Zwei Drittel unzufrieden mit Gestaltung des Verkehrsraums in ihrer Kommune

03.02.2026 11:41 Uhr | Lesezeit: 5 min
Parkplatz für verschiedene Zweiräder
Gerade in Grossstädten gibt es Unzufriedenheit, was die Verkehrssituation angeht
© Foto: picture alliance / dpa | Matthias Balk

TÜV-Verband-Umfrage: Unzufriedenheit bei Großstädtern am größten. Befragte fordern Sanierung von Straßen und Wegen, Ausbau des ÖPNV und besseren Verkehrsfluss.

Berlin (ots) - Die große Mehrheit der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ist unzufrieden mit der Gestaltung des Verkehrsraums in ihrer Kommune. Insgesamt äußern sich fast zwei Drittel kritisch (64 Prozent): 34 Prozent sind "eher unzufrieden" und 30 Prozent "gar nicht zufrieden". Auf der anderen Seite sind 29 Prozent "eher zufrieden" und nur 7 Prozent geben an, "sehr zufrieden" zu sein. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Civey-Umfrage unter 2.500 Personen ab 18 Jahren im Auftrag des TÜV-Verbands. "Wenn Busse und Bahnen unpünktlich kommen, Radwege im Nirgendwo enden und Straßen voller Schlaglöcher sind, überrascht es nicht, dass viele Menschen mit der Infrastruktur vor Ort unzufrieden sind", sagt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband. "Ob in der Großstadt oder auf dem Land, die Erwartungen an sichere und funktionierende Verkehrswege sind hoch - und vielerorts wird dieser Anspruch nicht erfüllt."

Großstädter am unzufriedensten unter den Unzufriedenen

Die Unzufriedenheit ist in Metropolräumen mit "sehr hoher" Bevölkerungsdichte zwar am größten, zieht sich aber durch alle Regionen. In Städten mit mehr als 5.000 Einwohner:innen pro Quadratkilometer liegt die Unzufriedenheit bei 77 Prozent. "Großstädte sind die Laborräume der Verkehrswende", sagt Goebelt. "Umbauten, neue Verkehrsführungen und Baustellen sind allgegenwärtig. Und weil die Belastungen sofort wirken, die Verbesserungen aber erst später, entsteht bei vielen der Eindruck, dass ständig gebaut wird, aber nicht besser wird." Auch in "dicht" besiedelten Regionen mit 1.000 bis 5.000 Einwohner:innen je km² sind es 69 Prozent, in "mittel" besiedelten Gebieten (300-1.000 Einw./km²) 62 Prozent. In Gebieten mit "niedriger" Bevölkerungsdichte von 150 bis unter 300 Einwohner:innen pro Quadratkilometer liegt die Unzufriedenheit "nur" bei 59 Prozent, in sehr dünn besiedelten Regionen (weniger als 150 Einw./km2) bei 60 Prozent.

Verlässliche Infrastruktur vor neuen Projekten

Wenn es um eine sichere und stressfreie Mobilität geht, setzt die Bevölkerung klare Prioritäten: 42 Prozent der Befragten nennen die Sanierung und Erhaltung von Straßen und Wegen als wichtigste Maßnahme, gefolgt vom Ausbau eines verlässlichen öffentlichen Nahverkehrs (34 Prozent). Fast jede:r Dritte (30 Prozent) priorisiert den Ausbau von Parkmöglichkeiten und 27 Prozent optimierte Ampelsteuerungen für flüssigeren Verkehr. Eine bessere Anbindung ländlicher Räume steht für 25 Prozent der Befragten und der Ausbau der Radinfrastruktur für 21 Prozent weit oben auf der Agenda. Die Reduzierung von Durchgangsverkehr und eine klare Priorisierung von Bus und Bahn im Straßenraum werden von jeweils 15 Prozent als wichtig eingestuft. Verkehrsberuhigte Bereiche und Tempo-30-Zonen halten 14 Prozent und den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos halten 9 Prozent für geeignete Maßnahmen. "In vielen Kommunen fehlt es an Investitionsmitteln und Planungskapazitäten für eine moderne Verkehrsinfrastruktur", sagt Goebelt. "Der Verkehrsraum sollte so gestaltet werden, dass die Bedürfnisse unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer von Fußgängern über Autofahrer und Radfahrern bis zum Lieferverkehr berücksichtigt werden."

TÜV Award "New Mobility City" würdigt Engagement der Kommunen

Mit dem neuen TÜV Award "New Mobility City" macht der TÜV-Verband vorbildliche Projekte aus der kommunalen Mobilitätspolitik sichtbar. Ausgezeichnet werden Kommunen, die mit innovativen, datenbasierten Konzepten zu mehr Verkehrssicherheit, Lebensqualität und nachhaltiger Mobilität beitragen. Die Bewertung erfolgt auf Grundlage realer Mobilitäts- und Unfalldaten. "Wir wollen zeigen, dass es in ganz Deutschland Kommunen gibt, die klug, mutig und verantwortungsvoll vorangehen", sagt Goebelt. "Mit dem TÜV Award bringen wir diese Vorreiter in die öffentliche Wahrnehmung und fördern eine sachliche, faktenbasierte Debatte über die Mobilität der Zukunft." Der TÜV Award "New Mobility City" wurde vom TÜV-Verband gemeinsam mit der "Initiative für sichere Straßen" entwickelt. Die Nominierungen werden am 14. April 2026 bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet am 10. Juni 2026 im Rahmen der TÜV Mobility Conference in Berlin statt.


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