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Kampf gegen den Aldi-Effekt

Helmut Bode, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, begrüßte rund 110 Teilnehmer auf der Mitgliederversammlung in Gägelow bei Wismar
© Foto: Tobias Rauser

Auf der Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbandes Mecklenburg-Vorpommern waren sich Politik und Fahrlehrer einig: Die familiäre Prägung des Berufstandes muss erhalten bleiben.


Datum:
17.03.2017
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Ein Satz, viel Applaus: „Wir brauchen keinen Aldi-Lidl-Effekt in den Fahrschulen.“ Auf der Mitgliederversammlung 2017 des Fahrlehrerverbandes Mecklenburg-Vorpommern in Gägelow bei Wismar richtete Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung in Mecklenburg-Vorpommern, klare Worte an die Teilnehmer. Worte, die für viel Zustimmung und Beifall der anwesenden Fahrlehrer sorgten. „Es macht einen großen Unterschied, ob große Ketten den Markt dominieren oder wir einen starken Mittelstand haben“, erklärte der SPD-Politiker. Für ihn sei die familiäre Prägung des Berufsstandes wichtig. Eine Prägung, die durch ein großes Filialsystem erstickt werden könnte. Dies sei für ihn die Zielsetzung bei den aktuell diskutierten Reformen im Fahrlehrerrecht gewesen.

Kurt Bartels, 2. stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, freute sich über das Statement des Ministers. „Die Klein- und Kleinstbetriebe sind das Herzstück unserer Branche“. Für ihn steht fest: „Wir müssen die dezentrale Struktur erhalten.“ 

Der Minister, der regelmäßiger  Gast auf der Mitgliederversammlung in Mecklenburg-Vorpommern ist, sprach in seinem Vortrag vor den rund 110 Zuhörern über die Schwierigkeiten auf dem Weg zur Reform des Fahrlehrerrechts. „Die Zeit, die wir brauchen, ist manchmal lang, aber der Austausch braucht seine Zeit“, warb Pegel um Verständnis für den oft langwierigen Prozess.

Der Minister lobte in seiner Rede das Begleitete Fahren mit 17 – „ein voller Erfolg“. Er sei beim Thema „Begleitetes Fahren mit 16“ jedoch sehr skeptisch. „Das EU-Recht gibt die 17 Jahre vor, wir haben hier schon alles ausgereizt, was möglich ist.“ Seiner Ansicht nach ist es unrealistisch, dass hier in naher Zukunft Änderungen mit allen EU-Mitgliedsstaaten erfolgen. Zudem könne eine zu lange Phase des Begleitens (von 16 bis 18) in seinen Augen zu einer „Erosion der Regeln“ führen. „Nach einem Jahr wird man das mit dem Begleiten nicht mehr so ernst sehen.“

E-Mobilität in Fahrschulen? Nur ohne Automatikeintrag!

Ein Thema, das Pegel am Herzen lag: die E-Mobilität. „Ich würde mir ein Schnuppern in der Fahrschule wünschen, etwa wenn Fahrschüler in der Ausbildung ein, zwei Stunden auf einem E-Fahrzeug fahren“, so der Verkehrsminister. Seine Erfahrungen zeigten, dass viele Skeptiker nach einem Praxisversuch ihre Meinung änderten. Helmut Bode, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, verwies in seiner Antwort auf diesen Wunsch auf die derzeitige Automatikregelung, die den Einsatz von Elektrofahrzeugen in der Fahrschule behindere. Hier müsse der Gesetzgeber ansetzen, wenn er E-Fahrzeuge attraktiver machen wolle.

Bode wies den Minister zudem auf ein weiteres wichtiges Thema hin: den Moped-Führerschein mit 15 Jahren (AM15). „Dieser Modellversuch in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und nun auch Brandenburg wird sehr gut angenommen. Hier wäre es super, wenn sich auch Mecklenburg-Vorpommern daran beteiligt“, forderte er. Pegel versprach: „Wir gucken nochmal drauf.“

Kurt Bartels zeigte in seinem Vortrag auf, welche aktuellen Herausforderungen sich Fahrlehrer zu stellen haben – von der Reform des Fahrlehrergesetzes über die FeV bis hin zum Gesetzentwurf „Autonomes Fahren“. Eine der wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre ist es, neues Personal zu finden. So sei die Zahl der Fahrlehrer von 2007 bis 2016 von 48.275 auf 45.238 gesunken – um rund 6,3 Prozent. Die Antwort dürfe aber nicht sein, einfach die Anforderungen zu senken. „Wir brauchen Nachwuchs, aber der muss auch qualitativ hochwertig sein.“ Bartels appellierte an die Politik: „Halten Sie am mittleren Bildungsabschluss fest.“

Der zweite stellvertretende Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände formulierte zahlreiche Forderungen der Fahrlehrerschaft an die Politik. So sei bei der Fahrschulüberwachung einiges nicht zufriedenstellend. „Es muss sichergestellt sein, dass in allen Ländern gleich überwacht wird“, monierte Bartels. Der Status Quo sei nicht haltbar und zudem Wettbewerbsverzerrung. Auch will die BVF erreichen, dass bei unbeanstandeter Überwachung der Zeitraum von zwei auf vier Jahre verlängert wird – was bisher nur eine Kann-Bestimmung ist.

