Dienstag, 17. September 2019

14.05.2019Verband

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Sachsen: Keinen Ärger mit der BASt

Mitgliederversammlung Fahrlehrerverband Sachsen 2019
Uwe Müller erhielt Blumen zum Einstand als 2. Stellvertreter. Er ersetzt Frank Hohlfeld (2. v. l.), der dem neuen Vorstand in Sachsen um Peter Losleben und dem wiedergewählten Vorsitzenden Andreas Grünewald nicht mehr angehört
© Foto: Judith Böhnke

Es gibt viele Themen, die der Fahrlehrerschaft im Freistaat auf den Nägeln brennen. Eins davon: die zunehmende Digitalisierung. Kurt Bartels, 1. stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), widmete der Thematik seinen Gastvortrag „Digitalisierung in der Fahrschule – Chancen und Herausforderungen“. Dabei ging Bartels der Frage nach, ob Digitalisierung ein Werkzeug sein kann, das hilft, die professionelle Arbeit des Fahrlehrers zu erhalten, zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Für Erleichterungen sorgt in nicht allzu ferner Zukunft beispielsweise die komplett papierlose Datendokumentation in der Fahrschule mit einer vollständig digitalen Ausbildungsbescheinigung. Ebenfalls denkbar: die vorläufige Fahrberechtigung zu digitalisieren und dem Bewerber aufs Handy zu schicken.

Eine klare Absage erteilte Bartels Gedankenspielen, den theoretischen Unterricht in die elektronische Welt zu verlagern. E-Learning könne dort eingesetzt werden, wo es um Fakten ginge, Dinge, die schlicht und ergreifend auswendig gelernt werden müssen, um später in der Praxis auf sie zurückgreifen und mit ihnen arbeiten zu können. Das Erlernen von verkehrssicherem Verhalten funktioniere jedoch nur in der Fahrschule, weil der Straßenverkehr „ein gelebtes, gesellschaftliches Sozialgefüge“ sei, das dem Schüler in der Gemeinschaft vermittelt werden müsse, sagte Bartels. Jetzt gelte es, den Präsenzunterricht und den Ausbildungsrahmenplan zeitgemäß zu gestalten, moderne Unterrichtsmedien clever zu nutzen und die Prüfungsreife unter realen Bedingungen festzustellen.

Erfolgsquoten wesentlich gesunken

In puncto Nichtbestehensquoten erklärte Dr. Andreas Schmidt, Leiter für Fahrerlaubniswesen beim Dekra, dass der Abwärtstrend bei den theoretischen Fahrerlaubnisprüfungen gestoppt zu sein scheint. Von „gut“ oder auch nur „hinnehmbar“ seien die Zahlen dennoch weit entfernt. Zumal die Erfolgsquote bei den praktischen Fahrerlaubnisprüfungen gesunken sei.

„Hier liegt möglicherweise ein Problem für Fahrlehrer und Fahrschulen verborgen“, betonte Andreas Grünewald, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Sachsen. „Ein Fahrlehrer darf einen Schüler nur dann zur praktischen Fahrerlaubnisprüfung vorstellen, wenn er sich von der Prüfungsreife des Schülers überzeugt hat.“ Das Vorliegen der Prüfungsreife muss gemeldet werden – künftig nicht nur für reguläre Fahrschüler, sondern auch für die „Umschreiber“, also Verkehrsteilnehmer mit Migrationshintergrund, die bereits eine Fahrerlaubnis aus ihrem Heimatland besitzen - obwohl es für diese keinerlei Ausbildungsverpflichtung gibt.

Verband entwickelt Dokumentationskonzept

„Bei der BASt laufen sämtliche Meldungen von Erfolgsquoten der Fahrschulen zusammen und werden ausgewertet“, gab Grünewald zu bedenken, „die Meldungen können selbstverständlich zu den Fahrschulen zurückverfolgt werden“. Das Problem dabei: Die Fahrschulen selbst erhalten von der Behörde keine Information. „Wer nicht selbst Buch führt und die Bestehensquoten in seiner Fahrschule dokumentiert, kann sich unter Umständen aus heiterem Himmel in einer Fahrschulüberwachung wiederfinden – völlig ungerechtfertigt –, denn ein eigentlich guter Schnitt kann durch einen einzigen hochkritischen Schüler reichlich verdreht werden und eine gute Fahrschule in ein schlechtes Licht rücken.“ Dass die Fahrschulen hier nicht unter die Räder kommen, sieht Grünewald als eine der großen nächsten Herausforderungen und Aufgaben für seinen Verband. „Wir müssen einen klugen Plan auflegen, wie wir dem Nichtbestehensquoten-Problem begegnen könnten“, merkte er an. „Ein empfehlenswerter erster Schritt wäre, wenn jede Fahrschule sämtliche Lernstandkontrollen ihrer Fahrschüler speichert und aufbewahrt, sowohl die theoretischen als auch die praktischen Lernstandskontrollen.“ Bis Ende des Jahres soll ein Konzept auf die Beine gestellt werden, das gewährleistet, dass alle organisierten Fahrschulen in Sachsen eine belastbare und aussagekräftige Dokumentation vorweisen können, für den Fall, dass es zu Rückfragen durch die BASt kommt. Der sächsische Verband wird des Weiteren Dekra um die Bekanntgabe der fahrschulspezifischen Erfolgsquoten bitten, um ggf. einen Vergleich führen zu können.

