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Bremen im Umbruch

Wechsel an der Spitze: Jens Högemann (2.v.r.) ist der neue Vorsitzende des Bremer Fahrlehrerverbands
© Foto: Thomas Cyganek

Nach 23-jähriger Amtszeit trat Rüdiger Grollmann aus gesundheitlichen Gründen als Vorsitzender des Bremer Fahrlehrerverbands zurück. Jens Högemann wurde auf der Mitgliederversammlung zu seinem Nachfolger gewählt.


Datum:
15.05.2015
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„Das wird ein sehr wichtiger Tag für das Bremer Verbandsgeschehen“ – mit diesen Worten eröffnete Rüdiger Grollmann eine Mitgliederversammlung, die in Erinnerung bleiben wird. Der geschäftsführende Vorstand der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) kam vollzählig ins Bremer Balladins-Hotel, um Grollmann gebührend zu verabschieden. Gerhard von Bressensdorf, Peter Glowalla, Dieter Quentin sowie Gäste und Kollegen dankten dem scheidenden Vorsitzenden für seine langjährige, wertvolle Arbeit. Seit 1992 stand Grollmann an der Spitze der Bremer Fahrlehrer.

„Rüdiger Grollmann hat den Landesverband Bremen mit viel Engagement in eine aufregende Zeit geführt“, sagte der BVF-Vorsitzende von Bressensdorf in seiner Laudatio. Er habe eigene Vorstellungen gehabt und großes Engagement gezeigt. Er sei oft einen halben Schritt voraus gewesen und habe durchaus „herzhaft anecken“ können. „Aber unter seiner bisweilen rauen Schale steckt ein enorm weicher Kern“, sagte von Bressensdorf. Er habe immer das Beste für die Fahrlehrerschaft gewollt und sich beim Curricularen Leitfaden für die Lkw- und Busausbildung „ein Denkmal gesetzt“. Nach seiner Rede heftete von Bressensdorf einem sichtlich gerührten Rüdiger Grollmann die goldene Ehrennadel der BVF an.

Bremer Verkehrsreferat neu besetzt

Der offizielle Teil der Mitgliederversammlung begann indes weniger emotional. Steffen Breyer, der neue Referatsleiter für Verkehrs- und Straßenrecht des Bremer Senators für Umwelt, Bau und Verkehr, stellte sich den Fahrlehrern vor. Er gab zunächst zurückliegende Probleme in der Zusammenarbeit mit der Fahrlehrerschaft zu, die durch „eine personelle Durststrecke und Budget-Probleme“ verursacht worden seien. Breyer versprach Besserung und teilte mit, dass der Bereich Fahrlehrer „nun wieder ausgefüllt werden kann“. Bei der anstehenden Reform des Fahrlehrerrechts forderte der Referatsleiter „einen Verzicht auf Formalien und stärkeren Fokus auf Inhalte“. Grollmann merkte an, dass er in der Vergangenheit nicht immer zufrieden gewesen sei mit der Arbeit der Behörde. So sei er enttäuscht gewesen, dass der Bremer Fahrlehrerverband nicht in die Beratungen des Bund-Länder-Fachausschusses zur Reform des Fahrlehrerrechts einbezogen worden sei.  

Bernd Nentwig von Hauptaussteller Audi stellte Produktneuheiten und Fahrschul-Aktionen seines Unternehmens vor. Unter anderem erinnerte er an die Produktaufwertung des Audi Q3 mit Xenon-Licht, der seit Mitte Februar ausgeliefert und bei Fahrschulen immer beliebter werde, und kündigte zwei neue Motorisierungen beim Audi A1 Sportsback an (Benzin und Diesel mit jeweils 90 PS). Nentwig präsentierte außerdem neue Fahrschulkonditionen beim Audi A3 e-tron (17 Prozent Rabatt-Empfehlung an Händler, Paket Wartung und Verschleiß) sowie einen Zuschuss von 2.000 Euro für die Handicap-Umrüstung.

