Donnerstag, 25. April 2019

07.04.2017Verband

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AM 15: Modellversuch wird ausgeweitet

Marco Dammmüller und Kathrin Schneider
Dass die politische Arbeit von Marco Dammmüller erfolgreich war, zeigte der Vortrag von Kathrin Schneider
© Foto: Judith Böhnke

Insgesamt 157 Köpfe zählt der Fahrlehrer-Verband Land Brandenburg, drei mehr als noch im vergangenen Jahr. Kraft, die dringend gebraucht wird, denn die Herausforderungen für Fahrlehrer im Land sind vielfältig – und werden nicht weniger. Entsprechend warb Vorsitzender Marco Dammmüller anlässlich der Mitgliederversammlung in Blankenfelde-Mahlow einmal mehr mit den Worten: „Fragt nicht nur, was der Verband für euch tut; fragt auch, was ihr für den Verband tun könnt.“

Dass Verstärkung mehr als willkommen ist, zeigte der Tätigkeitsbericht von Vorstand und erweitertem Vorstand – es gab eine Vielzahl an Terminen zu bewältigen, um auf dem politischen Parkett für die Bedürfnisse des Berufsstandes zu werben und um ganz konkrete Forderungen zu stellen. Und das durchaus erfolgreich, wie das Referat von Kathrin Schneider zeigte. Die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung kündigte an, dass hinsichtlich des Modellversuchs zu AM 15 bald Bewegung ins Land komme. Die Politik habe sich zu einer Entscheidung durchgerungen: Nach den sehr guten Erfahrungen mit AM 15 in anderen Bundesländern können nun auch die Brandenburger am Modell teilnehmen.

Veränderungen nehmen Gestalt an

Wie wird die Mobilität im Jahr 2030 aussehen? Auch damit beschäftigte sich Schneider in ihrem Vortrag. Veränderungen nehmen Gestalt an, so die Ministerin: E-Mobilität, Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren sind Themen, die im Hier und Jetzt angekommen und nicht mehr nur Zukunftsmusik seien. „Wie schnell sich diese Veränderungen vollziehen werden, wissen wir nicht. Aber wenn sie ein ähnliches Tempo vorlegen wie Handy und Computer, werden in den kommenden zehn, 20 Jahren Dinge verwirklicht, die gestern wie Science Fiction anmuteten, aber von denen, die den Beruf des Fahrlehrers heute ausüben, mitgetragen werden müssen.“ Nicht zuletzt sei Verkehrssicherheit eine Befähigung, die auch und gerade im Zeitalter der Fahrerassistenzsysteme und des automatisierten Fahrens in die Köpfe der Autofahrer und Fahrschüler gebracht werden müsse – und das nicht als „lästig-abstraktes“ Reglement, sondern als etwas, das verstanden und bewusst gelebt wird.

Aufs Lernen einlassen

„Dafür müssen wir den Bildungsstandard erhöhen – den der Fahrer und Fahrschüler wie auch den unseren als Fahrlehrer“, betonte Peter Glowalla in seinem Grußwort zur Mitgliederversammlung. Der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Berlin ist überzeugt, dass die Fahrlehrerschaft in Zukunft nur dann bestehen wird, wenn sie sich auf das Lernen einlässt. „In der neuen Welt des Fahren-Lernens wird den Fahrlehrern viel abverlangt werden. Doch Lernen ist lebenslang möglich und nur, wenn wir bereit sind zu lernen, werden wir als Beruf und Berufsgruppe bestehen.“ Gerade in Bezug auf die Beherrschung von Fahrassistenzsystemen und automatisiertem Fahren würden sich Fahrlehrern so weitreichende Möglichkeiten eröffnen, dass der Gedanke an ein "Überflüssig-Werden" des Fahrlehrers regelrecht absurd erscheine.

