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Vergangenheit im Blick – Zukunft im Fokus

Der Vorstand des Landesverbands Sächsischer Fahrlehrer: Andreas Grünewald (l., Vorsitzender) und seine Stellvertreter Peter Losleben (M., 1.) und Frank Hohlfeld (2.)
© Foto: Constanze Meindl

Bei ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung im penta Hotel Chemnitz feierten die Mitglieder des Landesverbands Sächsischer Fahrlehrer ihr 25-jähriges Bestehen und schauten zurück – ließen aber auch die Zukunft nicht aus den Augen.


Datum:
12.06.2015
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So mancher fühlte sich in alte Zeiten zurückversetzt, wenn er in den Materialien der „Nostalgie-Ecke“ kramte, die der Verband aufgebaut hatte. Lehrbücher und Schulungsmaterialen aus vergangenen Zeiten luden zu einer Reise in die DDR-Vergangenheit ein. Ein ganz besonderes Highlight war der erste Fahrsimulator, den die Sachsen ausgestellt hatten. Erst, wenn die Führerscheinanwärter auf dem Fahrtrainer ihr Können bewiesen haben, ging es auf den Verkehrsübungsplatz. Vorher durfte niemand in den Realverkehr.

Und einfach so zur Fahrschule gehen und für den Führerschein anmelden war zu DDR-Zeiten nicht möglich. „Die angehenden Kraftfahrer mussten bis zu vier Jahre warten, bis sie mit der Ausbildung starten durften,“ erzählte Andreas Grünewald, Vorsitzender des Landesverbands Sächsischer Fahrlehrer. Lag dann die ersehnte Postkarte im Briefkasten, dass es losgehen kann, stand zunächst die theoretische Ausbildung auf dem Programm. Dann wurde auf dem Fahrtrainer das Zusammenspiel zwischen Kupplung, Gas und Bremse erlernt. Abschließend ging es auf den Elementeplatz, wo in älteren Fahrzeugen, die an riesige Autoscooter erinnern, geübt wurde. Erst wer das beherrschte, durfte auf die Straße. Die praktische Ausbildung fand schon mal im Tandem statt – ein Fahrzeug, bei dem statt Rücksitzbank noch ein Cockpit mit Pedalen eingebaut war und man von hinten mitlenken konnte.

1990 dann begann die Geschichte des Verbands: Zunächst gab es zwei Verbände, der Sächsische Fahrlehrerverband in Leipzig und den Fahrlehrerverband Sachsen mit Sitz in Dresden. Im Februar 1991 schlossen sich die beiden zum Landesverband Sächsischer Fahrlehrer zusammen.

Gerhard von Bressensdorf, der als Vertreter der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) nach Chemnitz kam, erinnerte sich gerne 25 Jahre zurück: „1990 kamen 1.000 Fahrlehrer aus Sachsen im Hygienemuseum zusammen, um den Start der Verbände auszurufen“, schwärmte der Bundesvorsitzende. „Für mich war das ein großer Impuls, weiter im Verband tätig zu sein und eine Freude, so viele Freunde aus Sachsen kennenzulernen.“ Wenngleich nicht mehr in solch beeindruckend hoher Zahl, so freute sich von Bressensdorf, dass die Fahrlehrer Sachsens sich noch heute im Verband engagieren. „Ohne Landesverbände wäre die BVF nichts – und ohne Mitglieder wären die Landesverbände nichts“, betonte von Bressensdorf.

Lob für Sachsens Fahrlehrer brachte der Bundesvorsitzende auch mit nach Chemnitz. „Dank Ihrer theoretischen und praktischen Ausbildung, ist das Projekt AM 15 ein voller Erfolg.“ Die von Skeptikern prophezeite „Blutspur durch die AM-15-Länder“ ist nicht Realität geworden.

Mit Blick auf das Verkehrsinfrastrukturprojekt VAMOS, das unter anderem ein Testfeld für automatisiertes Fahren im Dresdner Stadtgebiet vorsieht, sagte von Bressensdorf, dass er sich sicher sei, dass in Zukunft Fahrlehrer mehr gebraucht würden als je zuvor. „Je mehr die Automatisierung voranschreitet, desto dringender brauchen die Menschen jemanden, der ihnen beibringt, richtig damit umzugehen.“ Sicherlich werde sich der Beruf wandeln, er werde technischer als er heute ist. Doch wer offen mit dieser Veränderung umgeht, müsse keine Angst vor der Zukunft haben.