Was Eisberge mit Verbandsarbeit zu tun haben

Peter Glowalla klärte in seinem Fachvortrag über das elektronische Prüfprotokoll auf. Der erste stellvertretende Vorsitzende der BVF wollte die Sorgen der Fahrlehrer zerstreuen: Trifft das Gerät die Prüfentscheidung? Wie steht es um den Datenschutz? Sind Prüfer noch nötig? Diese Fragen stiften derzeit Unruhe im Berufsstand. Das elektronische Prüfprotokoll sei „nichts anderes als ein elektronisches Notizbuch“, erklärte Glowalla. „Der Prüfer hat dabei nach wie vor das letzte Wort.“ Drei Jahre sei am Fahraufgabenkatalog gearbeitet worden, der Grundlage des elektronischen Prüfprotokolls ist. „Das Ergebnis ist eine optimierte praktische Fahrerlaubnisprüfung.“

In seinem zweiten Vortrag „ Was verbindet Eisberge mit Verbandsarbeit?“ strich Glowalla die Bedeutung der Verbandsarbeit heraus. Als soziale Interessengruppe biete ein Verband „Transportmöglichkeiten für Ideen“ – denn nur eine Gruppe bringe die Ideen Einzelner nach vorn. Da der Fahrlehrer im Arbeitsalltag „ein eher einsamer Mensch“ sei, seien Veränderungen im Beruf ohne Kommunikation schwer machbar, sagte Glowalla und betonte: „Kommunikation ist am besten im Verband möglich“. Als Beispiel für gelungenen Ideen-Transport nannte er die Abschaffung der Automatikbeschränkung für Lkw und Bus.

Der Verband organisiere Treffen und bereite diese inhaltlich vor. Das gleiche manchmal einer „Sisyphosarbeit“. Es gehöre auch dazu, Streitigkeiten zu schlichten und zuzuhören. Außerdem müssten gesetzliche Vorschriften erklärt werden, ganz nach dem Motto: „Was ist das? Was heißt das? Wie gehen wir damit um?“ Wie bei einem Eisberg werde der wahre Umfang der Verbandsarbeit erst bei näherem Hinsehen sichtbar, sagte Glowalla,

Verbands-Fahrlehrer wüssten einfach mehr. „Aber um diese Überzeugung nach außen zu tragen, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen“, rief er den Fahrlehrern zu. „Wir müssen die Ignoranz und den Egoismus mancher Kollegen durchbrechen, denn alleine hat der Fahrlehrer den konkurrierenden Interessen nicht viel entgegenzusetzen.“

Rainer Cyganski vom TÜV Nord knüpfte in seinem Vortrag zunächst an Glowallas Ausführungen zum elektronischen Prüfprotokoll an: Er lobte die gute Zusammenarbeit mit der Fahrlehrerschaft und beurteilte die gemeinsame Entwicklung des Prüfprotokolls positiv. In seinem Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015 kündigte Cyganski an, dass der TÜV die Gebührenberechnung bei Fahrschulwechseln und für Rechnungszweitschriften einstellen wolle. Außerdem wies er auf eine problematische Bremer Nichtbestehens-Quote von über 37 Prozent hin.

Andreas Anft, der Vorstandsvorsitzende der Fahrlehrerversicherung, brachte aktuelle Zahlen aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr. So sei die Zahl der Kunden auf über 79.600 gestiegen, unter anderem seien knapp 105.000 Pkw beim Stuttgarter Unternehmen versichert. Im Jahr 2014 ergeben sich nach Auskunft des Vorstandsmitglieds Einnahmen in Höhe von 62,9 Millionen Euro sowie ein Überschuss von 400.000 Euro.

Jens Högemann neuer Vorsitzender

Im internen Teil der Mitgliederversammlung präsentierte Grollmann Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2014. Zum 1. April 2015 hatte der Landes-Fahrlehrerverband Bremen 141 Mitglieder, das sind elf weniger als im Vorjahr. Sechs neue Mitglieder konnten geworben werden. Grollmann kritisierte die Altersstruktur des Verbandes als „besorgniserregend“: 50 Prozent der Mitglieder seien älter als 60 Jahre, nur 27 Prozent seien zwischen 41 und 50 Jahren alt. „Das ist langfristig nicht gesund“, sagte Grollmann. „Wir müssen in Mitglieder und Nachwuchs investieren.“

Nach der einstimmigen Entlastung des Vorstands wurde Rüdiger Grollmann zum Ehrenvorsitzenden ernannt, eher er formell seinen Rücktritt als Vorsitzender des Bremer Fahrlehrerverbands erklärte. Er bat die anwesenden Mitglieder im Anschluss um Vorschläge, wer seine Nachfolge in der Restzeit seiner Amtsperiode von einem Jahr antreten soll. Jens Högemann stand schließlich als einziger Kandidat fest und wurde mit 31 Ja-Stimmen bei fünf Nein-Stimmen und 15 Enthaltungen zum neuen Vorsitzenden des Bremer Fahrlehrerverbands gewählt. Stellvertreter bleiben Rainer Fojuth und Hans Peter Victoria.

(tc)


Mitgliederversammlung Fahrlehrerverband Bremen 2015

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