Eine weitere Baustelle ist die Durchsetzung einer zeitgemäßen Regelung für Automatikfahrzeuge im Gesetz. „Schlau wäre eine Art ‚Bonsai-Prüfung‘ zur Schaltkompetenz derjenigen Prüflinge, die Schaltgetriebe fahren, ihre praktische Prüfung aber auf einem Automatikfahrzeug ablegen möchten“, schlug BVF-Vertreter Bartels vor. Ebenso wichtig sei eine adäquate gesetzliche Regelung für AM15. „Keinesfalls darf ein Zweiradführerschein in einen Vierradführerschein inkludiert werden“, sagte Grünewald, der bedauerte, dass es noch immer keine bundeseinheitliche Lösung für AM15 oder auch nur die länderübergreifende Anerkennung der AM15-Fahrerlaubnis gibt. Die BVF sieht im Modellversuch einen großen Erfolg und würde eine bundesweite Einführung von AM15 begrüßen, betonte Bartels.

Verkehrsministerium von AM15 überzeugt

Auch die Landespolitik in Sachsen ist überzeugt. „Wir können nicht verstehen, dass AM15 in einigen Bundesländern so restriktiv gehandhabt wird, dass trotz AM15-Führerschein Landesgrenzen teilweise nicht überschritten werden dürfen“, sagte Dr. Georg Freytag vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. „Die Feuerwehren zum Beispiel dürfen auch im Nachbarbundesland helfen, wenn es erforderlich ist.“ Auch Torsten Herbst, Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages bestätigte in seinem Grußwort die Unterstützung für die bundesweite Einführung von AM 15 und dankte den sächsischen Fahrlehrern für ihr Engagement.

Weitere Grußworte an den Verband kamen von Jens Kotschwar und Ronny Schulz vonm Hauptaussteller Volkswagen, von Raoul Schmidt-Lamontain, dem Beigeordneten für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften der Landeshauptstadt Dresden, und von Mathias Rüdel, Geschäftsführer der TÜV/Dekra arge tp21. Stefan Kottwitz, Vorstandsmitglied der Fahrlehrerversicherung, berichtete über aktuelle Entwicklungen auf dem Versicherungsmarkt. Daneben standen Neuwahlen auf der Tagesordnung. Andreas Grünewald wurde als 1. Vorsitzender wiedergewählt, Uwe Müller löst als 2. Stellvertreter Frank Hohlfeld ab, der sich nicht zur Wiederwahl aufstellte.

Workshop zur Datensicherheit

Grünewald hatte abschließend noch einen Tipp für die Kollegen: Anlässlich des Tages der Verkehrssicherheit am 11. August 2019 am Sachsenring wird der Fahrlehrerverband Sachsen einen Workshop zur Datensicherheit anbieten. „Auf jeder dritten Homepage von Kollegen finde ich abmahnfähige Verstöße, und das, ohne danach zu suchen“, sagte Grünewald. „Kritisch ist das, weil bezüglich des erweiterten Impressums und dem allgemeinen Thema Datensicherheit mit mehr Aktivitäten der Abmahnanwälte zu rechnen sein könnte und weil es nicht nur um die Homepages geht. Mit Abmahnungen lässt sich so viel Geld verdienen, dass es sich lohnt, Lockvögel in die Fahrschulen zu schicken, die dann eine Infoberatung in Anspruch nehmen, nur um zu schauen, ob datenschutzrechtliche Fehler gemacht werden.“ Das sollte keine Fahrschule riskieren und sich wappnen. Der Workshop wird im Pressezentrum des VSZ am Sachsenring stattfinden.

Wieder Mitgliederzuwachs in Sachsen

Sehr erfreulich, so Grünewald, sei der wiederholt festzustellende Mitgliederzuwachs des sächsischen Fahrlehrerverbandes. Grünewald betonte in diesem Zusammenhang die „hohe Qualität der Kreisversammlungen, eine gute Informationspolitik für die sächsischen organisierten Kollegen und viele gewinnbringende Aktionen und Veranstaltungen im Freistaat unter Leitung des Landesverbandes Sachsen“.

(Judith Böhnke)

 

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