Eine andere Änderung, die derzeit manchem Fahrlehrer Kopfzerbrechen bereitet, ist das elektronische Protokoll. „Fluch oder Segen?“ heißt deshalb auch der Vortrag der Bundesvereinigung, den von Bressensdorf mit nach Chemnitz brachte. Der Bundesvorsitzende zerstreute die Bedenken der Anwesenden: Die während der Fahrt generierten Daten seien sicher und werden an keine Behörde oder ähnliches übermittelt. Außerdem werde kein automatisches Prüfergebnis generiert. „Menschen müssen von Menschen bewertet werden und nicht von Maschinen“, betonte von Bressensdorf. Vor allem aber sei das elektronische Prüfprotkoll „eine Chance auf mehr Gerechtigkeit“.

So sieht das auch Dr. Andreas Schmidt, Leiter Fahrerlaubniswesen bei Dekra, der die Erprobung der digitalen Fahrprüfung begleitet hat: „Das elektronische Prüfprotokoll sorgt für ein einheitliches, lesbares und transparentes Ergebnis der praktischen Fahrerlaubnisprüfung.“ Der Testbetrieb habe gezeigt, dass die Ergebnisse von den Fahrerlaubnisanwärtern besser nachvollzogen werden können und das Auswertungsgespräch ausführlicher sei. Einer der erprobenden Prüfer sagte sogar: „Endlich sind die Prüfprotokolle lesbar.“

Des Weiteren berichtete Schmidt von der 10 Millionsten praktischen Prüfung im Osten, die im Jahr 2014 in Schwerin durchgeführt wurde. Durchschnittlich prüfe Dekra 400.000 Führerscheinaspiranten im Jahr – damit habe mehr als jeder zweite Einwohner Ostdeutschlands seinen Führerschein beim Dekra erworben.

Auch Schmidt lobte AM 15 als „Mobilitätsgewinn“ und begrüßte ausdrücklich, dass so die jungen Verkehrsteilnehmer an den Verkehr herangeführt würden.

Hubertus Schröder vom Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr stellte unter anderem das Programm „10x10“ vor, dessen Ziel es ist, die 100 Stellen, an denen im Freistaat am häufigsten Unfälle passieren, zu identifizieren und zu beseitigen. Dafür wurde für jeden Landkreis eine Tabelle der zehn auffälligsten Unfallhäufungsstellen zusammengestellt. Auf deren Basis wurden durch eingehende Analysen die unfallbegünstigenden Mängel im Straßenraum herausgearbeitet und geeignete Maßnahmen benannt, die zu deren Beseitigung beitragen sollen. Sachsens Fahrlehrer unterstützen das Programm, in dem sie diese Unfallschwerpunkt anfahren und mit den Schülern besprechen, warum diese Stellen so gefährlich sind. Dies habe, wie Grünewald erklärte, nicht nur Auswirkungen auf das Fahrverhalten der Schüler selbst an diesen Unfallschwerpunkten. Die angehenden Führerscheinbesitzer würden das Wissen auch an Eltern und Freunde weitergeben, was auch diese für die Gefahren sensibilisiert.

Gleich fünf schwere Unfälle musste die Fahrlehrerversicherung im Jahr 2014 regulieren, wie Stefan Kottwitz, Leiter der Schadenabteilung des Stuttgarter Branchenversicherers erläuterte. Allein diese Schäden verursachten Ausgaben von etwa 4,1 Mio. Euro. Trotz dieser Summe wird der Branchenversicherer wohl einen Jahresüberschuss von rund 0,4 Mio. Euro in den Büchern stehen haben. „Diesen Jahresüberschuss führen wir als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit den Rücklagen zu“, erläuterte Kottwitz. Der Leiter der Schaden-Abteilung warb bei den Sachsen für die Aktion „Kunden werben Kunden“, um die Versicherungsgemeinschaft weiter zu stärken. Für jeden Neukunden, der auf die Empfehlung eines Fahrlehrers zurückgeht, bekommt der einen Tankgutschein von 25 Euro. „Aus rund 16.500 Empfehlungen konnten wir bisher etwa 12.000 Neukunden gewinnen“, erzählt Kottwitz.

