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Großes Engagement für die Verkehrssicherheit

Zahlreiche Gäste und Mitglieder waren zur Mitgliederversammlung nach Linstow gekommen
© Foto: Judith Böhnke

Kollegialer Austausch und Einblick in fahrlehrerpolitische Entwicklungen standen im Fokus der Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Mecklenburg-Vorpommern.


Datum:
27.04.2015
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Ein wichtiges Thema sprach Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, gleich zu Beginn der Veranstaltung in seinem Grußwort an: die Reform des Fahrlehrerrechts. Die Thematik sei komplex, weshalb Pegel um einen offenen Dialog und ein Auf-Einander-Zugehen von Politik und Fahrlehrerschaft warb. Denn unterm Strich geht es um nichts Geringeres als die Qualifikationsstandards für den Fahrlehrernachwuchs. Die wünscht man sich mit Blick auf die Verkehrssicherheit auf möglichst hohem Niveau.

Großen Beifall erntete der Redebeitrag des 1. stellvertretenden Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Peter Glowalla. Ende 2014 bereits zum zweiten Mal mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, widmete sich Glowalla der Frage, ob das Elektronische Prüfprotokoll für die Fahrlehrerschaft mehr Fluch oder Segen sei. „Mit dem Elektronischen Prüfprotokoll sind viele Ängste und Sorgen verbunden, wie der Workshop ‚Elektronisches Prüfprotokoll‘ anlässlich des 5. Deutschen Fahrlehrerkongresses 2014 sowie mehrere Fortbildungsveranstaltungen bei verschiedenen Landesverbänden haben erkennen lassen“, so Glowalla. „Große Bedenken gibt es beispielsweise in Bezug auf Datenschutz und ‚Überwachung‘ oder auch hinsichtlich der Frage, wem möglicherweise ‚gesammelte Daten‘ zugänglich gemacht werden.“ Dabei stellt das Elektronische Prüfprotokoll nichts anderes dar als eben das: ein Protokoll. Der Unterschied ist nur, dass der Prüfer es nicht mehr handschriftlich führt, sondern über eine Eingabemaske mit vordefinierten Fahraufgaben, Beobachtungskategorien und Fehlervorgaben zum Anklicken.

„Die Vorteile liegen auf der Hand“, weiß Peter Glowalla. „Denn was ‚richtiges Autofahren‘ ist, musste für die Entwicklung des Elektronischen Prüfprotokolls vollumfänglich und eindeutig definiert werden. Und ist damit nicht mehr dem Ermessen des Einzelnen überlassen.“ Das hatte bislang regelrecht schockierende Auswirkungen: Denn weder sind sich Fahrlehrer untereinander darüber einig, was richtiges Autofahren ist, noch sind es die Prüfer untereinander, noch Fahrlehrer und Prüfer tätigkeitsübergreifend. „Deshalb lassen sich bei Prüfungen bisweilen höchst bizarre Szenen beobachten“, so Glowalla. „Da ist eine Prüfung zu Ende, der Fahrlehrer mit seinem Schüler hochzufrieden – bis der Prüfer von der Rücksitzbank meint ‚das war nix‘. Und nicht konkretisieren kann, was denn nun an welcher Stelle und warum oder in der Summe ‚nix‘ war.“ Wenn alle unterschiedliche Auffassungen über richtiges Autofahren haben, sei einerseits die Frage, wie wir die letzten 125 Jahre seit der Erfindung des Autos überstanden haben. Und andererseits, woher dann Fahranfänger und Verkehrsteilnehmer wissen sollen, was richtiges Autofahren ist.

