TÜV-Datenreport 2025: Mehr Bus- und Lkw-Prüfungen

10.03.2026 10:18 Uhr | Lesezeit: 5 min
Lkw mit Spiegelersatzsystem
Bei Lkw- und Busführerscheinen sind die Bestehensquoten höher als beim Pkw
© Foto: M. Perfectti/Adobe Stock

Datenreport des TÜV-Verbands: Konstante Nachfrage nach Führerscheinen für Lkw und Busse. Durchfallquoten bleiben stabil und liegen deutlich unter den Pkw-Quoten.

Berlin (ots) - Die Zahl der Fahrerlaubnisprüfungen für Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer in den Klassen C für Lkw und D für Busse hat im Jahr 2025 neue Höchstwerte erreicht. Das zeigt eine Auswertung des TÜV-Verbands auf Basis von Erhebungen der "TÜV | DEKRA arge tp 21". In den Lkw-Klassen (C1/C1E/C/CE) wurden insgesamt 123.414 theoretische und 123.746 praktische Fahrerlaubnisprüfungen abgelegt. Das entspricht einem Plus von rund 3.500 Theorie- (3 Prozent) und rund 4.700 Praxisprüfungen (4 Prozent) gegenüber 2024.

Auch im Busverkehr blieben die Prüfungszahlen im Jahr 2025 auf einem hohen Niveau. In den Bus-Klassen (D1/D1E/D/DE) wurden bundesweit 15.518 theoretische Prüfungen durchgeführt - ein Rückgang um etwa 250 Prüfungen im Vergleich zum Vorjahr (minus 1,5 Prozent). Gleichzeitig stieg die Zahl der praktischen Prüfungen auf 20.688. Das sind rund 2.000 Prüfungen mehr als im Jahr 2024 (plus 11 Prozent). "Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer sind für Wirtschaft und Daseinsvorsorge unverzichtbar, im Nahverkehr ebenso wie in der Logistik", sagt Fani Zaneta, Referentin Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband. "Die hohen Prüfungszahlen zeigen ein anhaltendes Interesse an diesem Berufsweg. Gerade der Zuwachs bei den Bus-Prüfungen ist ein gutes Signal für den ÖPNV."

Hohe Bestehensquoten bei Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern

Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer sind in den Fahrerlaubnisprüfungen erfolgreicher als Fahrschülerinnen und Fahrschüler der Pkw-Klasse und das, obwohl der Prüfungsumfang höher ist. In der Klasse B liegt die Nichtbestehensquote bei 44 Prozent in der Theorie und bei 37 Prozent in der Praxis. In den Lkw-Klassen (C1/C1E/C/CE) liegt die Nichtbestehensquote bei 14 Prozent in der Theorie und bei 15 Prozent in der Praxis. Entsprechend bestehen sechs von sieben Fahrschülerinnen und Fahrschüler die Theorieprüfung (86 Prozent) und die praktische Prüfung (85 Prozent). Im Vergleich zu 2024 (jeweils 15 Prozent) sinkt die Theorie-Nichtbestehensquote um einen Prozentpunkt, während die Praxisquote unverändert bleibt. Die Nichtbestehensquoten sind seit zehn Jahren weitestgehend stabil. Im Jahr 2016 scheiterten 16 Prozent in der Theorieprüfung für den Lkw-Führerschein und 13 Prozent in der praktischen Prüfung.

Bus-Fahrschülerinnen und Bus-Fahrschüler schneiden in Prüfungen gut ab

Auch die Bus-Fahrschülerinnen und Bus-Fahrschüler schneiden in den Prüfungen besser ab als Prüflinge in Klasse B. Im Jahr 2025 haben 83 Prozent die Theorieprüfung und 76 Prozent die praktische Prüfung für die Bus-Führerschein bestanden, 17 Prozent scheiterten in der Theorie und 24 Prozent in der Praxis. Gegenüber 2024 hat sich die Theorie-Nichtbestehensquote um zwei Prozentpunkte verbessert (2024: 19 Prozent), während die Nichtbestehensquote in der praktischen Prüfung um zwei Prozentpunkte schlechter geworden ist (2024: 22 Prozent). In der längerfristigen Betrachtung zeigt sich insgesamt eine leichte Verschlechterung: Im Jahr 2016 haben 16 Prozent die Theorieprüfung für den Bus-Führerschein und 15 Prozent die praktische Prüfung nicht bestanden. "Wer Busse und schwere Lkw fährt, trägt eine besondere Verantwortung für die Sicherheit von Fahrgästen und anderen Verkehrsteilnehmenden", sagt Zaneta. "Wer solche Fahrzeuge führt, muss Regeln beherrschen und in der Praxis sicher fahren. Die hohen Bestehensquoten zeigen, wie professionell sich viele Bewerberinnen und Bewerber auf die Prüfungen und ihren Berufseinstieg vorbereiten und, dass sie ihre Verantwortung für die Verkehrssicherheit ernst nehmen."

