TÜV Mobility Studie: Große Mehrheit für null Promille am Steuer

27.10.2026 11:30 Uhr | Lesezeit: 5 min
Alkohol; Weißbier
Die Promille-Grenzen stehen weiterhin stark in der Kritik (Symbolbild)
©Foto: picture alliance / HANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.com | HANS KLAUS TECHT

71 Prozent befürworten ein absolutes Alkoholverbot für Autofahrende, fast jede zweite Person für alle abgefragten Fahrzeugarten. TÜV-Verband fordert null Promille für alle Kraftfahrzeuge und strengere Regeln für Radfahrende.

Berlin (ots) - Sieben von zehn Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern (71 Prozent) befürworten ein absolutes Alkoholverbot für Autofahrerinnen und Autofahrer. Für Motorräder, Motorroller, Mopeds und Mofas liegt die Zustimmung bei 74 Prozent und für E-Scooter bei 67 Prozent. Auch beim Fahrrad ist eine knappe Mehrheit (54 Prozent) für null Promille. Fast jede zweite befragte Person (49 Prozent) unterstützt die Nullpromillegrenze sogar für alle abgefragten Fahrzeugarten. Knapp jeder fünfte Befragte (18 Prozent) lehnt die Nullpromillegrenze komplett ab. Das zeigt die TÜV Mobility Studie 2026, für die forsa im Auftrag des TÜV-Verbands 2.504 Personen ab 18 Jahren befragt hat.

"Alkohol greift genau das an, was man zum sicheren Fahren braucht: klaren Blick, Konzentration und schnelle Reaktion", sagt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband. "Deshalb muss für alle, die ein Kraftfahrzeug fahren, null Promille gelten. Alkohol muss aus dem Straßenverkehr verbannt werden." Um wiederholte Alkoholfahrten zu verhindern, fordert der TÜV-Verband zudem, die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) bereits ab 1,1 Promille anzuordnen statt wie bisher in der Regel ab 1,6 Promille.

Frauen und Ältere häufiger für absolutes Alkoholverbot

Frauen sprechen sich deutlich häufiger für ein Alkoholverbot aus als Männer: 78 Prozent der Frauen und 63 Prozent der Männer befürworten null Promille für Autofahrende. Ein Alkoholverbot für alle Fahrzeugarten unterstützen 57 Prozent der Frauen, aber nur 40 Prozent der Männer. Männer (24 Prozent) lehnen ein Alkoholverbot insgesamt doppelt so häufig ab wie Frauen (12 Prozent).

Noch stärker als zwischen den Geschlechtern gehen die Meinungen zwischen den Altersgruppen auseinander: Ein absolutes Alkoholverbot für alle Fahrzeugarten unterstützen 31 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, 47 Prozent der 30- bis 44-Jährigen, 48 Prozent der 45- bis 59-Jährigen und 59 Prozent der Menschen ab 60 Jahren. Die Nullpromillegrenze für Autofahrerinnen und Autofahrer befürworten 78 Prozent der Befragten ab 60 Jahren, aber nur 62 Prozent der 18- bis 29-Jährigen.

Gefahr bekannt, Grenzwerte trügerisch

Dass Alkohol am Steuer gefährlich ist, wissen fast alle: 86 Prozent der Befragten halten ihn für sehr gefährlich, 12 Prozent für eher gefährlich. Tatsächlich erhöhen schon geringe Mengen das Unfallrisiko deutlich. Nach Daten des European Road Safety Observatory (ERSO) ist das Risiko, an einem tödlichen Unfall beteiligt zu sein, bei 0,3 Promille fast doppelt so hoch wie in nüchternem Zustand. Das allgemeine Unfallrisiko liegt bei 0,5 Promille beim 1,4-Fachen.

TÜV-Verband fordert klare Regeln für mehr Verkehrssicherheit

In Deutschland dürfen Kraftfahrzeugfahrende grundsätzlich mit bis zu 0,5 Promille fahren. Null Promille gilt bisher nur für Fahranfängerinnen und Fahranfänger in der Probezeit und für unter 21-Jährige. Zeigen Fahrende alkoholbedingte Ausfallerscheinungen, kann schon ab 0,3 Promille eine Straftat vorliegen. Ab 1,1 Promille gelten sie als absolut fahruntüchtig, Radfahrende erst ab 1,6 Promille. "1,6 Promille sind ein ausgewachsener Rausch", sagt Zaneta. "Wer so viel getrunken hat, kann kein Fahrzeug mehr sicher führen, auch kein Fahrrad. Dass das Recht Radfahrenden hier so viel Spielraum lässt, passt nicht zum Risiko." Nach Ansicht des TÜV-Verbands besteht hier dringender Handlungsbedarf und empfiehlt die Grenze der absoluten Fahruntüchtigkeit für Radfahrende von 1,6 auf 1,1 Promille zu senken. Zudem sollte ein eigener Bußgeldtatbestand für alkoholisierte Radfahrende eingeführt werden.

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KOMMENTARE

Andreas Kroemer

27.10.2026 - 00:00 Uhr

Der erste große Schritt wäre es wohl, die Promillegrenze für Fahrer aller Art anzugleichen. Zudem sollten die Strafen für alle Fahrer identisch ausfallen und nicht durch die Annahme, dass ein Radfahrer keine so große Gefahr darstelle, einen „Rabatt” erhalten. Das ist auf Dauer unglaubwürdig. Ob die Promillegrenze tatsächlich auf 0,0 gesetzt werden muss, ist eine berechtigte Frage. Doch müssten wir uns dann nicht auch die Frage stellen, ob es für Medikamente, die die Reaktionsfähigkeit beeinflussen oder Euphorie auslösen, nicht auch eine Vorgabe geben sollte? Ein Telefongespräch ist dabei sogar noch viel gefährlicher, denn wenn dort Emotionen im Spiel sind, ändert sich einiges. Ganz davon abgesehen ist dieses Telefonat an sich schon die größte Ablenkung. Anfang der 2000er Jahre hat man in Schweden eine Studie in Auftrag gegeben, die herausfinden sollte, was genau ablenkt: die Bedienung des Telefons oder vielleicht das Gespräch? Nach einem Jahr und rund einer Million Euro stand das Ergebnis fest. Es ist das Gespräch an sich, was kaum überraschen sollte. Trotzdem ist der Gesetzgeber bei uns nicht auf die Idee gekommen, klare Regeln zu schaffen, sodass Freisprechanlagen z. B. während der Fahrt bzw. bei laufendem Motor nicht funktionieren. Wer mit dem Handy telefonieren will, darf das schließlich nur, wenn er irgendwo parkt und den Motor komplett ausgestellt hat – sofern keine Freisprecheinrichtung vorhanden ist. Was den Grad der Ablenkung und die reduzierte Reaktionsgeschwindigkeit betrifft, unterscheiden sich 0,5 Promille und ein emotionales Telefonat kaum. Bevor man über 0,0 Promille nachdenkt, müssen erst die anderen Ursachen für Ablenkung und reduzierte Reaktionsfähigkeit beseitigt werden. Ansonsten ist das Ganze vollkommen nutzlos.


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