, dass sich diese Fortbildung nicht lohne. Der Verband empfehle mit Hinblick auf die zurückliegenden Entscheidungen des Verkehrsgerichtstages trotzdem: „Bewahren Sie sich Ihre FES-Erlaubnisse.“

(ts)

 

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Ausgabe 12/19

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