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Pfälzer bleiben in Bewegung

Die Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Pfalz lockte zahlreiche Mitglieder nach Maikammer
© Foto: Tatjana Fried

Beim Fahrlehrerverband Pfalz hat sich im letzten Jahr einiges getan. Die Mitglieder blicken auf ein Jahr voller Veränderungen zurück.


Datum:
08.04.2014
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Wenn der Frühling in den Weinbergen der Pfalz erwacht, findet in Maikammer die Mitgliederversammlung des Fahrlehreverbandes Pfalz statt. Bei strahlendem Sonnenschein blickte der Vorsitzende des Landesverbandes, Roland Semar, auf ein schönes Jahr zurück. Ein Jahr voller Veränderungen. „Als ich den Vorsitz vor einem Jahr übernahm, wusste ich nicht so recht, was auf mich zu kommt“, erinnerte sich Semar. Mittlerweile mache ihm die Arbeit großen Spaß. „Wir haben viel organisiert, umstrukturiert und manches wiederbelebt.“ Gemeint war insbesondere der Motorradtag des Verbandes, der sehr erfolgreich war und zu einem regen Informationsaustausch geführt hatte. Der nächste Motorradtag findet am 15. Juni 2014 statt.

Als besonderen Service hat der Verband im letzten Jahr einen Mitgliederausweis verteilt. Mit diesem können Mitglieder vergünstigt einkaufen und erhalten Ermäßigungen. Einige Firmen beteiligen sich bereits daran. Der Verband will im Jahr 2014 weitere Partner dazu gewinnen. Darüber hinaus wies Semar auf die überarbeitete Homepage seines Verbandes hin. Hier finden die Mitglieder auch viele Formulare, welche sie kostenlos runterladen können. „Ich würde mich freuen, wenn die Homepage rege genutzt würde.“

Neue Verbandssatzung sorgt für mehr Klarheit

Die größte Veränderung ist jedoch die Neufassung der Verbandssatzung, die von den Mitgliedern im internen Teil der Versammlung angenommen wurde. Neu ist unter anderem, dass durch Beschluss des Beirats auch Mitglieder aufgenommen werden können, die keine Fahrlehrerlaubnis haben, aber dem Berufsstand nahe stehen. Außerdem wurden einige Mitteilungspflichten der Mitglieder gegenüber dem Verband eingeführt, etwa bei Eröffnung oder Schließung eines Fahrschulbetriebes oder beim Berufswechsel. Weiterhin kann auf Antrag der Mitgliedsbeitrag nun auch halbjährlich entrichtet werden. Die gesamte Satzung steht auf der Homepage des Fahrlehrerverbandes Pfalz zur Einsichtnahme zur Verfügung.

Aktuelle rechtliche Entwicklungen 

Dr. Lothar Kaufmann, Abteilungsleiter im Ministerium des Inneren, für Sport und Infrastruktur Rheinland-Pfalz, betonte in seinem Referat, wie wichtig die Verkehrssicherheitsarbeit ist. Die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr hat in Rheinland-Pfalz im Jahr 2013 ihren historischen Tiefstwert erreicht. Dies sei nicht zuletzt auch der guten Ausbildung durch die Fahrlehrerschaft zu verdanken. Auffällig ist laut Kaufmann vor allem, dass auch die Zahl der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Fahranfänger zurück gegangen ist.

„Wir beobachten aber mit einiger Sorge, dass die Unfallzahlen am anderen Rand der Alterspyramide leider eine unerfreuliche Entwicklung nehmen“, gab der Regierungsvertreter zu bedenken. Denn ein Drittel aller Unfalltoten ist älter als 65 Jahre. Drei Viertel aller Unfälle mit Senioren ab 75 Jahren werden von diesen auch verursacht. In Zukunft sollte das Augenmerk also stärker auf diese Risikogruppe gerichtet und mehr Verkehrssicherheitsarbeit geleistet werden.

