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Niedersachsen macht sich für BF 16 stark

Die Mitglieder des Fahrlehrerverbands Niedersachsen demonstrierten auf ihrer Mitgliederversammlung Geschlossenheit
© Foto: Constanze Meindl

BF 17 ist ein Erfolgsmodell. Um die Verkehrssicherheit weiter zu ­erhöhen, möchten die Fahrlehrer aus der Heimat des Begleiteten ­Fahrens einen Schritt weitergehen und das Alter auf 16 Jahre absenken.


Datum:
25.03.2014
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Immer weniger Verkehrstote, immer weniger verunglückte Fahranfänger. Im Laufe der 66. Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Niedersachsen war die positive Entwicklung der Unfallzahlen im Straßenverkehr immer wieder Thema. Im Mutterland des Begleiten Fahrens wurde ganz klar deutlich, was einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hat: das Erfolgsmodell BF17.

Die Niedersachsen wollen jedoch noch einen Schritt weiter gehen. Gleich zu Beginn der Veranstaltung berichtete der 1. Vorsitzende, Dieter Quentin, vom Vorschlag von Gerhard von Bressensdorf auf dem 51. Verkehrsgerichtstag in Goslar, über die Einführung von BF16 nachzudenken. „Wir hier in Niedersachsen würden gerne für einen Modellversuch zur Verfügung stehen“, unterstrich Quentin seine Unterstützung für den Vorstoß des Bundesvorsitzenden. Denn je länger die Begleitphase und damit der positive Einfluss der erfahrenen Fahrer auf die Anfänger ist, desto sicherer werden die Jugendlichen und mit der Fahrerfahrung sinkt die Unfallgefahr.

Lob für das Begleitete Fahren brachte auch Klaus-Dieter Scholz aus dem Rathaus Hannover mit: „BF17 hat sich bewährt und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Unfallverhütung“, sagte er in Vertretung des Oberbürgermeisters Stefan Schostock. Nahmen 2012 noch 1.060 junge Menschen am Programm teil, waren es im Jahr 2013 schon 1.114. „Tendenz steigend“, ergänzte Scholz.

Ein wichtiger Gast in Niedersachsen war auch dieses Jahr wieder Kirsten Lühmann, die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion – und sie sprach einige Themen an, die für die Fahrlehrerschaft von essenzieller Bedeutung sind. Brisant war etwa die Überarbeitung des Fahrlehrergesetzes. Sie wisse um die Problematik, dass Fahrlehrer der Klassen C, CE und D, deren Fahrerlaubnis aufgrund persönlicher oder bürokratischer Versäumnisse erloschen ist, auch Probleme mit ihrer Fahrlehrerlaubnis bekommen können. Denn erlischt die Fahrerlaubnis, ist auch die Fahrlehrerlaubnis futsch. Selbst, wenn die Fahrerlaubnis wieder erteilt wurde, bleibt die Fahrlehrerlaubnis außer Kraft. „Diese Erteilungslücke muss geschlossen werden“, forderte auch Quentin.

Ein Thema das der ehemaligen Polizistin Lühmann sehr am Herzen liegt, ist Alkohol im Straßenverkehr. Sie erzählte von Überlegungen, einen Alkomat einzuführen, der die Atemalkoholkonzentration misst und gegebenenfalls verhindert, dass das Auto gestartet wird. Anstatt Alkoholsündern den Führerschein wegzunehmen und so möglichweise ihren Arbeitsplatz zu gefährden, plädiert Lühmann für die alkoholbedingte Wegfahrsperre. Begleiten möchte sie diese Maßnahme mit der Verpflichtung, einen Kurs zu besuchen, in dem sich der Betroffene mit seinem Alkoholproblem auseinandersetzen muss – hier könnte die Fahrlehrerschaft als Partner in Frage kommen.

Als wichtiger Partnerin der niedersächsischen Fahrlehrer in Berlin gab Quentin Lühmann einige Anliegen mit in die Hauptstadt. Hierzu zählte unter anderem die Bitte, die schwammigen Aussagen, wann Fahrlehrer die Fahrerkarte nutzen müssen und wann nicht, zu konkretisieren. Es könne nicht sein, dass der kurze Weg zum Tanken auf dieser Karte festgehalten werden muss. Fahrlehrer sollten von der Pflicht freigestellt werden.

Auch die Überlegung, BF16 einzuführen, gab Quentin Lühmann mit nach Berlin. Diese stand dem Vorschlag zwar skeptisch gegenüber, Quentin leistete aber mit guten Argumenten Überzeugungsarbeit. Keine Verkehrssicherheitsmaßnahme wäre kostengünstiger und leichter umsetzbar – und der Beitrag zur Verkehrssicherheit sei ja überdeutlich zu erkennen.

Peter Eckert von der Volkswagen AG, informierte in seinem Grußwort über die neuesten Modelle und Entwicklungen aus der VW-Welt. Der Hersteller des beliebtesten Ausbildungsfahrzeugs, dem Golf, stellte beispielsweise jüngst seinen Golf GTE mit Plug-in Hybrid vor. „Damit ist Volkswagen der erste Hersteller, der in einer Baureihe alle Antriebsvarianten bieten kann“, sagte Eckart. Doch auf einen warten die Fahrlehrer derzeit ganz besonders: den Golf Sportsvan. Dieser komme im Mai in den Handel. Fahrlehrer müssten sich aber noch etwas gedulden: Die Doppelpedalerie werde frühestens ab Herbst verfügbar sein. Zu dieser Zeit werden noch drei weitere neue Modelle erwartet: der Scirocco, Touareg und Passat werden dann in einem neuen Look auf den Markt kommen.

