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Fahrlehrerkongress: Fehler bringen uns weiter

Dr. Henning Beck zeigte, wie spannend Neurowissenschaft sein kann
© Foto: Werner Kuhnle

Den Anfang der Fachvorträge am ersten Kongresstag machte Neurowissenschaftler Dr. Henning Beck. Er brachte dem Plenum auf verständliche Weise das komplexe Thema „Gehirn“ unterhaltsam nahe.


Datum:
16.11.2018
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Für die ersten Lacher unter den Fahrlehrern sorgte zu Beginn das Beispiel, mit dem der Wissenschaftler die Arbeitsweisen des Gehirns darstellte. Durch Nervenimpulse werden nämlich im Gehirn unter anderem die elementaren Empfindungen eines jeden Menschen gesteuert. So könne ein und dasselbe Bild bei Menschen verschiedene Emotionen hervorrufen. Beispielsweise bereite ein und dasselbe Bild der Wildecker Herzbuben manchen Menschen Freude, anderen Ekel und wieder anderen Angst. Was jedoch alle diese Emotionen, die Nervenimpulse im Hirn sind, verbinde, ist die Tatsache, dass sie unterbewusst entstehen.

In unserer heutigen Zeit sollen Computer dem Menschen das alltägliche Leben erleichtert. Tatsächlich sind sie laut Henning Beck aber fehleranfälliger als unser Gehirn. „Computer können abstürzen. Unsere Gehirne laufen hingegen - in der Regel - ohne Ausfälle“, rief er den anwesenden Fahrlehrern zu. Darauf könne man aufbauen. Außerdem würden Computer nach einem sehr einfachen Schema arbeiten: Sie nehmen Informationen als Input auf, verarbeiten diese und sorgen für ein Ergebnis. Gehirne hätten da eine andere Arbeitsweise: Sie erhalten Informationen. Dann würden über 80 Milliarden Nervenzellen im Gehirn in Zusammenarbeit an einer Lösung arbeiten. Ein genauer Ablauf dieses Prozesses – quasi von Speicherort zu Speicherort – könne nicht nachverfolgt werden.

Fehler zu machen, ist gut

Dass bei Denkvorgängen Fehler entstehen, ist gut und richtig so, stellte Beck klar. Denn nur durch Fehler können neue Ideen entstehen. Um dem Plenum auch diese Aussagen auf einfache und verständliche Weise zu erklären, führte Beck das Beispiel des deutschen Astronauten Alexander Gerst, der sich derzeit auf der ISS befindet, an. Dieser sei für derartige Einsätze ausgewählt worden, weil er natürlich auf der einen Seite intelligent und ausgebildet sei, auf der anderen Seite habe er aber auch den Mut, Dinge zu hinterfragen und damit neue Ideen zu entwickeln. Und diese Ideen müssten anschließend, damit sie etwas bewirken können, auch in die Tat umgesetzt sowie anderen mitgeteilt werden. An die Fahrlehrer gewandt, erklärte Beck, dass dieser Kongress auch zu einem Ort werden könne, wo neue Ideen entstehen.

Menschen beherrschen das Konzeptdenken

„Denken Sie jetzt an Ihre Großmutter“, forderte der Hirnforscher anschließend auf. Bei einigen Menschen sei bestimmt die Stimme, der Geruch oder ein Bild der eigenen Oma im Kopf entstanden. Mit diesem Experiment machte Beck deutlich, wie das Gehirn – anders als eine Maschine – das Konzeptdenken für sich nutzt. Dieses kreative Denken mache den Menschen gegenüber eines Computers einzigartig und überlegen, denn wir haben die Fähigkeit, Informationen in Verbindung zu anderen Informationen zu stellen und diese zu einem gemeinsamen Konzept zu verbinden. Außerdem hätten Menschen den ungemeinen Vorteil, dass sie verstehen können. Es sei nicht möglich, Verstandenes im  Nachhinein wieder zu „Entverstehen“. Hingegen sei es gar kein Problem, Gelerntes im Nachgang wieder zu verlernen. Man unterscheide hier das sogenannte „deep learning“ einer Maschine vom „kreativen Denken“ eines Gehirns. Diese Ausführungen brachte Beck mit dem Satz „Unser Gehirn ist nicht an Daten interessiert, sondern an Zusammenhängen“ auf den Punkt.

Schrittweise Anleitung zu neuen Ideen

Für die Arbeit mit Fahrschülern, aber auch für das alltägliche Leben gab der Neurowissenschaftler den Fahrlehrern anschließend folgende Punkte mit auf den Weg. Der erste Schritt hin zu neuen Ideen sei es, die Konzentration aufzugeben. Denn die meisten guten Ideen entstehen, wenn man nicht nach ihnen sucht. Eine Studie habe ergeben, dass Menschen bei alltäglichen, routinierten Aufgaben wie Duschen, Auto fahren oder Sport treiben am kreativsten und einfallsreichsten seien. Daher sei es – auch wenn es in der Gesellschaft extrem verpönt ist – ratsam, sich manchmal einfach zu langweilen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. In der Wissenschaft spricht man dann von der sogenannten „Gedankenwanderung“.

„Mit Denkmustern brechen!“, war der Appell, den Beck als zweiten Schritt an das Plenum richtete. Obwohl die Güte des Denkens oft daran gemessen werde, wie gut jemand in Denkmustern denken könne, lohne es sich manchmal derartige Vorgaben aufzugeben. Selbst die größten Genies in der Geschichte wurden nur zu solchen, weil sie abseits ihres eigentlichen Denkmusters Neues entdeckten beziehungsweise entwickeln konnten.

Mit Schritt drei sprach Henning Beck einen Punkt an, den die anwesenden Fahrlehrer auf dem 7. Fahrlehrerkongress in die Tat umsetzen könnten: den Wissensaustausch. Für eine gute Wissensvermittlung sei es dabei häufig ratsam, „ein wenig um die Ecke zu denken“. „Lassen Sie einige kleine Fragen offen, das schafft Aufmerksamkeit beim Gegenüber und weckt Neugier“, forderte Beck seine Zuhörer auf. Auch in der Fahrausbildung könne die Fahrlehrerschaft diese Aufforderung berücksichtigen.

Schließlich müsse eine Idee, wenn sie im Innern gereift ist, auch in die Tat umgesetzt werden. Dies sei Schritt vier, der eine Idee erst zu einer neuen Idee für andere macht. Dass dabei Fehler entstehen, sei gut, denn dadurch könnten die neuen Denkbrüche erst genutzt werden. Und das war gleichzeitig auch die fünfte Empfehlung, die Beck in seinem Vortrag vertrat. Fahrlehrer sollten keine Angst davor haben, einen Fehler zu begehen, sondern handeln. Denn nur so könne das Gehirn effektiv statt effizient denken und damit jung bleiben.

Aus Fehlern lernt man

Als Fazit gab der Neurowissenschaftler der Fahrlehrerschaft, die den einstündigen Beitrag immer wieder mit Zwischenapplaus und Lachern würdigte, folgenden Appell mit auf den Weg: „Machen Sie einfach, statt es perfekt machen zu wollen! Denn nur aus Fehlern lernen wir.“

(ts)

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