Beim Thema Elektro-Mobilität stieß Bartels ins gleiche Horn wie Bode: „Sie stoßen bei uns auf offene Ohren mit einem verstärkten Einsatz von E-Fahrzeugen in der Ausbildung“, sagte Bartels in Richtung Minister Pegel. „Diese Fahrzeuge sind jedoch eine riesige Investition – und das Investment wird nur interessant, wenn die Automatikregelung geändert wird.“

Auch Bernd Nentwig von Audi, verwies auf die rechtlichen Hürden für den Einsatz: „Es ist schwierig, das Thema erlebbar zu machen, weil der Automatikeintrag bremst“, so Nentwig. „Es wäre schön, wenn dieser Eintrag fällt.“

Der Fahrschulansprechpartner von Audi stellte in Mecklenburg-Vorpommern den Teilnehmern die Neuigkeiten aus seinem Haus vor – unter anderem elektronische (Hybrid-)Lösungen wie den A3 e-tron. „2018 kommt ein rein elektrisches Fahrzeug, der Audi e-tron quattro mit mindestens 500 Kilometern Reichweite“, sagte Nentwig. Ab 2020 plant sein Unternehmen, jedes Jahr ein rein elektrisches Fahrzeug auf den Markt zu bringen.

Mehr Prüfungen - die Durchfallquote steigt

Spannende, und vor allem vielversprechende Zahlen zu den Prüfungen im Land Mecklenburg-Vorpommern präsentierte Thomas Rehe, Niederlassungsleiter von Dekra in Schwerin, seinen Zuhörern. Er vermeldete ein Plus von 2,3 Prozent bei den theoretischen und 2,2 Prozent bei den praktischen Prüfungen im Land. Gründe für die guten Nachrichten gibt es viele: „Eine stabile wirtschaftliche Entwicklung, mehr ältere Fahrschüler, das Flüchtlingsthema.“ Leider gab es aber auch noch einen anderen Trend, der die steigenden Zahlen mit verursacht hat. „Die Bestehensquote in der theoretischen Prüfung ist deutlich rückläufig“, berichtete Rehe. Sie lag in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2016 bei 56,8 (Theorie) und 68,7 (Praxis) Prozent. Die Einführung der dynamischen Filmsequenzen seit dem 1. Oktober 2016 habe diesen Trend noch weiter verstärkt, die Quoten seien seitdem noch weiter in den Keller gegangen.

Von der Fahrlehrerversicherung brachte Stefan Kottwitz, Leiter der Schadenabteilung, neue Zahlen mit nach Wismar. Er berichtete über leicht gestiegene Beitragseinnahmen und einen höheren Schadenaufwand durch Großschäden, die 2016 in erheblicher Anzahl auftraten. Unter dem Strich steht laut Kottwitz ein „moderater Jahresüberschuss“.

Kottwitz präsentierte den Fahrlehrern auch Zahlen zum Kundenportal. Dieses sei „die Antwort der Fahrlehrerversicherung auf die Digitalisierung“. Mit rund 4.000 registrierten Kunden sei man sehr zufrieden: „ein guter Start.“

Gute Nachrichten konnte auch Helmut Bode seinen Mitgliedern verkünden: „Der Tiefpunkt der Demographie wurde durchschritten“, freute sich der Vorsitzende über die Entwicklung der Mitgliederzahlen. Im Jahr 2016 gab es im Mecklenburg-Vorpommern 534 aktive Fahrlehrer – ein Plus von 10. Die Zahl der Fahrschulen stieg um 4 auf 360, davon 57 Zweigstellen.

Der Verband hat im vergangenen Jahr neun neue Mitglieder aufgenommen – bei acht Austritten (meist aufgrund des Ruhestandes) also ein Plus. Im Verband sind nun 229 Mitglieder organisiert. Besorgniserregend sei weiterhin der Altersdurchschnitt. So sind nur 23 Prozent der Mitglieder des Verbandes unter 50 Jahre jung. „Machen Sie Werbung in Ihrem Umfeld und sprechen Sie Kollegen an, dass es sich lohnt, im Berufsverband mitzumachen“, appellierte Bode. 

(tr)


Mitgliederversammlung Mecklenburg-Vorpommern 2017

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