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Scharfe Kritik an Reformplänen

Auch dem Verbands-Vorstand gefielen die Autos, die Hauptsponsor Volkswagen mitgebracht hatte
© Foto: Ulrich Lieber

Mit der Reform des Fahrlehrerrechts und vielen weiteren berufsständischen Punkten befassten sich Teilnehmer der Jahreshauptversammlung des Fahrlehrer-Verbandes Westfalen.


Datum:
22.04.2016
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Die Mitglieder des Fahrlehrer-Verbandes Westfalen setzen auf Kontinuität. Einstimmig bestätigten sie Friedel Thiele im Rahmen der Jahreshauptversammlung in Werl als Vorsitzenden. „Die vier Jahre sind schnell vergangen. Ich wollte mich nicht verbiegen lassen und der bleiben, der ich war. Das ist mir – glaube ich – auch gelungen“, sagte er kurz vor der Abstimmung. „Es ist nicht nur wichtig, ein Amt zu bekleiden, sondern man muss ein Amt auch ausfüllen.“ Das sahen offensichtlich auch alle anwesenden Fahrlehrer so und schenkten dem 62-Jährigen für eine weitere Amtsperiode ihr Vertrauen. Ebenfalls einstimmig wiedergewählt wurden Michael Echelmeyer zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden sowie Inge Beckmann zur vierten stellvertretenden Vorsitzenden. Neu dabei im Beirat ist Stephan Helling.

„Wir sind überaltert“, bemerkte Friedel Thiele in seinem Geschäftsbericht. 1.699 Fahrlehrer sind aktuell Mitglieder im Verband, das sind 14 weniger als im Vorjahr. „Damit liegen wir im Deutschlandtrend“, sagte Thiele. Der Vorsitzende zeigte die Aktivitäten des Verbandes auf. Dazu gehörten neben Sitzungen und Versammlungsbesuchen auch Gespräche mit dem TÜV, um die geplante Schließung von 13 Prüfstellen zu verhindern. „Wir lehnen jegliche Schließung ab. Der TÜV hat aufgrund unserer Argumente eingelenkt, so dass sieben der 13 Prüfräume erhalten bleiben. Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, juristisch war nicht mehr zu machen“, erklärte Thiele.

Ministerialrat Dieter Kettenbach sprach nicht nur über die Fahrlehrerrechtsreform, sondern ging auch auf die Unfallstatistik für 2015 ein. Zwar sei die Zahl der Verkehrstoten in Nordrhein-Westfalen auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr geblieben, doch da es 2014 einen Anstieg um 8,6 Prozent gegeben habe, wäre es schön gewesen, zumindest wieder den vorherigen Stand zu erreichen. Hauptunfallursache ist überhöhte Geschwindigkeit, jeder dritte Verkehrstote ist darauf zurückzuführen.

Ein immer wichtigeres Thema wird das „Handy am Steuer“. In NRW wurden im vergangenen Jahr mehr als 146.000 Handysünder erwischt. In 82 Fällen sei die Handynutzung Ursache für einen Unfall gewesen. „Der Griff zum Handy steigert die Unfallgefahr um das Fünffache, das Lesen und Schreiben von Botschaften sogar um das Zehnfache“, zitierte Kettenbach aus einer US-Studie. Er appellierte an die Fahrlehrer, das Thema Ablenkung am Steuer besonders intensiv anzusprechen. „Ich teile die Auffassung, dass in der Ablenkung ein Hauptgrund für steigende Unfallzahlen und Verkehrstote liegt.“

Kettenbachs Ausführungen zur Reform des Fahrlehrerrechts stießen auf wenig Gegenliebe. Ganz und gar nicht einverstanden, zeigte sich beispielsweise Peter Glowalla, 1. stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrererbände (BVF) mit dem vom Bund-Länder-Fachausschuss gewünschten Wegfall der Fahrerlaubnisklassen A und CE für die Fahrlehrerausbildung. „Ein Motorradfahrer hat ein 40-faches Unfallrisiko, und jetzt sagt die Politik, wir brauchen nicht mehr Motorrad zu fahren, aber wir brauchen eine pädagogische Überwachung. Ich sage Ihnen, Verwaltung hat doch gar keine Ahnung von Pädagogik“, ärgerte sich Glowalla. „Einer, der nie Motorrad gefahren ist, der wird nie wissen, wie ein Motorradfahrer tickt. Er wird das auch nicht nachlernen können. Was hier geboren wird, ist tödlich!“

Die pädagogische Überwachung der Fahrschulen kann Glowalla nicht nachvollziehen, denn schließlich hätten alle Fahrlehrer eine Prüfung absolviert. Warum sollen sie also alle zwei Jahre überwacht werden? Und wie werde überprüft? „Was macht denn die kluge Fahrschule? Sie setzt bei der Prüfung ihren besten Mann dahin. Es ist eine Farce.“

Glowalla kritisierte scharf, dass Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren überhaupt nicht Thema der Reform seien.

Glowalla hatte aber Positives mitgebracht, wie den Modellversuch für die Fahrerlaubnis der Klasse AM mit 15 Jahren. Bislang seien die Ergebnisse hochpositiv, denn die Unfallzahlen gingen deutlich zurück. Der Modellversuch läuft bis noch bis 2018, aber alles deute auf eine bundesweite Umsetzung hin.

Bernd Rimpl vom TÜV Nord informierte über die Entwicklung der Prüfungen. In NRW lag die Nichtbestehensquote im praktischen Teil bei 26,2 und im theoretischen Teil bei 29,8 Prozent. Der Anteil der 17-Jährigen beim begleiteten Fahren BF17 lag mit 47,1 Prozent nur knapp unter dem Vorjahresergebnis. Sorgen bereiten ihm die zunehmenden Täuschungsversuche in den Theorieprüfungen, die mittlerweile schon hochtechnisiert seien. „Die Anzahl der Manipulationsversuche steigt.“ Im Bereich der Online-Dispositionen für Prüfungen möchte man die positiven Erfahrungen aus anderen Regionen nutzen und umsetzen. Zudem soll ein modernes Bezahlsystem das Zahlen mit QR-Codes ermöglichen.

Stefan Kottwitz, Leiter der Schadenabteilung der Fahrlehrerversicherung, brachte die Mitglieder auf den neuesten Stand. Mit 79.604 Kunden sei der Bestand sehr stabil, die Beitragseinnahmen beliefen sich auf rund 65,1 Millionen Euro.

(Ulrich Lieber)


Mitgliederversammlung des Fahrlehrer-Verbandes Westfalen 2016

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