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Junge Fahrlehrer im Fokus

Horst Heider (2. v. l.) ist seit 50 Jahren Fahrlehrer. Bei der Mitgliederversammlung in Kiel wurden er und weitere Jubilare geehrt
© Foto: Thomas Cyganek

Der Fahrlehrer-Verband Schleswig-Holstein e.V. veranstaltete am 21. März 2015 seine Mitgliederversammlung im Kieler Atlantic Hotel. Schwerpunkte waren unter anderem die Altersstruktur des Verbandes und die Erschließung neuer Kundengruppen.


Datum:
16.04.2015
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Der Fahrlehrer-Verband Schleswig-Holstein e.V. veranstaltete am 21. März seine Mitgliederversammlung im Kieler Atlantic Hotel. Schwerpunkte waren unter anderem die Altersstruktur des Verbandes und die Erschließung neuer Kundengruppen.

Der interne Teil der Mitgliederversammlung begann mit erfreulichen Nachrichten: Frank Walkenhorst, der Vorsitzende des Fahrlehrer-Verbands Schleswig-Holstein, begrüßte 22 neue Mitglieder, davon zwölf Schnuppermitglieder – ein respektabler Zuwachs in den vergangenen zwölf Monaten. „Außerdem: Wir freuen uns, dass sich 16 junge Menschen in Schleswig-Holstein entschlossen haben, Fahrlehrer zu werden“, sagte Walkenhorst.

Kommunikation und demografische Entwicklung

Im Geschäftsbericht ging Walkenhorst zunächst auf die Zusammenarbeit mit dem TÜV ein und sprach Kommunikationsschwierigkeiten zwischen TÜV, Behörden und Fahrlehrerschaft beim Thema Fahrschulwechsel an. Dies habe Proteste des Berufsstandes nach sich gezogen, sagte er, „die wir dann kassiert haben“.   

Sorgen bereitete Walkenhorst auch die Altersstruktur von Verband und Land. Laut Walkenhorst sind mehr als 62 Prozent der Mitglieder über 50 Jahre alt – Tendenz steigend. „Wenn das so weitergeht, sind wir um 2030 herum ein Debattierklub der über 80-Jährigen – das gilt auch bundesweit“, prophezeite der Vorsitzende. Generell sei bei den 17- und 18-Jährigen Schleswig-Holsteinern bis 2031 ein Rückgang um 30 Prozent zu erwarten. „Andere Kundengruppen sind deshalb genauso wichtig“, mahnte er.

Rechtsfreier Raum bei Manipulationen

Rainer Cyganski vom TÜV-Nord reagierte in seinem Vortrag zunächst auf Walkenhorsts Kritik: Generell trete der TÜV nicht an, um seine Kunden zu ärgern. Aber er erkenne „Optimierungsbedarf“ bei der Kommunikation zwischen TÜV, Behörden und Fahrlehrerschaft - und kündigte Verbesserungen an.

Manipulationen bei der Fahrerlaubnisprüfung, insbesondere bei der theoretischen Prüfung, waren der zweite große Punkt in Cyganskis Vortrag. Diese geschähen mittlerweile „mit Spionage-Equipment“, etwa einem Knopf im Ohr oder einer Kamera im Hemdknopf, schilderte er die Erfahrungen des TÜV. „Da wir keine polizeilichen Kompetenzen haben, kommt die Polizei nur, wenn der Verdacht einer Straftat besteht - ansonsten herrscht hier ein rechtsfreier Raum.“ Probleme seien fehlende persönliche Vorstellungen der Bewerber sowie die fehlende Prüfung, ob die Antragsunterlagen mit dem Bewerber übereinstimmen. Außerdem komme ein „Bewerbertourismus“ hinzu, da Bewerberunterlagen auch ungeprüft an Orte versendet werden, die nicht die Wohnorte sind. Wohl werde statistisch nur bei jeder 1000. Prüfung manipuliert, dennoch sei eine nicht unbeträchtliche Dunkelziffer zu befürchten.

Zum Schluss verabschiedete sich Cyganski von Schleswig-Holsteins Fahrlehrern und bedankte sich in seiner letzten Mitgliederversammlung für die gute Zusammenarbeit. Der TÜV-Vertreter geht Mitte des Jahres in den Ruhestand.

