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AM15: Erfolgsstory im und auf dem Land

Wolfgang Prescher, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Sachsen-Anhalt, führte durch die Mitgliederversammlung in Brehna
© Foto: Judith Böhnke

Er ist ein kleiner Verband, aber einer mit umso mehr Engagement: der Fahrlehrerverband Sachsen-Anhalt. Der Erfolg von AM15 ist ein Beleg für diese Tatkraft der Fahrlehrerschaft.


Datum:
23.04.2015
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Der Fahrlehrerverband Sachsen-Anhalt begeht im Jahr 2015 sein 25. Jubiläum. Als „Botschafter der Mobilität“ bezeichnete Torsten Ganz vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr die Fahrlehrerschaft und forderte die Kollegen auf, sich vermehrt in die CO2-Vermeidung einzubringen. Vor allem das Thema E-Mobilität gewinne stärker an Bedeutung, stehe aber noch immer am Anfang, insbesondere im ländlichen Raum. E-Mobilität müsse daher auch in die Fahrschulen Einzug halten, damit sich Verkehrsteilnehmer von Anfang an dafür öffnen und sich damit vertraut machen könnten.

Ganz begrüßte den Erfolg des Modellprojekts AM15 in Sachsen-Anhalt. Rund 88 Prozent der 15-Jährigen im Land nahmen 2014 die Möglichkeit wahr, bereits mit 15 Jahren den Moped-Führerschein zu erwerben. Die überaus geringe Nichtbestehensquote von unter 20 Prozent spreche für die hohe Akzeptanz und Motivation hinsichtlich AM15. Das sei jedoch nicht zuletzt auch ein Verdienst der Fahrlehrerschaft in Sachsen-Anhalt, der es besonders gut gelänge, die AM15-Zielgruppe anzusprechen. In Sachen Verkehrssicherheit seien die jugendlichen Moped-Fahrer nicht auffällig geworden, so Ganz. So seien 2014 nur insgesamt 53 AM15-Inhaber an Unfällen in Sachsen-Anhalt beteiligt gewesen, wobei lediglich 39 die Unfälle selbst verursacht hätten.

Auch Peter Glowalla beglückwünschte Sachsen-Anhalt zu seinem Mut, gemeinsam mit Thüringen und Sachsen das Modellprojekt AM15 realisiert zu haben. „Die Klasse AM als ‚Beiwerk‘ zur Führerscheinklasse B zu vergeben, macht in Sachen Verkehrssicherheit wenig Sinn“, betonte der 1. stellvertretende Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF). „Denn viele Fahranfänger erwerben die Klasse B nur, um anschließend Moped zu fahren – was aber bedeutet, dass sie AM nicht beherrschen und B verlernen, weil sie nicht begleitet werden.“ Mit Sorge bezog sich Glowalla auf die Ausführungen von Torsten Ganz, der sich in keinster Weise zur geplanten Änderung des Fahrlehrerrechts geäußert hatte. Wer lehrt, müsse zweimal lernen, betonte Glowalla, einmal, indem er sich aneigne, was er lehren wolle und einmal hinsichtlich der Frage, wie das zu Lehrende an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen sei. „Vielleicht bringt uns ein neues Fahrlehrerrecht eine geringfügig längere Ausbildungszeit und etwas strengere Zugangsvoraussetzungen, aber was nützt das, wenn an anderer Stelle nachgelassen wird? Wie soll in Deutschland die Verkehrssicherheit erhöht werden, wenn die Qualifikationsanforderungen an die Fahrlehrer heruntergefahren werden?“ Dass Glowalla den Fahrlehrern in Sachsen-Anhalt aus dem Herzen sprach, zeigte die ungeteilte Zustimmung zum Statement des Verbandsvorsitzenden Wolfgang Prescher, der sich dafür aussprach, als Fahrlehrerschaft für ein hohes Qualifikationsniveau bei den Kollegen einzutreten und „Nachlässigkeiten“ nicht einfach hinzunehmen. „Autofahren ist nichts, was ‚leicht‘ geht. Im Gegenteil: Es ist hochkomplex und schwierig, sogar sehr schwierig!“

Mit großem Interesse folgten die Mitglieder Peter Glowallas Vortrag zum Elektronischen Prüfprotokoll. Dieses soll nicht nur ermöglichen, die praktischen Prüfungsleistungen besser zu dokumentieren und nachzuvollziehen. Es kann auch von den Fahrlehrern genutzt werden, um Fahrschüler noch intensiver auf die praktische Fahrerlaubnisprüfung vorzubereiten. „Zwar bestehen noch immer viele Bedenken bei Fahrlehrern in Bezug auf das Elektronische Prüfprotokoll, insbesondere hinsichtlich des Datenschutzes“, so Glowalla. „Diesbezüglich kann das Elektronische Prüfprotokoll allerdings nichts, was die bisherigen Protokolle in Papierform nicht auch können.“ Der Vorteil des Elektronischen Prüfprotokolls liege deshalb keineswegs in vermeintlichen „Überwachungsmöglichkeiten“, sondern in der Gewährleistung einer detaillierten und in jeder Hinsicht lückenlos nachvollziehbaren Prüfungsdokumentation. Und die nützt nicht nur dem Prüfer, sondern allen an einer Prüfung Beteiligten, einschließlich und insbesondere Fahrlehrer und Fahrschüler.

