Heilbronn (dpa) - Im Prozess um organisierten Führerscheinbetrug wird am Dienstag das Urteil am Landgericht Heilbronn erwartet. Fünf Männer, darunter die Inhaber zweier Fahrschulen aus dem Raum Heilbronn und Göppingen, sollen jahrelang Stellvertreter vermittelt haben, die gegen Bezahlung theoretische Führerscheinprüfungen für andere ablegten. Die Angeklagten sind 28 bis 41 Jahre alt.
Nach Überzeugung der Anklage sollen die Männer arbeitsteilig vorgegangen sein: Die Fahrschulbetreiber sollen Kunden vermittelt und Unterlagen entgegengenommen haben, während die Mitangeklagten die Stellvertreter organisierten und am Prüfungstag als deren Ansprechpartner fungierten. Für die Interessenten wurden möglichst ähnlich aussehende Doppelgänger gesucht. Diese sollen sich mit den Ausweisdokumenten der eigentlichen Prüflinge ausgewiesen und an deren Stelle die theoretischen Prüfungen abgelegt haben.
Insgesamt sind 59 Fälle zwischen Ende 2022 und Sommer 2025 angeklagt, vor allem in Baden-Württemberg, teilweise auch in Bayern. Die Staatsanwaltschaft geht von gewerbsmäßigem Bandenbetrug aus und fordert Freiheitsstrafen zwischen drei und fünfeinhalb Jahren. Die Verteidigung hält deutlich niedrigere Strafen für angemessen.
Mehrere Tausend Euro pro Prüfung
Die Prüflinge sollen für den Betrug meist rund 2.000 Euro bezahlt haben, in einzelnen Fällen laut Anklage aber deutlich mehr. Insgesamt soll die Gruppe mehr als 179.000 Euro eingenommen und untereinander aufgeteilt haben. Nicht jede der Prüfungen soll erfolgreich verlaufen sein - mehrere Stellvertreter flogen nach Ermittlerangaben auf.
Der Fall gilt als einer der größten bislang bekanntgewordenen Prozesse um organisierte Führerscheinkriminalität in Baden-Württemberg. Bereits im März war ein mutmaßlicher Komplize der Gruppe rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte sich nach Feststellungen des Gerichts mehrfach als Prüfling ausgegeben und theoretische Führerscheinprüfungen für andere abgelegt.