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Lebhafte Versammlung in Neu-Ulm

Der alte und neue LBF-Vorstand: Jürgen Kopp (Mitte) und Schorsch Meier (links) wurden in Neu-Ulm in ihren Ämtern als 1. und 3. Vorsitzende bestätigt
© Foto: Thomas Cyganek

Mit Ausstellung und in Präsenz hat die 75. Mitgliederversammlung des Landesverbands Bayerischer Fahrlehrer (LBF) am 10. Mai in Neu-Ulm stattgefunden. Jürgen Kopp wurde in seinem Amt als 1. Vorsitzender mit überragender Mehrheit bestätigt.


Datum:
24.06.2022
Autor:
Thomas Cyganek
Lesezeit:
5 min
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Mit einem Blick auf die aktuelle Lage in der Ukraine stieg Kopp in seinen Vortrag ein. Er habe es sich nicht träumen lassen, Krieg zu erleben“, gestand er. Viele Fahrlehrer lasse das ebenfalls nicht kalt und würden sich engagieren und helfen. Dafür dankte er allen Unterstützern - und sprach auch der Fahrlehrerversicherung Dank aus, die vollen Versicherungsschutz für Fahrten mit dem Fahrschul-Lkw in die Ukraine gewährleistet habe. Die Kriegsfolgen würden sich auch auf die Fahrschulen auswirken. „Die Kollegen bekommen zum Teil keine Fahrzeuge mehr und haben diesbezüglich Schwierigkeiten bei den Herstellern.“

Im Anschluss lieferte Kopp den etwa 100 Fahrlehrern einige Zahlen zum Geschehen in der bayerischen Fahrschulbranche: So habe die Zahl der Betriebsstellen seit 2012 um 680 Fahrschulen abgenommen (-16 Prozent). Das seien 295 (-14) Hauptstellen und 385 Zweigstellen (-19) weniger. Seiner Einschätzung nach hängt dies mit der Konzentration der Fahrschulen zu größeren Einheiten zusammen sowie damit, dass Fahrschulen keinen Käufer mehr finden.

Pandemiebedingt mehr Fahrschüler und Prüfungen

62.096 praktische Prüfungen in der Fahrerlaubnisklasse B habe es 2021, dem laut LBF „schwierigsten Jahr für die bayerischen Fahrschulen“ gegeben.  Das sind 16.822 mehr als 2020 (+37,16 Prozent). Die Lockdowns hätten zu einem „Prüfungsstau“ geführt, der in einigen Regionen Bayerns noch weiter anhalten werde, sagte Kopp. Die Zahl der Fahrschüler habe insgesamt von 161.662 auf 208.867 zugenommen. Da seien 47.205 mehr als 2021 (+29,20). „Umgerechnet auf die durchschnittliche Anzahl an Fahrschülern pro Fahrschule sind das 77,5 in den Klassen B/BE. Im Vorjahr waren es noch 56,5. Diese Abweichungen sind pandemisch bedingt.“

Von gut 136.000 theoretischen B-Prüfungen wurden 67,1 Prozent bestanden – „das war schon mal besser“, gab der Vorsitzende zu bedenken. In der Praxis schnitten die Fahrschüler besser ab: 61,7 scheiterten. Beim Thema Fahrschulüberwachung fällt das Ergebnis durchweg erfreulich aus: Nur bei 34 von 862 Betriebsstätten wurden Mängel festgestellt. Bei 64 fielen nur geringe Mängel auf, 764 waren mängelfrei.  

Dauerthemen Prüfplätze und Online-Theorie

Kopp gab im Anschluss einen Überblick über das gewaltige Arbeitspensum des Verbandes im Berichtszeitraum. Beherrschende Themen waren natürlich die Prüfplatzknappheit sowie der Online-Theorieunterricht. Bei den Prüfplätzen – Kopp: „Immer ein Thema“ - würden sich München und Nürnberg als „schwierige Standorte“ erweisen. Zudem gebe es immer noch Fehler in der Kommunikation, wenn zum Beispiel Prüfzeiten reduziert würden. Doch es gebe auch viele Fahrschulen, die bayernweit keine Probleme hätten. „Wir beobachten das weiter“, versprach Kopp.

Schließlich richtete er eine Bitte an alle jüngeren Fahrlehrer: BVF und Deutsche Fahrlehrer-Akademie suchen stets junge Kollegen zur Mitarbeit in verschiedenen, überregionalen Arbeitskreisen – etwa zur Zukunft der Fahrschulen in Deutschland. Wer an einem solchen Engagement interessiert sei, solle sich an die Landesvorsitzenden der Fahrlehrerverbände wenden.

Die 15. Änderungsverordnung zur Fahrerlaubnisverordnung brachte noch mehr Neues, unter anderem Änderungen beim Ausbildungsnachweis ab 1. Juni sowie einen neuen Lehrplan für die Fahrlehrerausbildung - einen Kompetenzrahmen. Außerdem entscheidet ab Juni nun der Prüfer über den Einsatz bestimmter Fahrerassistenzsysteme in der praktischen Prüfung. Kopp wünschte sich eine Schritt-für-Schritt-Einführung dieser Systeme in die Prüfung. Das Ausbildungs- und Evaluationskonzept zur Optimierung der Fahrausbildung in Deutschland (OFSA II) beschäftige den LBF immer wieder genauso wie die Änderungen am Berufskraftfahrerrecht und die Aktivitäten neuer Verbände und Anbieter digitaler „Fahrschul-Services“. In diesem Zusammenhang wies Kopp darauf hin, dass aktuell Präsenzunterricht der Regelfall ist. Digitalunterricht sei eingeschränkt möglich, aber nur in begründeten Ausnahmefällen.

