Mittwoch, 19. September 2018

24.04.2018Verband

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Nächster Halt: Bispingen

Mitgliederversammlung Landes-Fahrlehrerverband Bremen 2018
Der neue Vorstand des Landesverbands Bremen: Michael Schallhorn, Michael Kreie und Klaus Lüttig (v. l.). Schallhorn wurde als zweiter Vorsitzender wiedergewählt, Lüttig ist neu auf der Position des dritten Vorsitzenden
© Foto: Michael Simon

Wie die anderen vier „Nordverbände“ zuvor, erteilten auch die Mitglieder des Landes-Fahrlehrerverbands Bremen ihrem Vorstand um den Vorsitzenden Michael Kreie das Mandat, eine große gemeinsame Mitgliederversammlung im kommenden Jahr auf den Weg zu bringen.

Die langjährige Führungsriege um den ehemaligen Vorsitzenden Rüdiger Grollmann hatte zuvor die Debatte befeuert. Sie befürchtete, dass dem Verband bei zunehmender Kooperation die Aufgaben, Argumente und Gründe ausgehen, die Eigenständigkeit des Landesverbands aufrechtzuerhalten. Kreie stellte klar, dass es keine Überlegungen gebe, den Landesverband obsolet zu machen.

Bremen und Bremerhaven votieren für „große Lösung“

Mit seinen Ausführungen konnte Kreie die überwiegende Mehrheit der Bremer Fahrlehrer überzeugen. Ein Mitglied forderte den Vorstand entnervt auf, die Debatte zu beenden, um eine Abstimmung gegen das „unbeugsame gallische Dorf“ herbeizuführen. Bei drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen ebnete schlussendlich auch Bremen den Weg für eine geplante Mitgliederversammlung in Bispingen im Jahr 2019 – und eben auch für eine länderübergreifende Zusammenarbeit zum Beispiel im Bereich der Weiterbildungen.

Im Geschäftsbericht des Vorstands wies Kreie aktuell 121 im Verband organisierte Mitglieder aus. Fünf neu gewonnene Mitglieder konnten vier verlorene (drei Austritte, ein Todesfall) aufwiegen. Als „besorgniserregende Tendenz“ bewertet der Landesvorsitzende die Altersstruktur: Gerade einmal 25 Mitglieder sind unter 50 Jahre alt. „Die Voraussetzungen, die das neue Fahrlehrergesetz geschaffen hat, hat bis dato noch nicht den riesigen Boom hervorgerufen, wie wir ihn uns wünschen würden. Ich hoffe inständig, dass mehr jüngere Fahrlehrer nachkommen“, sagte der Vorsitzende.

Knapp und mit negativem Ergebnis endete die Abstimmung zu einem Antrag von Grollmann, der den Vorstand aufforderte, sich beim TÜV Nord dafür einzusetzen, die Prüfernamen wieder im Voraus bekanntzugeben. „Ich kann im Moment nicht als kleinster Landesverband TÜV Nord auffordern, diese Entscheidung, die für den kompletten TÜV-Nord-Bereich getroffen wurde, rückgängig zu machen“, sagte Kreie. Gespräche zu dieser Thematik stünden im weiteren Jahresverlauf noch bevor.

TÜV Nord: Bitte um Verständnis für Nichtbekanntgabe

Später begründete Bernd Rimpl, Leiter der Technischen Prüfstelle des TÜV Nord, dies unter anderem mit Beleidigungen und Drohungen, denen Prüfer in sozialen Medien ausgesetzt waren. Er warb dafür, es als Chance zu begreifen, dass der Prüfer nicht mehr im Vorhinein bekannt ist. Es sei ja nicht Ziel der Sache einen Fahrschüler auf einen bestimmten Prüfer hin auszubilden. „Haben Sie mehr Vertrauen in Ihre Ausbildung“, sagte Rimpl. Wenn es nicht der Fall sein sollte, dass sich alle Prüfer an die Prüfungsrichtlinie halten, dann bitte er um Feedback. Die Fahrlehrer sollten die neue Regelung als Chance begreifen, denn vorher hätten im Zweifelsfall der Schüler oder sein Lehrer eine Krankmeldung gezogen. Eine Krankmeldung lasse keine Rückschlüsse auf die Qualität des Prüfers zu.

Dem widersprach Dieter Quentin, 1. stellvertretender Vorsitzender der BVF. Feedback zu den Prüfern habe man dem TÜV Nord auch vorher schon gegeben. „Aber wenn Sie uns jetzt ermuntern, hier intensiver Feedback zu geben, wenn die Prüfung unserer Ansicht nach nicht optimal gelaufen ist, dann nehmen wir das gerne an.“

Unerfreulich hoch war die Nichtbestehensquote der praktischen Fahrprüfungen in Bremen: 38,8 Prozent und damit rund zehn Prozent mehr Anwärter als in anderen TÜV-Nord-Gebieten fielen durch. Bei den theoretischen Prüfungen lag Bremen ebenfalls mit 34,6 Prozent nicht bestandener Prüfungen rund ein Prozent  über den Werten von Nordrhein-Westfalen.

Bezüglich der deutlich gestiegenen Täuschungsversuche sagte Rimpl: „Wir denken darüber nach, dass wir die Prüfungsräume sicherer machen.“ Er denke da an Länder wie Schweden, in denen die Schüler vor dem Betreten des Prüfungsraums Schals, Jacken und Taschen in Schließfächern verstauen müssen und anschließend noch einen Elektroscanner durchqueren müssen, damit keine nicht zugelassenen Hilfsmittel verwendet werden.

