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Fenster, Kaffee, Musik: Falsche Mittel im Kampf gegen Sekundenschlaf

Jeder vierte Fahrer ist sogar schon einmal am Steuer eingenickt
© Foto: dpp-Autoreporter

Viele Verkehrsteilnehmer unterschätzen die Gefahr von Müdigkeit am Steuer. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung klären mit einer gemeinsamen Kampagne auf.


Datum:
17.01.2017
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Müdigkeit am Steuer ist ein unterschätztes Unfallrisiko im Straßenverkehr. In der Unfallstatistik wird Übermüdung für nur 0,5 Prozent aller schweren Unfälle als Ursache deklariert. Die Dunkelziffer liegt laut Experten jedoch weitaus höher. Dennoch unterschätzen Verkehrsteilnehmer die Gefahr und setzen auf vermeintliche Hilfsmittel wie laute Musik aus dem Radio, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), bei der 1000 Autofahrerinnen und Autofahrer befragt wurden. Die Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf! Die Aktion gegen Müdigkeit am Steuer“ mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) soll auf die große Gefahr von Müdigkeit am Steuer verstärkt aufmerksam machen.

Laut Umfrage greifen bei Müdigkeit viele Verkehrsteilnehmer zu den falschen Hilfsmitteln: 60 Prozent öffnen ein Fenster, 38 Prozent setzen auf Kaffee oder Energydrinks und 30 Prozent drehen die Musik auf. Gerade bei den 18- bis 29-Jährigen liegen koffeinhaltige Getränke (53 Prozent) und laute Musik (51 Prozent) gegen Müdigkeit hoch im Kurs. Diese vermeintlichen Hilfsmittel können jedoch das Einschlafen nicht verhindern. Jeder vierte Fahrer (26 Prozent) ist sogar schon einmal am Steuer eingenickt. Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Sekundenschlaf hänge von verschiedenen Faktoren ab, erklärt Dr. Hans Günter Weeß, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin: „Dazu gehören die Dauer der Schlaflosigkeit, die Tageszeit und die Situation. So ist beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für einen Sekundenschlaf nach einer durchwachten Nacht, in den frühen Morgenstunden zwischen vier und sieben und in monotonen Situationen wie auf der Autobahn besonders hoch.“

10 bis 30 Minuten Schlafpause

Ausreichend Schlaf ist daher das A und O vor Fahrtantritt. Bei ersten Anzeichen von akuter Müdigkeit sollte man daher auf einen Parkplatz fahren und 10 bis 20, maximal 30 Minuten schlafen. Wer möchte, kann vor dem Kurzschlaf noch einen Kaffee trinken. Das darin enthaltene Koffein wirkt erst nach 30 Minuten, hindert daher nicht beim Einschlafen, erleichtert aber das Wachwerden und verstärkt so den Erfrischungseffekt. Dies gilt allerdings nur in Kombination mit dem Kurzschlaf, denn Kaffee allein ersetzt den Kurzschlaf nicht. Wem das Schlafen schwerfällt, der kann sich auch an der frischen Luft ertüchtigen. „Das bringt den Kreislauf in Schwung“, erklärt Weeß. Beides hilft aber nur für eine gewisse Zeit. Daher sollten Pausen grundsätzlich alle zwei Stunden erfolgen. Denn: „Niemand ist dagegen gefeit, dass der Schlaf einen für Sekunden überwältigt. Es ist eine Illusion zu glauben, dies durch blanke Willenskraft zu verhindern“, ergänzt Weeß.

Die Aufklärungskampagne „Vorsicht Sekundenschlaf! Die Aktion gegen Müdigkeit am Steuer“ wurde im Dezember gestartet. Ziel der Aktion ist es, alle Verkehrsteilnehmer für die Gefahr von Müdigkeit am Steuer zu sensibilis8ieren und präventive sowie akute Maßnahmen dagegen aufzuzeigen. (sno)

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