Prüfmonopol soll bleiben

Kopp warnte in seinem Vortrag vor einer Öffnung des Prüfmonopols. Es könne dann sein, dass sich Prüforganisationen dann lukrative Orte aussuchen und weniger lukrative das Nachsehen hätten, meinte er. Es habe gute Gespräche mit dem TÜV in Bayern gegeben, zudem habe sich auch herausgestellt, dass viele Fahrschulen kaum Probleme hätten.­

Nach der Entlastung des Vorstands wurden der 1. und 3. Vorsitzende sowie die Kassenprüfer turnusmäßig gewählt. Jürgen Kopp stand als einziger Kandidat zur Wahl und wurde von der großen Mehrheit der 92 Wahlberechtigten wiedergewählt. Schorsch Meier setzte sich gegen Olaf Großhauser durch und bleibt 3. Vorsitzender.

Fahrlehrerversicherung plant neuen Unfalltarif

Sylke Bub vertrat die Fahrlehrerversicherung und sprach ein Grußwort. Sie betonte das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Fahrlehrerversicherung und Berufsstand und sprach kurz darüber, wie ihr Unternehmen während der pandemiebedingten Fahrschulschließungen über die Hilfspakete Beiträge rückerstattet und im schadenarmen Jahr 2020 mit den Beitragszahlungen verrechnet habe.

"Und mit euch als aktiver Teil des Ganzen wird die Fahrlehrerversicherung noch immer besser und besser werden - im Sinne und zum Nutzen von uns allen", sagte Bub. Die Vorständin stellte einige bestehende und geplante Produkte vor. So sei Ende 2021 ein neuer Pkw-Tarif entstanden. "Zwischenzeitlich haben mir schon zwei Fahrschulen erzählt, dass sie einen unabhängigen Makler beauftragt hatten, den besten Versicherer für ihre Pkw zu finden. Und die Makler haben die Verträge geprüft und gesagt: Sie können nichts Besseres als die Fahrlehrerversicherung anbieten."

Aktuell arbeite man an einer neuen Unfallversicherung, "die mindestens genauso gut werden wird". Die Fahrlehrerversicherung sei "ein ganzer Stall voll engagierter Menschen, denen die Fahrlehrerschaft wirklich am Herzen liegt", betonte sie. "Und die Fahrlehrerversicherung seid auch ihr, ihre Mitglieder. Meldet euch, wenn euch was auf dem Herzen liegt. Es wird immer unsere erste Priorität sein, für jedes Anliegen die bestmögliche Lösung zu finden!"

"Durch den neuen Pkw-Tarif wurde die Möglichkeit geschaffen, selbst zu entscheiden, in welcher Tarifgruppe die privaten Fahrzeuge künftig versichert sein sollen", ergänzte Jürgen Kopp. "Damit kann jeder Versicherungsnehmer sich selbst einschätzen und die jeweiligen Leistungen wählen. Fahrschulfahrzeuge werden ohne Aufpreis automatisch im Premiumtarif eingestuft. So stellen wir uns unseren Versicherer vor!"

TÜV und Fahrlehrer reden

Nach der Mittagpause Jochen Krebs vom TÜV Süd gab Informationen zum Prüfgeschehen und stellte sich den Fragen der Fahrlehrer. Er stellte zunächst die Prüfplatzsituation 2021 dar, bei der der TÜV aufgrund des Lockdowns mit rund 82.000 Prüfungen ins Hintertreffen geriet - der berüchtigte „Coronaberg“. Zusätzlich dürfe man die Prüfzeitverlängerung nicht vergessen. Ende November sei man nur noch 9,9 Prozent über dem „Normalwert“ gewesen. „Das hat an der einen oder andern Stelle dennoch nicht ausgereicht“, sagte Krebs. „Dafür bitte ich um Verständnis.“

Er wies weiterhin auf geplante, aber nicht genutzte Prüfplätze im ersten Quartal 2022 hin. 3.205 Prüflinge seien nicht erschienen, 579 davon hätten die Voraussetzungen für die Prüfung nicht erfüllt, da sie die Vorgaben im Prüfauftrag nicht eingehalten, also zum Beispiel eine notwendige Brille vergessen hätten. Großes Lob hatte Krebs mit Blick auf die Nichtbestehensquote übrig. Trotz Optimierter Praktischer Fahrerlaubnisprüfung und verlängerter Prüfzeiten sei die Quote „nur marginal“ erhöht. Das helfe auch dem TÜV. 

Noch eine halbe Stunde nach der Veranstaltung stellte sich Jochen Krebs den zahlreichen Fragen der Fahrlehrer, die in der Mitgliederversammlung selbst aufgrund der vorgerückten Zeit nicht mehr beantwortet werden konnten.

Aussteller präsentieren sich in Neu-Ulm

Ein „kleine, aber feine Ausstellung“ (Kopp) gab der Mitgliederversammlung einen weiteren attraktiven Rahmen. Der Vorsitzende dankte allen Ausstellern, die in Neu-Ulm anwesend waren. Die Fahrlehrer nutzten die Chance und schauten an den Ständen vorbei, um sich über die Neuerungen im Berufsstand zu informieren. „Cool, dass wir uns wieder getroffen haben“, sagte Kopp zum Abschluss. „Man sieht, dass es viel Redebedarf gibt.“


Mitgliederversammlung Bayern 2022

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