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Fahrlehrerkongress: "Keine Situation ist alternativlos"

Peter Brandl: "Geben Sie Ihren Schülern die Chance, überlebbare Fehler zu machen"
© Foto: Werner Kuhnle

Berufspilot Peter Brandl half den Fahrlehrern am zweiten Kongresstrag bei schweren Entscheidungen. Dabei griff er immer wieder auf kritische Situationen in der Fliegerei zurück.


Datum:
17.11.2018
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Brandls Paradebeispiel, das sich durch den ganzen Vortrag zog, war die Notlandung des US-Airways-Flugs 149 im New Yorker Hudson River. Die Piloten trafen im Januar 2009 die Entscheidung, ihr beschädigtes Flugzeug im Fluss zu landen und nicht auf dem nahen Flughafen Teterboro. Alle 155 Passagiere überlebten. Die Piloten hätten in einer extrem schwierigen und gefährlichen Situation richtig entschieden, sagte Brandl.

„Warum aber tun wir uns manchmal so schwer mit viel leichteren Entscheidungen?“, fragte er und räumte im Verlauf seines Vortrags mit Mythen auf, die immer wieder kursieren. So gebe es immer Optionen, keine Situation sei alternativlos. Alle Optionen müssten dabei erst einmal gesammelt werden. „Die Piloten im Airbus hätten theoretisch einen anderen Flughafen – Teterboro – anfliegen können, auf einem Supermarktparkplatz landen können oder eben auf dem Hudson River aufsetzen.“ Sie hätten ihre Optionen bewertet, die beste ausgewählt (Hudson River) und gehandelt. „Die Piloten haben nicht gefragt: 'Warum passiert so etwas ausgerechnet uns?', sondern: 'Was können wir tun?'“, sagte Brandl und stellte klar: „Alternativlosigkeit ist nur ein Mangel an Kreativität.“

"Sekundäre Rationalisierung"

Entscheidungen würden nicht bewusst getroffen, sondern im rational nicht ansprechbaren Zwischenhirn, das auch der Sitz der Emotionen sei. Alles Weitere sei dann eine „sekundäre Rationalisierung“: Erst entscheidet der Bauch, dann sucht das Großhirn nach einer rationalen Erklärung für die Bauchentscheidung. „Je länger der Satz zur Begründung ist, desto eher ist es eine sekundäre Rationalisierung“, erklärte Brandl.

Den Fahrlehrern riet er, ihre eigenen Marketingunterlagen nach diesen Gesichtspunkten zu verbessern: Lösen sie Emotionen aus? Wenn ja, dann sollten rationale Argumente nachgeschoben werden. „Oft aber fehlt ein Element“, sagte Brandl, zum Beispiel die Emotionen – und ohne die bewege sich bei Kunden oder Fahrschülern nichts.

"Ist Ihr Leben eine einzige Reiserücktrittsversicherung?"

Gute Entscheidungen seien auch nicht davon abhängig, ob jemand begabt ist oder nicht, meinte Brandl. „Das ist Quatsch, der Airbus-Pilot nannte allein seine gute Vorbereitung im Simulator als ausschlaggebend für seine Entscheidung. Üben Sie deshalb ihre persönlichen Standardsituationen im Beruf und sammeln Sie Erfahrung, um gute Entscheidungen zu treffen.“

Erfahrung sei „die Summe aller überlebten Fehler“, sagte Brandl. „Geben Sie Ihren Schülern die Chance (überlebbare) Fehler zu machen. Trauen Sie sich auch selbst, Fehler zu machen – oder ist Ihr Leben eine einzige Reiserücktrittsversicherung?“ Denn es gelte der Grundsatz: „Eine schlechte Entscheidung ist besser als keine Entscheidung.“

(tc)

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