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Gestärkt und geschlossen aus der Krise

Blick ins Plenum der Mitgliederversammlung 2021 am Sachsenring
© Foto: Bastian Hambalgo

Ein strenges Hygienekonzept erlaubte dem Landesverband Sächsischer Fahrlehrer wie bereits 2020, die Mitgliederversammlung gemeinsam in Präsenz durchzuführen. Am Sachsenring drehte sich alles um Politik, Digitalisierung und ein klares Bekenntnis zum eigenen Berufsstand.


Datum:
24.11.2021
Autor:
Bastian Hambalgo
Lesezeit: 
10 min
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Vor allem in schwierigen Zeiten ist es unabdingbar, zusammenzuhalten. Diese Erkenntnis hat man beim Landesverband sächsischer Fahrlehrer e.V. verinnerlicht – und das nicht erst seit dem Corona-Jahr 2020. Vielmehr konnte man bei der Mitgliederversammlung am Sachsenring den Eindruck gewinnen, dass der Zusammenhalt in den eigenen Reihen und nicht zuletzt der gute Draht in die Politik dabei half, die Auswirkungen der Pandemie vergleichsweise gut abzufedern. Dies bestätigte nicht nur der Vorsitzende Andreas Grünewald, sondern auch die zahlreichen Gäste aus Politik, Verband und Industrie.

Nach der Eröffnung der Präsenzveranstaltung durch den Vorsitzenden Andreas Grünewald konnten mit Peter Pernat (Audi) und Jens Kotschwar (Volkswagen) die Vertreter der Sponsoren und Partner einen Ausblick in die Zukunft geben. Peter Pernat bekräftigte den Willen, die enge Zusammenarbeit zwischen Audi und dem Fahrlehrerverband weiter zu stärken und versprach neben neuen Modellen vor allem attraktive Leasingraten. Einzig das Thema Halbleiter-Krise drücke derzeit die Stimmung in der Branche. Dies bestätigte auch sein Kollege Jens Kotschwar. Er zeigte sich aber optimistisch, da eine leichte Erholung in Sicht sei. Dies könnte auch bei der Produktion der neuen Modelle (Tiguan Allspace, ID.5 und Taigo) helfen.

Draht nach Berlin

Auf Seiten der Politik griff zuerst Conrad Clemens (Staatssekretär, Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund) zum Mikrofon. Der CDU-Politiker wolle zusammen mit seinen Kollegen die Verkehrspolitik der neuen Regierung kritisch begleiten und notfalls eine starke Opposition zur Ampel sein. Für ihn sei klar, dass Sachsen ein Autoland ist und bleibe – dazu gehören für Clemens auch der Ausbau von Autobahnen im Freistaat. Ein Punkt, den auch Torsten Herbst (Obmann im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur im Bundestag) hervorhob. Zum Zeitpunkt der Jahreshauptversammlung war der FDP-Mann in zwei Arbeitsgruppen an den Koalitionsverhandlungen beteiligt und vertrat den Standpunkt, dass die individuelle Mobilität vor allem im ländlichen Bereich auch in Zukunft ein wichtiges Thema sei. Besonders betonte Herbst, dass bei der Suche nach neuen Mobilitätskonzepten keine Versteifung auf BEVs, sondern vielmehr eine Technologieoffenheit der rechte Weg sei. Ein Punkt, der bei den anwesenden Fahrlehrern viel Zuspruch fand. Dr. Georg Freytag aus dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr rundete den Politik-Teil ab und sprach unter anderem wichtige verkehrspolitische Neuerungen wie AM15 an. Die seit Juli 2021 bundesweite Regelung geht auf einen Antrag aus Sachsen zurück und erfreut sich nun großem Zuspruch. Weitere Themen waren der nach wie vor vorherrschende Nachwuchsmangel und die Digitalisierung der Fahrausbildung. Gerade bei letzterer Thematik appellierte Freytag an die Fahrlehrer: Bleiben Sie offen – aber kritisch.

Herausforderungen und Erfolge

Etwas tiefer stieg Mathias Rüdel, Geschäftsführer TÜV I Dekra arge tp 21, in die Materie ein. Sein Vortrag unter der Überschrift „Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung in herausfordernden Zeiten“ beleuchtete sowohl positive als auch negative Entwicklungen der Branche. Als Erfolg sah Rüdel die Einführung der OPFP an. Nach bundesweit etwa 1,2 Millionen durchgeführten Prüfungen sei für ihn klar: das System funktioniere. Bislang liegen keine Hinweise auf substanzielle, systembedingte Schwachstellen vor. Dennoch werde das System kontinuierlich verbessert. Bei der Frage einer möglichen Rücknahme der Prüfzeitverlängerung zum Abbau des Prüfungsstaus gab sich Rüdel kritisch. Für ihn würde dies auch die Qualität der Fahranfängervorbereitung gefährden. Auch die fortschreitende Digitalisierung der Theorie sprach Rüdel an und gab den Leitspruch „Bewährtes erhalten, Chancen nutzen“ aus.