Darüber hinaus thematisierte Kaufmann die Reform des Verkehrszentralregisters, welche am 1. Mai 2014 in Kraft tritt, und fasste die wesentlichen Änderungen zusammen. Die für den Berufsstand wichtigste Neuerung ist, dass das neue Fahreignungsseminar nur noch freiwillig besucht werden kann. Daher ist noch ungewiss, wie hoch die Inanspruchnahme des Seminars tatsächlich sein wird. Obwohl die Prognose bezüglich der Teilnehmerzahlen für Fahrlehrer eher negativ ist, werden sich laut Semar die Seminarleiter in der Pfalz fast geschlossen zum FES-Seminarleiter Verkehrspädagogik umschulen lassen.

Schließlich ging Kaufmann in seinem Referat auch auf die geplante Novelle des Fahrlehrergesetzes ein. Diese habe sich deutlich verzögert. Zwar wurde bereits im Jahre 2011 ein Eckpunktepapier der Länder verabschiedet. Gefordert wurden unter anderem die Verbesserung der Kooperationsmöglichkeiten von Fahrschulen sowie der pädagogischen Kompetenzen der Fahrlehrer, die Einführung von Qualitätssicherungssystemen auf freiwilliger Basis und ein Bürokratieabbau. Die Umsetzung kam jedoch aufgrund der dritten EU-Führerscheinrichtlinie und der anschließenden Bundestagswahl zum Stillstand. Kaufmann wies jedoch darauf hin, dass wieder Bewegung in die Sache gekommen ist. Insbesondere gebe es inzwischen drei Arbeitsgruppen, die sich mit dem Thema befassen. Die Ergebnisse werden im Bund-Länder-Fachausschuss vorgestellt.

Peter Glowalla, 1. stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), steht einigen dieser Änderungen kritisch gegenüber. Vor allem die in immer kürzeren Abständen einlaufenden und sich zum Teil sogar selbst überholenden rechtlichen Änderungen machen vielen Fahrlehrern zu schaffen. Denn mit ihnen sind auch immer gravierende Auswirkungen auf Lehr- und Lernmaterialien verbunden. Diese produzieren häufig Kosten bei gleichbleibendem Umsatz.

Demografischer Wandel gibt Anlass zur Sorge

In seinem Referat stellte Glowalla fest, dass die demografische Entwicklung bereits heute sichtbare Folgen für den Berufsstand hat. „Die Schere eines Fahranfängers und dem Alter seines Fahrlehrers geht immer weiter auseinander.“ Der Anteil der älteren gegenüber den jüngeren Menschen steigt in Deutschland immer weiter an. Weniger Neugeborene bedeuten gleichzeitig weniger Fahrschüler, aber auch weniger neue Fahrlehrer.

Bauchschmerzen hat Glowalla insbesondere auch bei den neuen Fahreignungsseminaren. Obwohl der Fahrlehrerschaft durch die Freiwilligkeit der Teilnahme ein großer wirtschaftlicher Zweig wegbricht, habe sich die BVF von Anfang an mit größtem Engagement in die Arbeit der Entstehung dieser Seminare eingebracht. Unter anderem wurde ein Kursprogramm auf wissenschaftlicher Grundlage erstellt und Einführungsseminare für FES-Leiter durchgeführt.

Elektromobilität für mehr Nachhaltigkeit

Problematisch ist laut Glowalla außerdem die viel geforderte Elektroausbildung. Der Nachhaltigkeitsgedanke sei zwar zu begrüßen, allerdings verfügen Elektrofahrzeuge über ein Automatikgetriebe. Fahrschüler, die mit einem solchen Fahrzeug ihre Fahrausbildung machen, bekommen einen Automatikvermerk im Führerschein. Kaum ein Schüler möchte aber einen beschränkten Führerschein. Daher sind Elektrofahrzeuge in den Fahrschulen noch nicht angekommen. Glowalla regte deshalb an, den Automatikzusatz im Führerschein zu streichen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist auch in der Automobilindustrie ein Dauerbrenner. Daher entwickelte Hauptaussteller Audi das Effizienzprogramm „Ultra“, welches Fahrschulansprechpartner Bernd Nentwig vorstellte. Vor kurzem wurde außerdem der E-Gas betriebene Audi A3 g-tron auf dem Fahrzeugmarkt eingeführt. Dieser ist auch mit Fahrschulausstattung erhältlich.