Quentin: Gute Stimmung in der Branche

„Die Stimmung in der Branche ist, glaube ich, grundsätzlich gut“, sagte Quentin eingangs seines Referats. Die BVF beobachte, dass die Masse der Fahrschulen sehr gut ausgelastet sei; die Kollegen hätten keine großen Bedenken, die Preise angemessen anzuheben und sich die Arbeitsleistung honorieren zu lassen.

Nach der Fahrlehrerrechtsreform zum 1. Januar wähnt Quentin die Fahrlehrerschaft getreu seinem Vortragstitel „für die Zukunft gerüstet“, auch wenn das neue Recht, kaum dass es in Kraft getreten ist, repariert werden müsse. Bund und Länder befinden sich diesbezüglich derzeit in Abstimmung.

Verärgert äußerte sich Quentin über die Änderung des Gesetzesentwurf kurz vor der Verabschiedung im vergangenen Jahr, „zu der sich ein Bundestagsabgeordneter berufen fühlte“. Der Absatz, der regelte, wer zur Ausbildung befugt war, nämlich bis dato der Fahrschulinhaber und die angestellten Fahrlehrer, wurde gestrichen. Seither muss man annehmen, dass auch der freie Mitarbeiter zulässig ist. „Die entscheidende Frage, die wir uns stellen, lautet: ‚Wie soll der freie Mitarbeiter in Zukunft überwacht werden?‘“, sagte Quentin. Auch aufgrund von verwaltungs-, steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Stolpersteinen sieht er eine freie Mitarbeitertätigkeit „sehr, sehr kritisch“ und hält sie für „entbehrlich“.

Zum Thema Überwachung merkte Quentin an, dass der Gesetzgeber eigentlich eine bundeseinheitliche Regelung schaffen wollte. „Diese ist leider butterweich geraten, wodurch wir in der Praxis deutschlandweit verschiedene Beurteilungssysteme und eine unterschiedliche Vorgehensweise im Ausbilden der Überwacher bekommen haben.“ Im Moment gelte es abzuwarten und Rückmeldung zu bekommen, wie die Überwachung über die Bühne geht. Damit die Kosten nicht steigen, fordert die BVF einen eindeutigen Überwachungsauftrag durch die Behörde, bei der sich die Überprüfung der Formalitäten auf das Nötigste beschränkt und auch der pädagogische Teil zeitlich eingegrenzt wird.

Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung

Wie Fahrlehrer von einem Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung (PKV) profitieren können, präsentierte Frank Schwarz vom Unternehmen Minerva Kundenrechte. Über 50 Prozent seiner Mandanten sparen jedes Jahr im Durchschnitt 2.500 Euro, weil sie in einen vergleichbaren, aber günstigeren Tarif gewechselt sind.

Üblicherweise steigen die Beiträge für privat Krankenversicherte jährlich kräftig an. Weil ein Wechsel finanziell keinen Sinn macht, seien viele in ihrem System gefangen. „Der einzig sinnvolle Ausweg aus der Kostenfalle ist, den Tarif beim bestehenden Versicherer zu wechseln“, führte Schwarz  aus. Die Versicherungsmathematiker von Minerva ermitteln einen Tarif mit einem vergleichbaren Leistungsumfang. Für die Beratungsleistung verlangt Minerva einmalig 60 Prozent von der Ersparnis im ersten Jahr, der Kunde jedoch profitiere noch jahrelang von moderat wachsenden Beiträgen.

Hauptsponsoren Audi und ADAC

Hauptsponsor Audi zeigte in Bremen die Modelle A3 und Q5 in Fahrzeugausstattung. Bernd Nentwig ließ sich wegen parallel stattfindender Versammlungen in Bayern und Brandenburg entschuldigen und einige Grußworte vom Vorsitzenden Kreie verlesen.

Als Vertreter des zweiten Hauptsponsors, ADAC Weser-Ems, richtete Dieter Schone einige Grußworte an die Mitglieder. Ihm war sehr daran gelegen, im gemeinsamen Bestreben mit den Fahrlehrern die sinkende Zahl tödlicher Unfälle weiter zu reduzieren. Dazu tragen auch die im vergangenen Jahr eingeführten Fahrlehrertage bei. 25 Tage standen im Zeichen der Fahr- und Sicherheitstrainings für Fahrlehrer, von denen zehn auf Motorrad- und 15 auf Pkw entfielen. Für den Fahrlehrertag am 9. Juni 2018 in Ahlhorn lud er die Mitglieder herzlich ein.

Fahrlehrerversicherung: nahe an den Kunden

Für die Fahrlehrerversicherung war Thomas Freythaler aus Stuttgart angereist. Den „Verein auf Gegenseitigkeit“ zeichne aus, dass er die Fahrlehrerschaft und ihre Bedürfnisse besser kenne als die großen Versicherungskonzerne. Daher strebe die Fahrlehrerversicherung auch an, eine personenbezogene Bearbeitung der Fälle einzurichten, sprich jeder Kunde soll eine direkte Beziehung zu einem bestimmten Sachbearbeiter aufbauen können. „Die wahre Qualität eines Versicherers zeigt sich, wenn Sie einen Schaden haben“, meinte Freythaler.

In den Vorstandswahlen bestätigten die 41 Wahlberechtigten per Akklamation Michael Schallhorn als zweiten Vorsitzenden. Klaus Lüttig wurde ebenfalls ohne Gegenkandidat neu zum dritten Vorsitzenden gewählt. Sein Vorgänger Egon Pfeiffer kandidierte nicht mehr mit der Begründung, sich nach bestandener Platzreife ausgiebig dem Golfsport widmen zu wollen. Kreie dankte ihm kurz und bündig – wie von Pfeiffer gewünscht – für eine erquickende gemeinsame Zeit.

(ms)

 

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