Nachfrage nach Führerscheinen für Bus und Lkw: Langzeittrend ist positiv

Seit 2016 stieg die Zahl der Prüfungen in den Lkw-Klassen (C1/C1E/C/CE) um 30 Prozent (Theorie) und 35 Prozent (Praxis). Auch bei den Bus-Klassen (D1/D1E/D/DE) liegen die Werte aus dem Jahr 2025 deutlich über dem Niveau von 2016: Die Zahl der Prüfungen stieg in zehn Jahren um 44 Prozent in der Theorie und um 47 Prozent in der Praxis. Seit dem Jahr 2021 ist die Entwicklung in den Bus-Klassen besonders dynamisch: die Theorieprüfungen nahmen um 70 Prozent zu und die praktischen Prüfungen um 75 Prozent. "Die steigenden Prüfungszahlen sind ein gutes Signal: Mehr qualifiziertes Fahrpersonal ist eine Grundvoraussetzung, damit der Nahverkehr ausgebaut und die Ziele der Verkehrswende erreicht werden können", sagt Zaneta.

In der Zehnjahresbetrachtung zeige sich ein klarer Aufwärtstrend, allerdings reiche das nicht aus, um die Fachkräftelücke zu schließen. Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen aktuell etwa 100.000 Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer. Auch in der Personenbeförderung fehlen Fachkräfte. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) beziffert den Engpass aktuell auf rund 20.000 Busfahrerinnen und Busfahrer; bis 2030 wird ein zusätzlicher Fehlbedarf von rund 50.000 bis 60.000 Personen erwartet.

Fachkräftesicherung und Reform der Fahrausbildung

Für eine nachhaltige Fachkräftesicherung müssen Maßnahmen zusammen gedacht werden: das Berufsbild stärken, den Zugang in die Qualifizierung praxistauglich gestalten und gleichzeitig die Verkehrssicherheit absichern. "Wir müssen mehr Menschen für diese Berufe gewinnen und wir müssen sie so qualifizieren, dass sie die Anforderungen im Alltag sicher beherrschen", sagt Zaneta. "Fahrerlaubnisprüfungen schaffen dafür einen verlässlichen Sicherheitsstandard, weil sie Fahrkompetenz und Regelkenntnis verbindlich überprüfen." Das ist insbesondere mit Blick auf Fahrzeuge mit hohem Gewicht oder vielen Fahrgästen essenziell.

Die kürzlich bekannt gewordenen Reformvorschläge des Bundesverkehrsministeriums zur Fahrausbildung greifen ein wichtiges Modernisierungsziel auf: die stärkere Nutzung digitaler Lernformen. Aus Sicht des TÜV-Verbands ist die Verankerung digitaler Elemente in der Fahrausbildung überfällig: Online-Theoriekurse zur Vor- und Nachbereitung des Präsenzunterrichts sowie Fahrsimulatoren können sinnvoll sein, wenn sie qualitätsgesichert in eine strukturierte Ausbildung eingebettet sind. Digitalisierung sollte da wirksam werden, wo sie Qualifizierung und Verfahren besser macht: moderne Lern- und Übungsformate sowie effizientere Abläufe im Führerscheinprozess - von Antrag und Nachweisen bis zur Terminsteuerung und Kommunikation zwischen Behörden, Fahrschulen und Prüfstellen.

Der TÜV-Verband warnt davor die Verkehrssicherheit zugunsten vermeintlicher Effizienzgewinne aufs Spiel zu setzen: "Die pauschale Absenkung von Anforderungen - etwa bei der Prüfungsdauer für die Fahrerlaubnisklassen C und D und den besonderen Ausbildungsfahrten, sind ein Sicherheitsrisiko", sagt Zaneta. "Busse und Lkw sind Fahrzeuge mit hoher Masse, langen Bremswegen und großen toten Winkeln, sie führen eine erhebliche kinetische Energie mit entsprechend gravierenden Folgen im Ernstfall." Die guten Bestehensquoten in Klasse C und D gäben zudem keinerlei Anlass, die bestehenden Anforderungen abzusenken. Ausbildung und Prüfung der Klasse C und D dürfen daher nicht auf "weniger" getrimmt werden, sondern müssen verlässlich nachweisen, dass Regeln und Fahrpraxis sicher beherrscht werden.


Eine Präsentation mit der Führerscheinstatistik 2025 für die Klassen C und D finden Sie hier: http://ots.de/zz5EtL



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