Etwas skeptischer zeigte sich Ralf Nicolai, 2. stellvertretender Vorsitzender der BVF, bei diesem Thema. Die Corona-Pandemie sei sicherlich die schwerste Herausforderung für den Berufsstand und das daraus resultierende Verbot von Präsenzveranstaltungen habe zwielichtige Online-Anbieter auf den Plan gerufen. Nicolai betonte in seinem Vortrag, dass die Digitalisierung durchaus Vorteile im Tagesgeschäft der Fahrschulen bringen könne, dennoch gehört zu den wichtigsten Zielen der BVF auch, dass der Präsenzunterricht nicht geschwächt werde oder gar verloren geht. Für Nicolai liege der Königsweg in einer Weiterentwicklung des Präsenzunterrichts. Als positive Entwicklung sah Nicolai, dass erstmals seit 2019 wieder ein leichter Anstieg der Personen mit Fahrlehrererlaubnis zu verzeichnen sei. Der Grund hierfür sei eine wirtschaftlich bessere Auslastung und daraus resultierend, steigende Umsätze. Angesichts des hohen Durchschnittsalters der Fahrlehrerschaft dürfe man aber auch dieses Thema nicht aus den Augen verlieren. 

Zum Ende des offiziellen Teils der Mitgliederversammlung trat Thomas Riedel, Leiter Fahrerlaubniswesen der Dekra, ans Mikrofon und informierte über Neuigkeiten aus dem Prüfgeschehen. Er betonte, dass die Dekra die Personalkapazität bereits seit 2018 aufgebaut hat, um den OPFP-Schub abzufangen. Dennoch kam es vor allem aufgrund der Pandemie zu punktuellen Problemen, Prüfplätze bereitzustellen. Er versicherte den sächsischen Fahrlehrern aber, dass die Dekra mit Hochdruck daran arbeite, dieses Problem zu beheben. Auch Riedel betonte, dass AM15 ein echter Erfolg sei, schließlich trage die Regelung zu einer qualitativ verbesserten Verkehrsteilnahme von 15-Jährigen bei.

Positive Entwicklung

Nach der Eröffnung des internen Teils der Mitgliederversammlung durch Andreas Grünewald, dem ehrenden Gedenken der Verstorbenen und der Ehrung des Jubilars übergab der Vorsitzende das Wort an Stefan Kottwitz, Vorstandsmitglied der Fahrlehrerversicherung. Kottwitz zeigte sich erfreut, dass das Corona-Hilfspaket mit der fiktiven Stilllegung der Fahrzeuge dem Berufsstand half, die schweren Krisenmonate zu überstehen. Diese Regelung mit der Rückzahlung der Beiträge galt auch noch einmal von Januar bis März 2021. Als weitere Hilfsleistung für die Fahrlehrer werden bei Schadensfreiheit im Covid-Jahr acht Prozent der Beiträge zurückgezahlt. Anschließend stellte Kottwitz den seit wenigen Wochen verfügbaren Pkw-Tarif vor, der in drei Varianten (Basis, Komfort und Premium) angeboten wird, des Weiteren kündigte er eine baldige Überarbeitung der Sach-, Haftpflicht- und Unfallprodukte an. Die Optimierung des Kundenportals ist ein weiteres Anliegen der Fahrlehrerversicherung, damit die Kommunikation mit den Fahrlehrern künftig noch besser und reibungsloser funktioniere.

Einigkeit in Sachsen

Im Bericht des Geschäftsführenden Vorsitzenden des Landesverbands sächsischer Fahrlehrer e.V. verkündete Andreas Grünewald stolz, dass Sachsen einer der Landesverbände sei, der 2020 eine vollumfängliche Jahreshauptversammlung abhalten konnte. Auch zeigte er sich erfreut über das hohe Interesse an der diesjährigen Veranstaltung sowie dem neuen, digitalen Angebot, das während der Pandemie ins Leben gerufen wurde: Jeden zweiten Sonntag um 18 Uhr hält der Verband ein Onlinemeeting ab, bei dem wichtige Punkte und die drängendsten Themen besprochen werden können. Auch beim Blick auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen konnte Grünewald Positives vermelden. Obwohl 24 Mitgliedschaften beendet wurden, kamen 72 neue Mitglieder hinzu. Gerade in der schweren Corona-Zeit ist diese Entwicklung keine Selbstverständlichkeit. Die anschließende turnusmäßige Wahl zum 1. Stellvertreter lieferte einen schönen Beweis für die Geschlossenheit des Landesverbandes. Peter Losleben, der dieses Amt die letzten Jahre bekleidete, wurde als einziger Kandidat vorgeschlagen und wurde durch Akklamation in seiner Funktion bestätigt. Das ersparte den stimmberechtigten Mitgliedern nicht nur den Papierkram, sondern demonstrierte, wie geschlossen der Landesverband ist. Und das erlaubt dem Vorstand, seine ganze Kraft in die Repräsentation der Fahrlehrerschaft nach außen zu stecken. Abgerundet wurde die Veranstaltung auch durch die feierliche Verabschiedung von Herrn Matthias Lorenz, der in seinen wohlverdienten Ruhestand geht. Herr Lorenz war jahrzehntelang ein sehr wichtiges Bindeglied zwischen der Fahrlehrerschaft und der Volkswagen AG.

Abgerundet wurde die Mitgliederversammlung erstmals durch Technik-Workshops mit praktischem Fahrerlebnis für Zweirad, Pkw und Nutzfahrzeuge. Zahlreiche Fahrzeuge konnten hierbei von den Mitgliedern selbst bewegt und getestet werden, darunter auch drei Elektro-Motorräder und die neuesten Produkte von Audi, Volkswagen und MAN. Ganz wichtig ist die Kenntnis und Handhabung neuer Fahrerassistenzsysteme, weil diese möglicherweise wohl schon 2024 in der Praktischen Fahrerlaubnisprüfung eine Rolle spielen werden. Ein Angebot, das von den Teilnehmern am Sachsenring hervorragend angenommen wurde.


Mitgliederversammlung Sachsen 2021

Bildergalerie

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