Mittwoch, 16. Januar 2019

13.04.2017Verband

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TÜV-Regelungen „nicht festgemeißelt“

Mitgliederversammlung Pfalz 2017
Michael Kampmann (r.) unterstützt als neu gewähltes Vorstandsmitglied jetzt Norbert Wagner (M.) und Ralf Völkel
© Foto: Ulrich Lieber

Das automatisierte Fahren ist zwar noch immer ein wenig Zukunftsmusik, doch die Realisierung rückt näher. „Wir leben in einer spannenden Zeit“, sagte Dieter Quentin, 1. stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, bei der Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbandes Pfalz. Automatisiertes und vernetztes Fahren seien klar auf dem Vormarsch. „Wir müssen uns auf die Zukunft einstellen. Wir leben in einem Umbruch“, machte Quentin deutlich.

Assistenzsysteme: Nur ein Bruchteil kommt zum Einsatz

Aktuell gebe die Bundesregierung rund 80 Millionen Euro für Teststrecken aus, weil man sich dieser Thematik stellen müsse, denn sonst werde Deutschland sehr schnell von der Entwicklung in der Welt abgehängt. Für Dieter Quentin gibt es aber auch Hürden bis zum selbst fahrenden Auto. Er forderte die Fahrlehrer dazu auf, diese Hürden aus der Sicht des Fahrlehrers zu betrachten. Die erste Hürde sei der Mensch, denn der entscheide: „Mach ich, oder will ich nicht.“ So gebe es derzeit sehr viele Fahrer von Autos mit Assistenzsystemen, die diese Hilfen überhaupt nicht nutzen. Man habe in Arbeitskreisen herausgefunden, dass nur ein Bruchteil der Systeme tatsächlich zum Einsatz kommt. „Wie ist damit umzugehen, wenn es Fehlreaktionen gibt? Die Menschen haben kein grenzenloses Vertrauen in die Technik, und viele möchten es auch einfach gar nicht“, sagte Quentin.

Nichtsdestotrotz: Die Technik schreite rasend schnell voran. So gebe es mittlerweile schon Karosserien, die aus dem 3-D-Drucker stammen. „Wir stehen an einer Schwelle zu einem völlig neuen Mobilitätszeitalter. Es entsteht ein gigantischer Markt. Wir freuen uns auf diese spannende Zeit.“

BF 17: Positiver Einfluss auf die Unfallzahlen

Zum Auftakt der Verbandsversammlung in Maikammer hatte Dr. Lothar Kaufmann, Abteilungsleiter im Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur in Rheinland-Pfalz, zur aktuellen Entwicklung im Führerscheinwesen und Fahrlehrerrecht gesprochen. Er freute sich, dass die Zahl der Verkehrstoten auf einen historischen Tiefststand zurückgegangen ist, vor allem die Gefahr im Auto sei stark gesunken. „Die Entwicklung geht in die richtige Richtung“, sagte Kaufmann. Das gelte auch für die jungen Fahrer, hier mache sich das begleitete Fahren ab 17 positiv bemerkbar. „Das ist auch Ihr Verdienst, dass es hier 19 Prozent weniger Unfälle gab“, lobte Dr. Kaufmann die Fahrlehrer. Aufgrund der demografischen Entwicklung nehme allerdings die Zahl der verunglückten Senioren zu. Diese müssten verstärkt im Auge behalten werden.

Alle froh über die Reform

Dr. Kaufmann ging anschließend auf die wichtigsten Änderungen des Fahrlehrerrechts ein. „Mir ist klar, dass nicht alle Wünsche der Fahrlehrerverbände auch verwirklicht werden können.“ Im Grundsatz habe er aber das Gefühl, dass nun doch alle Seiten froh über die Reform seien, die jetzt in Gesetzesform gegossen wird.  

Zum Abschluss verabschiedete sich Dr. Kaufmann von den Fahrlehrern: „Ich vermute mal, das war das letzte Mal, dass Sie mich hier gesehen haben, denn mein Nachfolger wird dann diese Aufgabe hier übernehmen.“

Norbert Wagner, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Pfalz, dankte Dr. Kaufmann: „Sie haben immer ein offenes Ohr für uns, aber es sind auch für Sie Zwänge da.“ Dem schloss sich Dieter Quentin an und lobte die konstruktive Arbeit Kaufmanns, der immer versucht habe, pragmatische Lösungen zu finden.

Fahrlehrerversicherung: Moderater Jahresgewinn

Andreas Anft, Vorstandsvorsitzender der Fahrlehrerversicherung, berichtete über den aktuellen Stand der Assekuranz. Es sei ein leichter Beitragsanstieg zu verzeichnen, sodass die Lage insgesamt stabil sei. Die Schäden seien zurückgegangen, das habe damit zu tun, dass es weniger Unwetter gegeben habe. „Die Schadenaufwendungen gingen dennoch nach oben. Die Ausstattungen der Fahrzeuge werden immer hochwertiger“, erklärte er. Entsprechend seien die einzelnen Schäden teurer. Insgesamt konnte er aber einen moderaten Jahresgewinn in Höhe von 700.000 Euro vermelden.

Alexander Stoll vom TÜV Pfalz freute sich über die deutlich gestiegene Anzahl an Prüfungen, denn sowohl in der Theorie als auch in der Praxis liege die Steigerung bei über fünf Prozent. „Es war ein erfolgreiches Jahr“, resümierte Stoll.

Norbert Wagner lobte, man habe mit dem TÜV sehr konstruktiv sprechen können. Die getroffenen Vereinbarungen seien aber nicht „festgemeißelt für die Zukunft“. Wenn sie sich nicht für die Fahrlehrer bewähren, müsste neu gesprochen werden.

Neue Vereinbarungen mit dem TÜV

„Wir haben zum ersten Mal vom TÜV schriftlich bestätigt bekommen, dass der Fahrlehrer entscheidet, ob die Prüfung stattfindet oder nicht“, wies Wagner auf eine Neuerung hin. Dabei gehe es vor allem um die Winterregelung, denn bisher konnte der Prüfer bestimmen, ob gefahren wird.

Wagner appellierte an die Mitglieder, sich mehr einzubringen. „Wenn ihr der Meinung seid, es ist irgendwas nicht gut, dann brauche ich auch Vorschläge von euch. Ihr müsst sagen, wir wollen in unserem Bezirk genau das und das und das haben.“

Ganz neu ist der Mitgliederbereich auf der Internetseite des Fahrlehrerverbandes Pfalz. Hier werden künftig auch interne Papiere eingestellt, die die Mitglieder mittels eines Passwortes abrufen können. Dort sollen auch wichtige Formulare zum Download hinterlegt werden.

Michael Kampmann ist neues Vorstandsmitglied

Bei den turnusmäßigen Vorstandswahlen war das Amt des zweiten Vorsitzenden neu zu vergeben. Michael Kampmann stellte sich dem Votum der Mitglieder und wurde einstimmig gewählt.

(Ulrich Lieber)

 

 

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