„Das Elektronische Prüfprotokoll ist alles andere als ein ‚Überwachungsinstrument‘“, betonte Glowalla. „Es stellt einen weiteren Schritt hin zu einem Ausbildungscurriculum dar, das die derzeitigen Leitfäden eines Tages ablösen und für jeden Fahrlehrer verbindlich sein sollte.“ Nicht zuletzt ermöglicht das Elektronische Prüfprotokoll auch entsprechend detaillierte Vorprüfungen und Lernstandsanalysen, die genau aufzeigen, wo ein Fahrschüler Defizite hat. „So kommen wir nicht zuletzt weg von der Überbewertung von Aufgaben, die in Bezug auf die Verkehrssicherheit keine übergeordnete Rolle spielen.“ Denn wer etwa beim rückwärts Einparken einen Fehler macht, verursacht vielleicht einen kleinen Sachschaden. Fehler beim Überholen, Abbiegen oder an der Kreuzung bergen weitaus größere Risiken für Fahrer wie auch andere Verkehrsteilnehmer. Das Elektronische Prüfprotokoll ermöglicht, sowohl die Prüfungen als auch die Ausbildung besser zu machen. Denn wer aufhöre, besser zu werden, habe aufgehört, gut zu sein, wie der Unternehmer Philip Rosenthal schon 1916 sagte.

Dass Verbesserung Not tut, verriet der Blick in die Unfallstatistik von Mecklenburg-Vorpommern, die der Präsident der Landesverkehrswacht, Hans-Joachim Hacker, vorstellte: 3.368 Tote forderte der Straßenverkehr 2014, ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Um vier Prozent erhöhte sich die Zahl der Verletzten auf 389.000.

Mit Neuigkeiten in Bezug auf das Prüfgeschehen wartete Dr. Andreas Schmitt von der Dekra Automobil GmbH auf: „Im vergangenen Jahr konnten wir in den neuen Bundesländern unsere zehnmillionste praktische Prüfung verzeichnen. Pro Jahr werden im Schnitt 400.000 praktische Prüfungen von der Dekra realisiert, was bedeutet, dass gut jeder zweite Einwohner bislang seine Fahrerlaubnis durch eine praktische Prüfung bei der Dekra erworben hat.“ 2014 hat zudem ein starker Anstieg theoretischer Prüfungen stattgefunden, da viele Prüflinge nach der Neufassung der Straßenverkehrsordnung (StVO) eine schwierigere Prüfung erwarteten und lieber die „alte“, vermeintlich leichtere Prüfung ablegen wollten. Auch Schmitt begrüßte das Elektronische Prüfprotokoll, weil es nicht zuletzt auch denen, die ihre praktische Fahrerlaubnisprüfung bestanden haben, aufzeigen kann, in welchen Bereichen der Erwerb weiterer Fahrkompetenzen empfehlenswert ist.

Der Geschäftsbericht des Verbandsvorsitzenden Helmut Bode gegen Ende der Mitgliederversammlung belegte die vielen Aktivität im Land Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt zählt der Verband knapp 250 Mitglieder, vier sind im Jahr 2014 neu hinzu gekommen. Merklich schärfer werde der Wettbewerb unter den Kollegen. Umso erfreulicher sei es, wenn neue Projekte Früchte tragen. So engagieren sich beispielsweise mehrere Dutzend Kollegen in dem vom Land geförderten Programm „Senioren in Fahrt“, das stetig steigende Teilnehmerzahlen verzeichnet. „Angesichts der demographischen Entwicklung ist das Angebot von Schulungen für Senioren ausbaufähig und wird sicher noch an Bedeutung gewinnen“, so Helmut Bode. Ein Highlight ist nach wie vor das Fahrsicherheitstraining, das der Verband für Fahranfänger anbietet, ebenso die Fortbildung für die Zweiradausbildung auf der Insel Rügen. Mittlerweile kommen die Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet. „Meine Bitte an Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen“, so Helmut Bode zum Ende der Veranstaltung, „bringt Euch aktiv ins Verbandsleben ein, sprecht uns an und versucht, Probleme und Fragen mit uns zu lösen.“ Denn nur gemeinsam kann die Fahrlehrerschaft auf dem eng gewordenen Markt bestehen.

(jb)


Mitgliederversammlung Fahrlehrerverband Mecklenburg-Vorpommern 2015

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