Für die Stärkung der Verbandsgemeinschaft warb der Vorsitzende Andreas Grünewald, denn nur so könne sich der Verband Gehör bei Politik und Behörden verschaffen und weiterhin an so zahlreichen Aktionen teilnehmen, wie es die Sachsen alleine im Jahr 2014 gemacht haben. Hierzu zählen unter anderem der Aktionstag mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband, an dem Menschen mit Handicap im Fahrschulauto ein paar Runden drehen dürfen. „Das ist immer ein großer Erfolg und bereitet den Menschen mit Einschränkungen viel Freude“, erzählt Grünewald. Auch die rege Teilnahme der Fahrlehrer am Tag der Verkehrssicherheit auf dem Sachsenring oder am Aktionstag Fahrausbildung auf der Messe AMI (Auto Mobil International) mit einem eigenen Stand trägt positiv zum Image der Fahrlehrerschaft bei.

Ein wichtiger Teil der Verbandsarbeit sei derzeit auch die Hilfestellung für Mitglieder, die neue Betätigungsfelder erschließen möchten, „wenngleich es bei den Fahrschulen in Sachsen im Moment relativ gut läuft“, weiß der Vorsitzende. Immer mehr Fahrlehrer im Freistaat lassen sich zum „BVF-Sicherheitstrainer“ ausbilden und geben in allen Sparten qualifizierte Kurse.

In einer vom Landesverband Sächsischer Fahrlehrer durchgeführten Studie wollte der Verband ermitteln, welche Faktoren auf Bestehen beziehungsweise Nicht-Bestehen der Fahrerlaubnisprüfung Einfluss haben. Es zeigte sich, dass die Erfolgsquote von denjenigen Schülern am höchsten ist, die das von der Fahrschule angebotene Lehrmaterial vollständig durchgearbeitet und eine Vorprüfung absolviert haben. Besonders häufig fielen die Schüler durch die Prüfung, die zum einen nicht alle Aufgaben bearbeitet haben und zum anderen ihren Fahrlehrer dazu drängten, endlich die Prüfung zu machen. „Wir sollten uns daher nicht von den Schülern drängen lassen sondern sie erst zur Prüfung schicken, wenn wir sie für prüfungsreif halten“, betonte Peter Losleben, 1. Stellvertretender Vorsitzender der Sachsen, der die Studienergebnisse präsentierte.  

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie war, dass das größte Hemmnis beim Bestehen der praktischen Prüfung soziale oder finanzielle Belastungen sind. Schüler, die sich solch äußeren Einflüssen gegenübersehen, bestehen häufig nicht.

Zusammengefasst erlauben die Studienergebnisse folgenden Schluss: Wer weniger als zehn Wochen Vorbereitungszeit hat, eine Vorprüfung absolviert, alle Aufgaben aus den Lehrmaterialien durcharbeitet und beim richtigen Prüfungszeitpunkt auf seinen Fahrlehrer vertraut, hat die größten Chancen, seine theoretische Prüfung zu bestehen.

Bei der praktischen Fahrerlaubnisprüfung haben eine geringe finanzielle Belastung, ein eigenständiges Vorbereiten auf die Fahrstunden, ein für die Schüler durchschaubares Ausbildungssystem, geringe Aufregung und die Tatsache, dass sich der Schüler selbst prüfungsreif fühlt den größten positiven Einfluss auf das Bestehen.

Überraschend war: Diejenigen, die der Meinung waren „Fahren lernt man erst hinterher“ haben das größte Risiko, die praktische Prüfung nicht zu bestehen – ihre innere Einstellung scheint ihnen im Weg zu stehen.

Den Weg frei für vier weitere Jahre an der Spitze des Landesverbands Sächsischer Fahrlehrer machten die Mitglieder ihrem Vorstand Andreas Grünewald. Er wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt. Gleiches gilt für seinen 2. Stellvertreter Frank Hohlfeld: auch er wurde ohne Gegenstimme und Enthaltung wieder gewählt.

(cm)


Mitgliederversammlung Landesverband Sächsischer Fahrlehrer

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