Andreas Anft, Vorstandssprecher der Fahrlehrerversicherung berichtete unter anderem von einem Anstieg der Kundenzahl auf nunmehr 79.200 Versicherte. Damit stiegen die versicherten Risiken auf 327.000 an. Wenngleich die offiziellen Abschlusszahlen noch nicht verfügbar waren, rechnet Anft doch mit einem leichten Gewinn für das Jahr 2013.

Anft betonte, dass die Fahrlehrerversicherung nicht nur eine Gesellschaft ist, die ein maßgeschneidertes Angebot für den Berufsstand bietet, sondern auch eine, die den Fahrlehrern gehört – und zwar jedem einzelnen Versicherten. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG) fließen Gewinne nicht in die Taschen irgendwelcher Aktionäre, sondern verbleiben bei der Fahrlehrerversicherung und kommen so wieder den Versicherten zu Gute.

Rainer Cyganski vom TÜV Nord berichtete vom zunehmenden Problem der Manipulationsversuche bei der theoretischen Führerscheinprüfung. Zum einen hätte die Prüforganisation mit Passfälschern zu kämpfen – die Ausweise werden auf der Seite aufgeschnitten und das Bild überklebt. Hier spricht der TÜV von der „Stellvertreterprüfung“. Zum anderen kommt immer mehr Hightech beim Betrug zum Einsatz. Das Problem sei, dass dieses Vergehen polizeilich nicht verfolgt wird. Im Prinzip werde es behandelt, wie wenn bei einer Schulaufgabe betrogen wird. Hier fordern Cyganski und Quentin, dass diese Betrügereien vom Gesetzgeber geahndet werden, um das Problem einzudämmen.

Außerdem berichtete Cyganski, dass der TÜV Nord eine Studie in Auftrag gegeben hat, inwieweit die obligatorische Gefahrenbremsung Auswirkungen auf die Gesundheit der Prüfer hat. Die Ergebnisse könnten auch für die Fahrlehrerschaft interessant sein, da sie den Kräften, die bei der Gefahrbremsung auf den Körper wirken, häufiger ausgesetzt sind als die Prüfer.

Helga Worlitzsch vom niedersächsischen Innenministerium, lobte besonders die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Verband – dies sei nicht alltäglich. Quentin gab Worlitzsch mit, dass die Fahrlehrerschaft sich wünscht, dass die kommenden Fahreignungsseminare nicht extra überwacht, sondern innerhalb der normalen Regelüberwachung abgeprüft werden. Außerdem sprach er den Missstand an, dass IHK-Ausbildungsbetriebe, die teilweise nicht einmal über einen anständigen Schulungsraum verfügen, bei der Berufskraftfahrerqualifikation auf die gleiche Stufe wie die Fahrlehrerschaft gestellt werden.

Mit bayerischem Charme und der gewohnt offenen Art zog Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), die Fahrlehrer in seinen Bann. Unter der Überschrift „Fahrlehrer zwischen dem Druck ständiger Veränderung und den Auswirkungen des Demografischen Wandels“ zeigte der Bundesvorsitzende auf, welchen Veränderungen die Fahrlehrerschaft in den letzen Jahren ausgesetzt war: Von der x-ten Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung bis zur jüngsten VZR-Reform. Dazu kommt, dass die Kompetenzen der Fahrlehrschaft gerne von – vermeintlichen – Experten in Frage gestellt werden. Ziel dieser Angriffe ist für von Bressensdorf klar: die Laienausbilder wittern ihre Chancen.

Die Demografische Entwicklung wird sicherlich eine Herausforderung für die Fahrlehrerschaft sein: weniger Junge kommen nach – das gilt nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Fahrlehrern selbst. Daher sei es dringend notwendig, junge Menschen für den Beruf des Fahrlehrers zu begeistern.

Im internen Teil beschlossen die Mitglieder fast einstimmig eine moderate Anpassung der Mitgliedsbeiträge, um für die Anforderungen der Zukunft finanziell gut gerüstet zu sein. Beispielsweise zahlen Selbstständige Fahrlehrer ab 2015 zwei Euro mehr, Angestellte einen Euro.

Dieses Jahr standen bei den Niedersachsen der 2. Vorsitzende, Klaus Napierski, und der 3. Vorsitzende, Dietmar Bohlen, zur Wahl. Vor dem Wahlgang lobte Quentin die Zusammenarbeit mit seinen beiden Mitstreitern: „Einen Verband dieser Größe kann man nicht als ,One-Man-Show‘ gestalten.“ Weiter hob Quentin hervor: „Auf diese beiden kann ich mich 100-prozentig verlassen.“ Neben ihrer großen Erfahrung seien sie auch uneingeschränkt loyal – sowohl gegenüber ihrem Vorsitzenden als auch gegenüber dem Verband.

Napierski wurde ohne Gegenkandidat in seinem Amt bestätigt. Bohlen setzte sich in einer geheimen Wahl mit einer zwei Drittel Mehrheit gegen einen Mitbewerber durch.

Quentin sprach in seinem Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr eine Problematik an, mit der einige Verbände zu kämpfen haben: Nachwuchsprobleme. Das Durchschnittsalter bei den Niedersachsen liegt bei etwa 50 Jahren – was auch dem Durchschnittsalter der Fahrlehrerschaft in Deutschland entspricht. Hier ist jeder einzelne im Verband organisierte Fahrlehrer gefragt, bei seinen Kollegen für den Verband Werbung zu machen. „Denn“, das gab Quentin zu bedenken, „wir können nur eine strake berufsständische Vertretung sein und uns Gehör in Politik und anderen Institutionen verschaffen, wenn eine große Zahl von Fahrlehrern hinter uns steht.“

(cm)


Die Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Niedersachsen 2014

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