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Kleiner Rebell

Scheut auch das Gelände nicht: der neue Jeep Renegade
© Foto: Gregor Soller

Der neue Jeep Renegade bricht mit vielen Traditionen und ist trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ein ziemlich interessantes Fahrschulauto.


Datum:
18.09.2014
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Es gibt immer noch Vorurteile gegen Chrysler-Fiat: Dazu gehören teils eher schlechte Material- und Verarbeitungsqualitäten und ein permanentes Zurückfahren der italienischen Fertigung. Und jetzt kommt so ein kleiner Jeep im Playmobil-Look daher und soll das alles ändern?

Tatsächlich räumt der für den Linkslenkermarkt ausschließlich im süditalienischen Melfi gebaute Renegade mit all diesen Vorurteilen auf. Er verbindet geschickt eigenwillige Optik mit hochwertiger Haptik und den Wrangler mit dem Grand Cherokee. Tatsächlich erfand Jeep nach den eher zwiespältigen, größeren Compass und Patriot ein neues, komplett eigenständiges Modell mit starkem Charakter und ungewöhnlicher Optik, die zu polarisieren versteht.

Für das Außendesign gab es tatsächlich eine Initialskizze, die laut dem Vizechef des Chrysler Interior Designs Klaus Busse in einer Bar in Detroit entstand. Ähnlich war es beim Innenraum, für den Busse die Gesamtverantwortung trägt: „ Dafür setzte ich die jüngsten Designer an das Projekt und es kamen tolle Ideen dabei heraus. Die technoide Variante, die mir eigentlich am besten gefiel, sah vielen manchen zu sehr nach U-Boot aus, also verfolgten wir die intern E.T. genannte Variante weiter.“ Tatsächlich erinnern die oben aufgesetzten mittigen Lüftungsdüsen ein wenig an die Augen des außerirdischen Filmhelden aus dem gleichnamigen Hollywood-Streifen. Die Lüftungsgitter selbst gefallen mit satt rastenden und verstellbaren Lamellen und drum herum ist jetzt alles hinterschäumt.

Ebenfalls eine kleine Revolution: Früher glichen Jeep-Interieurs eher einer Plastikwüste. Hier schien der Design-Hüne Busse mit dem immer noch norddeutschen Akzent Erfolg zu haben, denn tatsächlich wirkt der Innenraum wie aus einem Guss und lässt sich selbst durch die fiesesten Schlaglöcher nicht zum leisesten Knistern oder Zirpen hinreißen. Auch die Fenster fahren satt und geräuschlos auf und ab.  Selbst auf übelsten Verwindungsstrecken lassen sich die Türen noch problemlos öffnen und schließen, weil der Renegade tatsächlich über eine burgartig solide Karosserie verfügt.

Hier hat Jeep massiv nachgelegt und nähert sich hier durchaus dem Premiumrevier an, aus dem Busse kommt: Er begann seine Karriere bei Daimler und kam über die Stuttgarter nach Auburn Hills.  Massiv fallen leider auch die A- und C-Säulen aus, was die an sich gute Übersichtlichkeit etwas einschränkt. Zusammen mit er mächtigen Haube und den steil stehenden Scheiben hat man das Gefühl, hier einen ziemlichen  Brocken zu bewegen, der in Wirklichkeit kürzer ist als ein Golf. Von dem ist er in Sachen Bedienlogik, Haptik und Optik objektiv gar nicht so weit weg, wenngleich der Renegade gegenüber dem VW subjektiv tatsächlich den Rebellen gibt. In Sachen  Aerodynamik und Verbrauch bringt dieses rebellieren natürlich keine Bestwerte: Ein cW-Wert von 0,34 und ein Minimalverbrauch nach Norm ab 4,6 Liter Diesel (was 115 Gramm CO2 entspricht) sind eher durchschnittlich.

Fein abgestimmt und gedämmt wurden dagegen die kräftigen Multijet-Diesel, die 120, 140 oder 170 PS aus 2,0 Liter Hubraum leisten, wobei dem 120-PS-4x2 dafür 1,6 Liter genügen. Sie sprechen spontan an, klingen fast wie Benziner und kommen ohne Turboloch zur Sache. Die Kraft lässt sich über die Sechsgangbox ordentlich portionieren und der große Schaltknauf passt gut zum sonst kräftigen Auftreten des Renegade. Wer öfter in schwereres Terrain möchte, kann die Trailhawk-Version mit Untersetzung wählen, die neben den Fahrprogrammen „Auto“, „Mud“, „Snow“ und „Sand“ auch noch „Rock“ bietet und den Jeep dank Bergabfahrhilfe notfalls ganz langsam steile Abgründe herunter kriechen lässt. Außerdem hat Jeep natürlich die elektronischen Fahrassistenten und die Internetkonnektivität auf den aktuellen Stand gehoben.

Den Rebellen unter den Fahrlehrern ist der Renegade nicht verborgen geblieben: Erste Anfragen gibt es bereits – zu Recht – denn der Kleine Jeep entpuppt sich nach er ersten Ausfahrt rund um das Fiat-Testgelände Balocco als sympathischer, gar nicht so rebellischer Begleiter, dem bunte Farben ebenso gut stehen wie die extra aufgelegten Military-Töne. Bis auf weiß kosten aber alle Lackierungen Aufpreis.  Die Preise starten übrigens bei  19.831,93 Euro für den 140 PS starken Longitude–Fronttriebler (hier rebelliert der Renegade gegen seine eigene Herkunft und dürfte nach Prognose seiner Eltern auch der erste Jeep sein, der wahrscheinlich häufiger als Fronttriebler statt als Allradler verkauft wird). Dessen Preise starten bei 22.268,91 Euro, womit er sich bei den eher günstigen Angeboten im Segment einreiht.

Fazit: Wer mit den burgartigen A-Säulen und in der Praxis eher durchschnittlichen Verbräuchen leben kann, findet im Renegade einen ziemlich vernünftigen und herrlich individualisierbaren Fahrschulwagen, der mit ordentlicher Haptik und auffälliger Optik punktet und sich trotzdem fährt, wie es sich für einen Jeep gehört.

(gs)


Jeep Renegade: ein kleiner Rebell

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