Fahrlehrer im Jahr 2025

„Es sind bewegte Zeiten“, betonte auch Gerhard von Bressensdorf anlässlich seines Vortrags zum Thema „Der Fahrlehrerberuf 2025: Rahmenbedingungen – automatisiertes und vernetztes Fahren“. Der 1. Vorsitzende des Bundesverbandes der Fahrlehrerverbände stellte die in einer wissenschaftlichen Studie zum automatisierten Fahren (Daniel Sokolov, Automated Vehicle, Michigan) identifizierten „sieben Hürden“ zum selbstfahrenden Auto vor und nannte neben Mensch, Raum und Verkehrsplanung, Infrastruktur, Recht, IT-Sicherheit und Technik auch den Punkt Ethik, der Entscheider und Anwender gleichermaßen vor empfindliche Dilemmas stellen wird. „Der Computer in einem Auto entscheidet zugunsten der jeweiligen Insassen“, so von Bressensdorf. „Wenn eine Kollision nicht mehr vermeidbar ist, der Computer aber noch die Wahl hat, ob er das Auto mit einem Baum oder einem Menschen kollidieren lassen will, wird er zum Schutz der Autoinsassen den Menschen wählen.“ Momentan nähmen wir eine gewisse Zahl von Verkehrstoten in Kauf, vor allem, wenn es „nur“ diejenigen triffe, die den jeweiligen Unfall verursacht hätten. Wenn aber der erste Hinterbliebene den Vorwurf mache, dass der Computer sein Kind getötet habe, werde es bitter.

Fahrerassistenzsysteme: Fahrerlaubnisprüfungen einbeziehen

In Deutschland und Europa wirft das automatisierte Fahren seine Schatten voraus: 80 Millionen Euro investiert allein die Bundesregierung in Teststrecken, mit 12,8 Milliarden Euro finanziert die EU die Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen. „Ich wünsche mir, dass wir dabei sind, Kollegen“, sagte Gerhard von Bressensdorf. „Und ich hoffe, dass wir den Auftrag bekommen, Fahrerassistenzsysteme in die Fahrerlaubnisprüfungen einzubeziehen. Denn wenn wir uns nicht darauf einlassen, wird das jemand anderes tun!“

Alkohol und Vorfahrtsfehler

Immerhin, in Sachen Verkehrssicherheit steht Brandenburg gut da – das Bundesland rangiert nicht mehr auf dem letzten Platz in der Statistik, freute sich Marco Dammmüller. 121 Verkehrstote zählte Brandenburg im Jahr 2016, Anfang der 1990er Jahre waren es noch 900. Allerdings sei die Zahl der Unfälle insgesamt gestiegen, ebenso die Zahl der Verletzten, so der Landesvorsitzende. Die Ursachen für einen Großteil dieser Unfälle: Trunkenheit am Steuer und Vorfahrtsfehler.

Deutlich mehr Prüfungen

Neuigkeiten aus dem Prüfgeschehen hatte Dr. Andreas Schmidt, Leiter für Fahrerlaubniswesen beim Dekra Technology Center Klettwitz, dabei. Nicht zuletzt durch den Flüchtlingsstrom hätten die Prüfungszahlen markant zugenommen, allein in Hocharabisch seien 2016 stolze 16.469 Prüfungen im Land realisiert worden. „Dass die Erfolgsquote abgesunken ist, muss nicht unbedingt als Makel gewertet werden“, meinte Schmidt. „Zum einen haben mehr Prüfungen in Fahrerlaubnisklassen stattgefunden, die grundsätzlich stärker nachgefragt werden. Zum anderen hat die Einführung neuer Varianten bei den dynamischen Filmszenen geholfen, unzureichend vorbereitete Prüflinge besser zu entlarven.“

Online-Portal der Fahrlehrerversicherung

Mit dem Geschäftsbericht der Fahrlehrerversicherung wartete Thomas Freythaler auf, Vorstandsmitglied der Fahrlehrerversicherung. Positiv in seiner Statistik: Die Anzahl der Kfz-Verträge ist gestiegen und es mussten im vergangenen Jahr keine Naturkatastrophen ausgeglichen werden. Grund zur Freude sah Freythaler auch in den Entwicklungen in Bezug auf das Online-Portal der Versicherung. Von den Kunden sei es geradezu phänomenal gut angenommen worden. „Die Kunden melden sich nicht nur an, um das Portal anschließend zu vergessen. Sie nutzen es und schöpfen auch seine vielfältigen Funktionen vollumfänglich aus.“

VW I.D. soll automatisiert fahren

Bei Matthias Lorenz von Volkswagen standen die Zeichen voll auf automatisiertes Fahren: „Ab 2025 werden neue Volkswagen E-Modelle, wie etwa der VW I.D., auch für vollautomatisiertes Fahren ausgelegt sein. Seien wir gespannt, ob die Rahmenbedingungen ebenfalls bereit sein werden.“

(Judith Böhnke)

 

 

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