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Mehr Ausbildungen, mehr Prüfungen, mehr Arbeit

Gut besucht: die diesjährige Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Sachsen-Anhalt
© Foto: Thomas Cyganek

In Sachsen-Anhalt haben Fahrlehrer derzeit gut zu tun – nicht nur dank des Modellprojekts AM 15. Dies war ein Ergebnis der Mitgliederversammlung 2017 des Landesverbandes.


Datum:
29.03.2017
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Mehr als 5.000 Prüfungen habe es seit dem Beginn des Modellprojekts AM 15 in Sachsen-Anhalt gegeben – mit „einer konstant hohen Bestehensquote“, wie Prof. Dr. Klaus Kummer, Abteilungsleiter beim Landesverkehrsministerium, bei der Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Sachsen-Anhalt in Brehna berichtete.

AM 15 sei besonders auf dem Land nachgefragt und erhalte Jugendlichen ihre Mobilität. So werde verhindert, dass junge Leute in Ballungsgebiete abwandern. „Wir hoffen auf eine bundesweite Einführung des Projekts“, sagte er. Wolfang Prescher, der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Sachsen-Anhalt, ergänzte: Der Verband arbeite daran. AM 15 sei erfolgreich und „keine Gefahr für die Verkehrssicherheit“.

Kummer kommentierte auch aktuelle rechtliche Neuerungen, etwa die – bisweilen nebulöse –  11. Änderungs-Verordnung der Fahrerlaubnis-Verordnung. „Da stehen wir als Land an ihrer Seite“, rief er den rund 80 Fahrlehrern im Country-Park-Hotel zu. Vor allem die „Verwirrung bei den C1- und D1-Klassen“ nahm Kummer aufs Korn. „Da müssen selbst Fachleute grübeln“, monierte er.

AM 15 bald in Brandenburg?

André Schimera vom Dekra wertete das Prüfgeschehen in Sachsen-Anhalt aus. Seinen Angaben nach gab es im vergangenen Jahr 3,2 Prozent mehr theoretische und vier Prozent mehr praktische Prüfungen als 2015. Gründe dafür seien der Zuwachs älterer Bewerber, die „rege Teilnahme an AM 15“, die Theorieprüfung auch in arabischer Sprache – aber auch die gesunkene Erfolgsquote in der Theorie. In den östlichen Bundesländern sei diese 2016 um zehn Prozent niedriger als 2013. Unter anderem seien dafür die seit 1.10.2016 eingeführten Prüfungsfilme mit einer „Mutterfrage“ und nicht veröffentlichten Varianten verantwortlich. Diese würden Bewerber „filtern“.

Bei AM 15 habe es 2016 sogar zehn Prozent mehr Prüfungen als im Vorjahr gegeben. Wie sein Vorredner aus dem Verkehrsministerium stellte Schimera fest, dass die Moped-Fahrerlaubnis mit 15 Jahren vor allem im ländlichen Raum erfolgreich ist - und noch erfolgreicher werden soll: Aktuell steht die Erweiterung der Modellregion Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um Brandenburg zur Debatte. “Die Skeptiker sind Lügen gestraft worden“, sagte Dieter Quentin, der 1. Stellvertretende BVF-Vorsitzende zu AM 15. Er sei „neidisch, als Niedersachse nicht daran teilnehmen zu können“.

Nicht alle fünf Jahre zum Arzt

Quentin sprach danach in seinem Vortrag zunächst über die Rahmenbedingungen für den Fahrlehrerberuf im Jahr 2025 und später über das Dauerthema autonomes Fahren.

Die seit 2010 wieder steigenden Zahlen bei den Fahrerlaubnis-Prüfungen seien „gut für die, die damit Geld verdienen müssen“, stellte der BVF-Vertreter fest. 1.557.365 Prüfungen habe es deutschlandweit in allen Klassen gegeben – und seitdem erfreulicherweise keine Rückgänge. Dennoch gebe es auch Abwärtstrends: Zwischen 2007 und 2016 nahm die Zahl der Fahrlehrer um 6,29 Prozent ab, die der Fahrschulen gar um 15,78 Prozent.

Ausführlich ging Quentin auf die aktuelle Flut an neuen Gesetze und Verordnungen ein. So wird sich seiner Ansicht nach die Fahrlehrerausbildung nach der Reform des Fahrlehrerrechts „massiv verändern“. Die Fahrpraktische Prüfung etwa finde in Zukunft wohl schon nach vier Wochen statt. Dies sei eine gute Entwicklung, da sich die Anwärter dann besser auf die Ausbildung konzentrieren könnten und unbelastet von Prüfungsdruck seien. „Im Bundesverkehrsministerium gibt es darüber aber noch Unklarheiten“, gab Quentin zu bedenken, "insbesondere der Zeitpunkt einer eventuellen Wiederholungsprüfung ist nicht klar". Er hoffe, dies werde „vernünftig geregelt“. Insgesamt werde die Ausbildung um 30 Prozent umfangreicher. „Das ist angemessen und reicht im Augenblick.“

