Es gibt wohl kaum jemanden, der Fahrerassistenzsysteme (FAS) nicht nützlich findet. ABS hilft beim sicheren Bremsen, mit ESP fliegen Autos nicht so leicht aus der Kurve, ACC hält bei eingestellter Geschwindigkeit den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeug. Dass Assistenzsysteme aber auch ihre Tücken haben, zeigte Prof. Dr. Hans-Peter Krüger beim 3. Deutschen Fahrlehrerkongress anhand wissenschaftlicher Untersuchungen. So hält zum Beispiel ACC zwar Abstand zum Vordermann, erkennt aber stehende Hindernisse nicht. Bremst der Fahrer nicht selbst, fährt er auf. Das verstanden in einer Studie nur wenige Fahrer richtig. Auch besteht die Möglichkeit, dass FAS mal ausfallen – das kann zum Beispiel bei einem Notbremssystem, auf das der Fahrer sich blind verlässt, fatal sein. Hinzu kommt: Je weniger ein Fahrer selbstständig tun muss, desto unaufmerksamer wird er. Das alles bedeutet, mit FAS brauchen Kraftfahrer „mehr und nicht weniger Ausbildung“, so Krüger. Das Erlernen von Assistenzsystemen stelle einen eigenen Ausbildungsteil dar, hierzu sollte ein entsprechendes Curriculum entworfen werden, sagte der Wissenschaftler. Fahrschulautos sollten mit FAS ausgestattet sein. Da es sehr im Interesse der Fahrzeug-Hersteller liege, dass die Menschen mit den Assistenzsystemen auch sicher fahren können, sollten sie den Fahrschulen finanziell entsprechend entgegenkommen, forderte Krüger. Auch alte Menschen könnten von Fahrerassistenzsystemen sehr profitieren. Sie haben aber häufig Angst vor der Technik. Zudem bekommen sie die FAS vom häufig schlecht vorgebildeten Verkaufspersonal nicht adäquat erklärt und haben keine Möglichkeit, zu üben, so Krüger. Hier seien dringend neue Modelle nötig. Und zwar keine, die erfahrene Kraftfahrer in der Ansprache mit Schülern in einen Topf werfen. Noch etwas lag Krüger am Herzen: „Es heißt immer, alte Menschen kompensieren beim Autofahren. Sie gehen Schwierigkeiten aus dem Weg, indem sie zum Beispiel nicht mehr im Dunkeln fahren. Das ist aber überhaupt nicht gut, denn dadurch werden sie immer unfähiger. Wir müssen Programme haben, die sie gezielt in schwierige Situationen bringen.“ So bleiben sie fit und können schwierige Situationen – in die sie ja immer mal unbeabsichtigt geraten können – auch im höheren Alter noch bewältigen. (bub, 29.11.10)
Kraftfahrer müssen auf Fahrerassistenzsysteme vorbereitet werden
Mit Fahrerassistenzsystemen kommen auch auf Fahrlehrer neue Herausforderungen zu