Doppeltes Jubiläum beim TÜV Süd

15.07.2011 15:40 Uhr
Gerhard Müller
Gerhard Müller erzählte Interessantes aus der Vergangenheit des TÜV Süd und sprach über die Zukunft der Hauptuntersuchung
© Foto: Sylke Bub

Im Jahr 1910 war die Geburtsstunde des TÜV Süd, 1960 wurde die Prüfplakette eingeführt. Anlässlich des doppelten Jubiläums blickte Gerhard Müller zurück auf die vergangenen 100 Jahre und in die Zukunft mit Elektrofahrzeugen und europäischer Harmonisierung.

Am 15. Oktober 1910 war die Geburtstunde des TÜV Süd. Damals gründete der Stuttgarter Dampfkessel-Revisionsverein eine Spezialabteilung „zur Prüfung von Fahrzeugen und deren Führern“. Seitdem ist viel passiert. Davon erzählte Gerhard Müller, der beim TÜV Süd Auto Service den Bereich Politik und Wirtschaft verantwortet, bei einer Veranstaltung des TÜV Süd im Verkehrszentrum des Deutschen Museums. Die Pflicht zur Fahrzeugüberwachung wurde als erstes in Bayern eingeführt, berichtete Müller. Zu Anfang bekamen die Fahrzeughalter noch eine Einladung zur Fahrzeugüberwachung. „Weil die zu häufig nicht wahrgenommen wurde, weil die Behörden überlastet waren und es immer mehr Fahrzeuge gab, wurde 1960 mit der Novelle der StVZO die TÜV-Plakette eingeführt.“ Jedes Jahr wechselt die Farbe der Plakette, alle sechs Jahre gibt es wieder die gleiche Farbe. So kann man schon an der Farbe erkennen, ob die Hauptuntersuchung überfällig ist. Inzwischen laufen die Monatszahlen auf der Plakette gegen den Uhrzeigersinn und die 12 ist mit einem schwarzen Segment markiert. Dadurch kann man auf den ersten Blick auch schon den Monat der nächsten HU erkennen. Ist beispielsweise im April die nächste HU fällig und die Plakette entsprechend mit der 4 nach oben aufgeklebt, zeigt das schwarze Segment an der 12 genau auf „4 Uhr“. Stark verändert haben sich die Prüfmethoden bei der HU. Während man zum Beispiel heute auf modernen Bremsständen die Bremswirkung genau bestimmen kann, haben die Prüfer früher auf der Straße bremsen lassen. Müller: „Damals versuchte man aufgrund des Ausschlages eines Pendels oder einer Flüssigkeit beim Bremsen die Bremswirkung zu beurteilen.“ Auch die Mängel waren früher nicht die gleichen wie heute. „Rost war früher der Hauptfeind des Autofahrers“, so Müller. „Bis Mitte der 90-er Jahre waren das die Schäden, die am häufigsten auftraten.“ Heute werden die häufigsten Mängel an Beleuchtung, Vorder- und Hinterachse sowie den Bremsen gefunden. Überraschend war die Aussage Müllers, dass heute jedes 5. vorgestellte Auto erhebliche Mängel hat und nicht durch den TÜV kommt. Etwa 30 Prozent haben geringe Mängel und nur rund die Hälfte der vorgestellten Wagen sind mängelfrei. Um für die Zukunft mit Elektroautos gerüstet zu sein, testen die Mitarbeiter des TÜV Süd derzeit schon Elektrofahrzeuge und gewinnen so Erkenntnisse für die HU bei E-Fahrzeugen. Der TÜV Süd will deshalb auch mit einem E-Mini und einem E-Fiat an der e-miglia teilnehmen, die über 800 Kilometer von München über den Großglockner bis Sankt Moritz geht. Kritisch betrachtete Müller die anstehende europaweite Harmonisierung der periodischen Fahrzeugüberprüfung: „Es gibt Anlass zur Sorge, dass es zu einer Absenkung des hohen deutschen Prüfniveaus kommen könnte.“ Dabei hatte er zum Beispiel die Überprüfung von Fahrerassistenzsystemen, die Ausbildung der Prüfer und auch die strikte Trennung von Prüfung und Reparatur im Blick. „In manchen Ländern ist es so, dass der, der die Fahrzeuge prüft, auch der ist, der sie repariert.“ Das könne nicht im Sinne der Verkehrssicherheit und auch nicht im Sinne der Verbraucher sein. Müller: „Wir werden da am Ball bleiben, die aktuellen Entwicklungen verfolgen und, wenn nötig, auch intervenieren.“ (bub)

MEISTGELESEN


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


www.fahrschule-online.de ist das Online-Portal der monatlich erscheinenden Zeitschrift FAHRSCHULE aus dem Verlag Heinrich Vogel. Diese ist das offizielle, überregionale Organ der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände ist. Im Mittelpunkt der redaktionellen Leistungen stehen die Fragen der Verkehrssicherheit. Technische, wirtschaftliche und verkehrsrechtliche Probleme werden ausgiebig erörtert.

www.fahrschule-online.de bietet ein umfangreiches Internet- Angebot für Fahrschulinhaber und Fahrlehrer mit täglich aktuelle Nachrichten und Produktinformationen sowie Kurzurteile für Fahrschulinhaber und angestellte Fahrlehrer.