„Das Elektronische Prüfprotokoll erlaubt, über seine nach vordefinierten Fahraufgaben und in Beobachtungskategorien strukturierte Eingabemaske, die Leistungen eines Fahrschülers zeitnah und hocheffizient durch Anklicken festzuhalten“, erläuterte Glowalla. „Dabei sind auch die möglichen Fehler vordefiniert und können durch Anklicken gespeichert werden. Dergleichen ist nicht nur in einer Prüfung wertvoll, sondern auch in der Ausbildung und der Vorbereitung auf die Prüfung. Denn wie könnten sich die Stärken und Schwächen eines Fahrschülers deutlicher und eindeutiger aufzeigen lassen?“ Hinzu kommt: Eine Fahrerlaubnisprüfung stellt lediglich den Auftakt einer „Karriere“ als Autofahrer dar. Ihr Bestehen weist einen Fahranfänger deshalb keineswegs als Meister des Autofahrens aus. Entsprechend zeigen auch nur die wenigsten Prüflinge in ihrer Prüfung herausragende Leistungen. Die meisten Schüler machen auch in der Prüfung Fehler – wenn auch meist nicht so gravierende, dass sie deswegen durchfallen würden. „Hier liegt eine weitere Stärke des Elektronischen Prüfprotokolls“, betonte Glowalla. „Es erlaubt, jedem Prüfling eine Dokumentation über die abgelegte Prüfung auszuhändigen, unabhängig davon, ob der Prüfling bestanden hat oder nicht. Hier können Fahrlehrer ansetzen und einen neuen Service etablieren, der für alle Fahranfänger attraktiv und sinnvoll ist: eine Betreuung über die Prüfung hinaus, gerade auch dann, wenn diese bestanden wurde.“ So könne beispielsweise nach einer Prüfung ein Termin in der Fahrschule vereinbart werden, an welchem das Prüfungsprotokoll gemeinsam mit dem Fahrlehrer ausgewertet wird. „Dann wird gemeinsam geschaut, wo der Fahranfänger möglicherweise noch weiteren Trainingsbedarf hat, um auf dem Straßenverkehrs-Parkett wirklich verkehrssicher zu sein – für sich und andere gleichermaßen.“

Große Sorgen bereitet dem Fahrlehrerverband Sachsen-Anhalt der Nachwuchs in den eigenen Reihen. Zwar konnte sich der Verband 2014 über neue Mitglieder freuen, nur vier davon sind jedoch jünger als 35 Jahre und das in einem Verband, in dem fast zwei Drittel der Mitglieder über 50 sind. „Dabei hat sich die Mitgliedschaft in einem Berufsverband schon immer bewährt“, warb Verbandsvorsitzender Prescher, „denn um die Interessen eines Berufsstandes wirksam vertreten zu können, braucht es den Schulterschluss.“ Das Nachwuchsproblem sei zudem seit langem bekannt und liege nicht allein in den Eignungsvoraussetzungen, weshalb es keinen Sinn mache, die Qualifikationsstandards für Fahrlehrer abzusenken. „Wer Fahrlehrer werden will, muss selbst auch Motorrad und Lkw fahren können – sonst kann er seinen Schülern die grundlegenden Fahraufgaben prinzipiell nicht vermitteln“, sagte Prescher mit Blick auf den Plan, die Fahrerlaubnisklassen A und CE aus der Zugangsvoraussetzung für den Fahrlehrerberuf auszuschließen.

Mit großem Bedauern wies Prescher auf die hohen Nichtbestehensquoten bei den Fahrerlaubnisprüfungen im Land hin. Diese seien jedoch nicht in einer schlechten Ausbildung begründet, sondern im sozialen Umfeld der Fahrschüler. „Viele Schüler sind weder bereit noch fähig, noch werden sie zu Hause darin unterstützt, sich über den Fahrschulunterricht hinaus mit den Lerninhalten zu beschäftigen, den Unterricht nachzuarbeiten und schlicht und ergreifend zu lernen.“ Ein Problem im ländlichen Raum sind die weiten Anfahrtswege, die viele Prüflinge bei der praktischen Prüfung in Kauf nehmen müssten. Hier müssten insbesondere Lösungen für Interessenten der Klasse AM gefunden werden, die von der Problematik besonders betroffen seien.

Ein Highlight, auf das sich die Fahrlehrerschaft im Jahr 2016 freuen kann: der 6. Deutsche Fahrlehrerkongress. 2014 zeigte sich die Veranstaltung als großer Erfolg mit interessanten Themen und einem Programm, das auf breite Begeisterung stieß. „Dafür möchten wir an dieser Stelle noch einmal Danke sagen, Danke an die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände und ihre Mitarbeiter. Wir freuen uns aufs Wiedersehen!“, so Prescher abschließend.

(jb)


Mitgliederversammlung Fahrlehrerverband Sachsen-Anhalt 2015

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