Daneben wies Nentwig auf die Aktion „Wir starten mit Audi“ hin. Fahrlehrer erhalten hierbei eine Vermittlungsprämie von 200 Euro, wenn ihr Schützling bei Audi sein erstes Fahrzeug kauft. Die Fahrschüler erhalten eine Kaufhilfe von 1.500 Euro.

BF-17-Zahlen steigen

Winfred Zöbisch vom TÜV Pfalz stellte fest, dass die Anzahl der theoretischen und praktischen Prüfungen insgesamt rückläufig ist. Bemerkenswert sei aber die Zahl der BF 17-Prüfungen: diese machen in der Pfalz fast die Hälfte der Prüfungen in der Klasse B aus. Mit 78,1 Prozent in der Theorie- und 77,6 Prozent in der Praxisprüfung sind die Bestehensquoten bei BF 17-Kandidaten insgesamt höher, als bei „normalen“ Schülern der Klasse B.

Die Besonderheit in der Pfalz ist der zweimal jährlich stattfindende Qualitätszirkel. Dies ist eine Kommunikationsplattform bei der Mitarbeiter des TÜV und Fahrlehrer gemeinsam klassische und spezifische Probleme aus dem Tagesgeschäft diskutieren und Lösungen erarbeiten können.

Nicht alles Gute kommt von oben

Rolf Schrade, das neue Vorstandsmitglied bei der Fahrlehrerversicherung, fasste das letzte Geschäftsjahr zusammen.  Die Großschäden hielten sich hier glücklicherweise in Grenzen. Dafür gab es jedoch einige schwere Hagelstürme, die mit golfballgroßen Hagelkörnern Schäden in Millionenhöhe verursacht haben. Schrade sprach in diesem Zusammenhang von dem „größten Schadenereignis, das die Fahrlehrerversicherung je hatte“.

Darüber hinaus wies Schrade auf den Schutzbrief der Fahrlehrerversicherung hin. Diese Leistungserweiterung wird Mitte April 2014 eingeführt, der Beitrag bleibt unverändert. Versichert sind hierbei unter anderem Pkw im Privat- oder Fahrschulgebrauch, Krafträder, Leichtkrafträder und Anhänger. Wichtig ist dabei vor allem, dass anstelle der Tagespauschale ein Fahlschulfahrzeug angemietet werden kann. Die Kosten hierfür werden nach Vorlage der Rechnung erstattet, jedoch maximal 100 Euro pro Tag für längstens sieben Tage.

Fazit

Auch in diesem Jahr kommen große Veränderungen auf die Fahrlehrerschaft zu, etwa die bewegten Bilder in der Theorieprüfung oder das neue Fahreignungsseminar. Und obwohl die Prognosen hier eher negativ sind, warnte Glowalla davor, den Kopf frühzeitig in den Sand zu stecken. Denn Veränderungen können durchaus auch positives Potenzial haben. „Es gab in der Vergangenheit bereits einige Änderungen, die bei den Fahrlehrern zunächst auf wenig Gegenliebe gestoßen sind. Ich denke da zum Beispiel an das Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz,“ erinnerte sich der BVF-Mann. Dieses habe sich mit der Zeit jedoch als eine gute Sache herausgestellt. „Vielleicht geht es uns beim Fahreignungsseminar genauso“, fügte Semar abschließend hinzu. „Man muss nur offen für Veränderungen sein.“

(tf)


Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Pfalz

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