Leserbrief: „Aufgrund einer Ausnahmesituation wird eine Qualitätsgrundlage zunichte gemacht“

"Wir sollen erzieherischen Einfluss nehmen", schreibt Sascha Verhoeven
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Ein Fahrlehreranwärter hat sich Gedanken zum Thema „Anerkennung von Online-Unterricht“ gemacht.


Datum:
08.04.2020

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Ein Fahrlehreranwärter hat einen Leserbrief zum Thema Online-Unterricht geschickt: "Die Entscheidungsträger haben zum Januar 2018 die FahrlAusbV geändert, damit Fahrlehrer besser auf die Bedürfnisse ihrer Fahrschüler eingehen können. Damit wir uns als Fahrlehrer besser unseren Schüler anpassen und auf ihre Probleme oder auf Defizite des jeweiligen eingehen können. Sie wollen bessere Fahrer auf der Straße. Sie möchten niedrigere Unfallzahlen. Sie haben dafür gesorgt, dass der Pädagogikanteil in der Ausbildung verdoppelt wurde, weil es uns dabei hilft, die an uns gestellten Herausforderungen besser zu meistern und die Schüler bestmöglich ausgebildet werden.

Jetzt frage ich, ein Fahrlehreranwärter, mich: Wozu nehme ich das alles auf mich, wenn ich demnächst befürchten muss, in eine Kamera zu sprechen ohne meine Schüler richtig zu sehen? Wozu machen sich meine Dozenten in der Fahrlehrerausbildungsstätte die Arbeit, uns Qualität, Ideenreichtum und Kreativität für unseren Unterricht beizubringen, wenn es das alles angeblich nicht braucht?

Wie kontrolliert man, ob jemand im Unterricht mitkommt oder aktiv mitmacht? Wie kontrolliert man, ob der Rechner nicht nur nebenbei läuft? Wie kontrolliert man, ob die Lernkontrolle auch wirklich von den Schülern selbst ausgefüllt wurde?

Aufgrund einer Ausnahmesituation wird mit einem Schlag eine Qualitätsgrundlage zunichte gemacht, zugunsten weniger Befürworter die sich sagen: „Damit verdiene ich noch mehr Geld.“

Sie nehmen auch Fahrlehrern und Fahrlehreranwärtern die Möglichkeit, ihre Schüler richtig kennen zu lernen und damit die Möglichkeit, ihre Kompetenzen immer weiter verbessern. Denn ohne persönlichen Kontakt wissen wir auch nicht, welche Methoden und Medien bei unseren jeweiligen Schülern am besten funktionieren.

Wir sollen erzieherischen Einfluss nehmen, damit sich unsere Schüler inmitten der vielen Teilnehmer am Straßenverkehr sicher, verantwortungsvoll und umweltbewusst verhalten! Und was machen wir in Online-Seminaren? Wir erziehen allenfalls unsere Schüler dazu, dass alles von zu Hause aus funktioniert, echter zwischenmenschlicher Kontakt nicht notwendig ist und es ok ist, das Smartphone permanent in der Hand zu haben."

Sascha Verhoeven
47559 Kranenburg

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