Deutliche Kritik an Fahrlehrerrechtsreform

Birte Ehlert vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, eröffnete den offiziellen Teil der Mitgliederversammlung. Ihre Themen waren unter anderem die Reform des Fahrlehrerrechts. Ehlert verwies auf die Pläne von Bund und Ländern, bei den Zugangsvoraussetzungen zum Fahrlehrerberuf eine Beschränkung auf die Klasse B zu befürworten - was eine deutliche Reaktion des Publikums zur Folge hatte: Der bisherige Entwurf wurde von den Fahrlehrern als engstirnig kritisiert. „Wie kann man umfassend ausbilden, ohne wirklich Ahnung zu haben?“, lautete der Tenor.

Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), kommentierte die Reformpläne als zwiespältig. Es sei zu spüren, dass der Wille da sei, Gutes zu gestalten, aber die derzeitigen Pläne seien eine „Kastrierung der Ausbildungsvoraussetzungen“. „Autofahrer wissen einfach nicht, wie es ist, einen 40-Tonner zu steuern“, sagte von Bressensdorf. Außerdem forderte er einen vernünftigen Zeitplan und eine einheitliche, bundesweite Form der Ausbildung.  

In seinem Fachvortrag ging von Bressensdorf auf das elektronische Prüfprotokoll ein. Ziel war es, Ängste und Sorgen der Fahrlehrer zu zerstreuen. „Wie jede neue Software, die im Büro installiert wurde, wird auch das elektronische Prüfprotokoll zunächst angezweifelt“, sagte von Bressensdorf. „Dabei ist es vollkommen harmlos.“

Drei Jahre sei am Fahraufgabenkatalog gearbeitet worden, der dem elektronischen Prüfprotokoll als Basis dient -  in 50 Sitzungen mit insgesamt 90 Sitzungstagen. Das Ergebnis sei nun eine optimierte theoretische und praktische Fahrerlaubnisprüfung. „Wir sollten aufgeschlossen in die Zukunft schauen“, sagte von Bressensdorf. „Das elektronische Prüfprotokoll stellt eine Chance für Prüforganisationen und Fahrlehrer dar.“

Produktneuheiten von Audi

Bernd Nentwig vom Hauptaussteller Audi stellte im Anschluss die Produktneuheiten seines Unternehmens vor. Unter anderem erinnerte er an die Produktaufwertung des Audi Q3, der seit Mitte Februar ausgeliefert wird, und kündigte zwei neue Motorisierungen beim Audi A1 Sportsback an (Benzin und Diesel). Nentwig präsentierte außerdem neue Fahrschulkonditionen beim Audi A3 e-tron (17 Prozent Rabatt-Empfehlung an Händler, Paket Wartung und Verschleiß) und beim Audi g-tron (unter anderem 500 Euro Umweltprämie für Erdgasautos, die in Sachsen und Sachsen-Anhalt zugelassen wurden oder werden).

Vorstandsmitglied Rolf Schrade brachte aktuelle Zahlen aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr der Fahrlehrerversicherung mit. So sei die Zahl der Kunden auf über 79.600 gestiegen, unter anderem seien knapp 105.000 Pkw beim Stuttgarter Unternehmen versichert, berichtete Schrade. Im Jahr 2014 ergeben sich nach Auskunft des Vorstandsmitglieds Einnahmen in Höhe von 62,9 Millionen Euro sowie ein Überschuss von 400.000 Euro. Schrade wies am Ende seines Vortrags die anwesenden Fahrlehrer auf die Prämie bei der Kundenwerbung hin: Jede Empfehlung eines neuen Kunden werde von der Fahrlehrerversicherung mit einer 25-Euro-Tankkarte entlohnt.

Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Verbands des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein e.V., berichtete von der bereits in die Wege geleiteten Kooperation mit dem Fahrlehrerverband Schleswig-Holstein. Bei der Betreuung der älteren Kraftfahrer sieht er vielversprechende Ansatzpunkte einer Zusammenarbeit. Im Vordergrund müsse natürlich immer die Verkehrssicherheit stehen, sagte Sontag. „Wenn jedoch die Fahrlehrerschaft einen Beitrag dazu leisten kann, dass die Menschen sicher länger mobil bleiben können, kommt das auch meiner Branche zugute.“

(tc)


Mitgliederversammlung Fahrlehrerverband Schleswig-Holstein 2015

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