Als „überreglementiert“ brandmarkte er dagegen, dass Fahrlehrer alle fünf Jahre eine CE-Gesundheitsuntersuchung beibringen müssen, ganz gleich, ob sie vielleicht „nur“ B- oder A-Fahrlehrer sind. „CE braucht es als Zugangsvoraussetzung nicht mehr, aber die Untersuchung schon?“, fragte Quentin rhetorisch und antwortete selbst: „Das ist mehr als unglücklich.“ Er befürchte drohende Berufsunfähigkeit bei Kollegen, deren Sehvermögen nicht für CE ausreiche. Die BVF wende sich „mit aller Kraft“ gegen diese Regelung.

Beim Gesetzentwurf der Bundesregierung zum autonomen Fahren, den Autopilot-Gesetz, sei „noch vieles unklar“, kritisierte Quentin. Sieben Hürden gebe es derzeit, darunter: „völlig verunsicherte Raum- und Verkehrsplaner“, unterschiedliche rechtliche Vorstellungen in Europa und Übersee oder Gefahr durch Hacker. Er entwarf ein Szenario: 2020 werde das Fahren hochautomatisiert, 2025 schließlich vollautomatisiert. „Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.“

„Meine FV“: Das neue Kundenportal der Fahrlehrerversicherung

Andreas Anft gab einen Einblick in das abgelaufene Geschäftsjahr der Fahrlehrerversicherung, die 2017 ihr 65. Jubiläum feiert. Insgesamt würden sich die Beitragseinnahmen auf 65,7 Millionen Euro belaufen, 47 Millionen seien ausbezahlt worden und sind für Schäden aufzuwenden, berichtete der Vorstandsvorsitzende. Er erwarte einen „moderaten Jahresüberschuss“ von einem bis 1,5 Prozent der Beitragseinnahmen. Anft wies außerdem auf das neue Kundenportal der Fahrlehrerversicherung hin und rief die Fahrlehrer dazu auf, dieses auszuprobieren. Auf der Website des Unternehmens sei dieses unter „Meine FV“ zu erreichen. „Mit wenigen Klicks können Sie Änderungen vornehmen sowie ihre Schäden und Schadenfreiheitsrabatte anschauen“, sagte er.

Audi A5 Sportback als g-tron

Bernd Nentwig stellte Produktneuheiten seines Unternehmens vor. 2017 sei der A5 in der Variante Sportback mit Fahrschulausstattung ab Werk erhältlich und als g-tron mit Benzin- und Erdgas-Antrieb sowie einer Reichweite von 1.000 Kilometern. 2018 sei dann ein rein elektronisches Fahrzeug auf Q6-Basis mit einer Laufleistung von 500 Kilometern geplant, 2020 jedes Jahr ein rein elektrisches oder Hybrid-Fahrzeug. Nentwig wies außerdem auf das Ducati-Fahrschulprogramm 2017. So gebe es zum Beispiel 15 Prozent Fahrschulnachlass auf die Motorräder Scrambler und Monster 797

Viele treue Verbandsmitglieder

Im internen Teil der Mitgliederversammlung stellte Wolfgang Prescher zunächst fest, dass sich der Arbeitsumfang in den Fahrschulen verbessert habe. „Anhand der Prüfzahlen haben wir gesehen, dass wieder mehr zu tun ist“, sagte er. Der Verband bekomme ständig Anfragen nach Fahrlehrern, um den Ausbildungsbedarf abzudecken.

Der Verband hat laut Prescher „einen stabilen Stand treuer Mitglieder“. Die Altersstruktur sei der anderer Bundesländer ähnlich: Die meistens Mitglieder sind zwischen 51 und 65 Jahre alt. „Wir müssen junge Kollegen für die Mitgliedschaft gewinnen“, forderte er.

Bei der Reform des Fahrlehrerrechts habe man „eine Menge Tiefschläge“ einstecken müssen, etwa der Wegfall der Tagesnachweises und der Zugangsvoraussetzungen A2 und C. „Ich kann nicht verstehen, dass auf der einen Seite Qualität in der Ausbildung gefordert wird, und auf der anderen Seite die Voraussetzungen heruntergeschraubt werden“, sagte der Vorsitzende.

Prescher kam auch auf Probleme bei der Vergabe von Prüfterminen im nördlichen Sachsen-Anhalt zu sprechen. Hier sei die Unterstützung durch die betroffenen Fahrschulen notwendig, um Lösungen zu finden. „Anonyme Stellungnahmen bringen nichts“, meinte er. Prescher erbat schriftliche Lösungsvorschläge an die Geschäftsstelle des Verbandes.

(tc)


Mitgliederversammlung Sachsen-Anhalt 2017

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