Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder verliert voraussichtlich Amt

24.07.2026 09:38 Uhr | Lesezeit: 3 min
Verkehrsminister Schnieder
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) wird seinen Posten im Zuge der Kabinettsumbildung voraussichtlich verlieren
© Foto: Elisa Schu/dpa

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) muss seinen Posten nach Informationen aus Partei- und Koalitionskreisen voraussichtlich räumen. Als möglicher Nachfolger wird der Finanzpolitiker Fritz Güntzler gehandelt.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) wird seinen Posten im Zuge der Kabinettsumbildung voraussichtlich verlieren. Das teilte die Deutsche Presse-Agentur mit, die die Information nach eigenen Angaben aus Partei- und Koalitionskreisen habe. Zuvor hatten die „Bild“-Zeitung und „Table.Briefings“ darüber berichtet.

Als möglicher Nachfolger Schnieders ist der Finanzpolitiker Fritz Güntzler im Gespräch.

Die Entscheidung, dass Schnieder seinen Sessel räumen muss, wurde allerdings noch nicht bestätigt – auch nicht auf einer am Freitag, um 9 Uhr angesetzten Pressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz zu personellen Veränderungen im Kabinett. Bis auf die Bestätigung des Wechsels von Gesundheitsministerin Nina Warken ins Kanzleramt und die Bekanntgabe ihres Nachfolgers Carsten Linnemann, wurden keine weiteren Minister-Wechsel kommuniziert. Merz verwies darauf, etwaige weitere Kabinettsumbildungen „in den nächsten Tagen“ bekanntzugeben.  

Bahn-Sanierung bleibt zentrale Aufgabe

Schnieder setzte nach seinem Amtsantritt Akzente bei der Bahn. Eine Schlüsselrolle bei der Sanierung des bundeseigenen Konzerns soll die neue Bahnchefin Evelyn Palla spielen, die im vergangenen Jahr Richard Lutz ablöste. Dennoch bleiben die Herausforderungen groß: Viele Züge sind weiterhin unpünktlich, zudem kam es bei der Sanierung stark belasteter Strecken zu Verzögerungen.

Beim schuldenfinanzierten Sondervermögen für die Modernisierung der Infrastruktur liegt der Schwerpunkt auf der Sanierung des Schienennetzes sowie von Brücken. Für den Neu- und Ausbau von Autobahnen und Bahnstrecken fehlen in den kommenden Jahren jedoch weiterhin Milliardenbeträge. Diese Projekte werden aus dem Kernhaushalt des Bundes finanziert, dessen Spielräume begrenzt sind.

Für Aufsehen sorgten im vergangenen September Berichte aus dem Verkehrsministerium, wonach es wegen Finanzierungslücken in Milliardenhöhe zu Verzögerungen bei Neu- und Ausbauprojekten von Autobahnen und Bundesstraßen kommen könnte. Für die Bundesländer kursierten Listen mit Projekten, für die möglicherweise keine Baufreigaben erteilt werden könnten. Auch Angaben zu den betroffenen Wahlkreisen wurden bekannt.

Nicht nur im Bundesfinanzministerium stießen die Berichte auf Kritik. Die Spitzen der Koalition verständigten sich anschließend auf zusätzliche Finanzmittel. Bundeskanzler Merz sagte damals: „Alles, was baureif ist, wird gebaut.“

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KOMMENTARE

Andreas Kroemer

27.07.2026 - 00:00 Uhr

Patrick Schnieder hat in Bezug auf die Bahn etwas getan, das er besser nicht hätte tun sollen. Er hat Bauprojekte stillgelegt und sogar die Planung weiterer Vorhaben untersagt. Die Behauptung, das Ministerium von Patrick Schnieder habe nicht genug Geld, war ebenfalls gelogen, denn laut diversen Medienberichten und Informationen aus dem Umfeld des Verkehrsministeriums seien die Kassen voll. Dass er durch seine Führerscheinreform auch noch für sehr viel Unruhe gesorgt hat und die Bundesregierung schon mindestens zweimal durch Kleine Anfragen in Schwierigkeiten geriet, war der nächste Fehler. Der allergrößte Fehler war dann, dass er mit der Reform großartig versprochen hat, der Führerschein würde billiger werden, und auf die Frage, wie viel man denn jetzt konkret einsparen könne, wörtlich sagte: „Das regelt der Markt.” Er hätte auch sagen können, dass er keine Ahnung hat. Allein die Idee, dass man beim TÜV/DEKRA mehr Prüfungen am Tag durchführen könnte, weil die Gesamtprüfzeit auf 40 Minuten reduziert wird, zeigt, wie wenig er und die Ad-hoc-Arbeitsgruppe darüber wissen. Dass der TÜV keinen Nachwuchs bekommt und Fahrlehrer als mögliche Prüfer eingesetzt werden sollen, zeigt den nächsten Denkfehler. Die Fahrlehrer müssten erst einmal alle Fahrerlaubnisklassen besitzen, um auch alle Klassen prüfen zu können. Damit kämen nur die älteren Fahrlehrer in Frage, weil der Nachwuchs ja nur die Klasse B/E benötigt, um Fahrlehrer zu werden. Um alle Klassen prüfen zu können, hätte man im schlechtesten Fall drei Prüfer, was mehr Geld kosten und die Prüfungen teurer machen würde. Dann gibt es noch das Problem der Fahrerlaubnisbehörden. Die haben es sich nach Corona fein eingerichtet und nehmen Anträge teilweise nur noch nach Terminabsprache an. Zusätzlich dauert die Bearbeitung 4–6 Wochen, bei einigen Behörden sogar 3 Monate und mehr. Letzteres ist jedoch keine Angelegenheit des Bundes. Auch bei den Stadtverwaltungen gibt es längst Personalmangel. Da stellt sich die Frage, wo die vielen Fachleute sind, die überall fehlen. Ich bin schon sehr gespannt, wie der zukünftige Verkehrsminister seine Arbeit machen wird.


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