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Thüringen im Dialog

Stellten sich in der Diskussionsrunde den Fragen der Fahrlehrer: Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (Mikrofon), Rechtsanwalt Ulrich Hauk (l., Vortrag: Fahrschulen und social networks) und Dr. Hartmut Kerwien (2. v. l., Vortrag: Ältere Verkehrsteilnehmer – zwischen Normalität und Gefährdung) neben Gerd-Rüdiger Brandes (r.)
© Foto: Constanze Meindl

In Thüringen stand neben den klassischen Vorträgen auch eine Diskussionsrunde auf der Agenda, in der zahlreiche Fragen besprochen wurden.


Datum:
09.05.2014
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In Weimar-Legefeld trafen sich die Mitglieder des Fahrlehrerverbands Thüringen zu ihrer jährlichen Versammlung. Neu war diesmal, dass der Vorstand etwas von der üblichen Vorgehensweise abrückte  und neben den traditionellen Grußworten die Referenten zu einer Diskussionsrunde mit den Thüringischen Fahrlehrern einlud. Verkehrsminister Christian Carius, Peter Glowalla, 1. Stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Rechtsanwalt Ulrich Hauk und Diplom-Psychologe Dr. Hartmut Kerwien, stellten sich gerne den Fragen der Fahrlehrer.

Carius lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Verband und besonders den Erfolg des Mopedführerscheins mit 15 im Interesse der Verkehrssicherheit. Er erinnerte sich, dass der Vortrag von Gerd-Rüdiger Brandes, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Thüringen, bei der Mitgliederversammlung im Jahr 2012 ihn letztendlich davon überzeugt hatte, dass dieses Modellprojekt durchgeführt werden müsse.

Erfreut zeigte sich der Minister über die sinkenden Zahlen der Verkehrstoten auf Thüringens Straßen – im Besonderen bei den Fahranfängern: „Bei Unfällen unter Beteiligung von jugendlichen Fahrern ging im letzten Jahr die Zahl der Getöteten um 27,6 Prozent und die Anzahl der schwerverletzten Personen um 21,4 Prozent zurück“, zitierte Carius die Statistik. „Dies ist auch das Ergebnis der guten Ausbildung durch die Fahrlehrer in Thüringen. Deshalb werden wir die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Fahrlehrerverband im Verkehrssicherheitsrat fortsetzen“, betonte der Minister.

Dr. Dieter-Lebrecht Koch, Abgeordneter im Europäischen Parlament für die CDU/CSU-Fraktion und Mitglied des Ausschusses Verkehr und Fremdenverkehr, versprach, sich in Brüssel für die Belange der deutschen Fahrlehrerschaft einzusetzen. Brandes bat Koch, sich auf europäischer Ebene dafür starkzumachen, dass die Klasse AM aus der Klasse B herausgenommen und – wie die Klasse A1 – alternativ gestellt und nicht obligatorisch miterworben wird.

BVF-Mann Peter Glowalla zeigte den anwesenden Fahrlehrern nochmals auf, welchen Kraftakt die fachkompetente und qualitativ hochwertige Vorbereitung der Fahrlehrerschaft auf das Fahreignungsseminar (FES) bedeutete. Das Seminar sollte ursprünglich ohne die Beteiligung der Fahrlehrer abgehalten und nur von Psychologen durchgeführt werden. Außerdem war es nur einer Vorgriffsregelung zu verdanken, dass die Fahrlehrer pünktlich zum Start am 1. Mai 2014 den Kunden ein FES anbieten konnten.

Was Fahrlehrer in Sachen Internet zwingend beachten müssen, erfuhren sie von Rechtsanwalt Ulrich Hauk. Er wies nochmals explizit auf die Einhaltung der Impressumspflicht – auch bei Facebook – hin. „Unzählige Fahrschulen wären abmahnwürdig“, warnte der Experte. Er betonte, dass es empfehlenswert ist, soweit noch nicht geschehen, auf das neue Facebook-Layout umzustellen, da hier ein spezielles Feld für das Impressum vorgesehen ist – im alten jedoch nicht. Grundsätzlich sei auch eine Verlinkung auf das Impressum der Internetseite der Fahrschule möglich. Hier gälte aber die sogenannte Zwei-Klick-Regel: Nach spätestens zwei Klicks muss der Facebook-Nutzer das Impressum aufgerufen haben. Außerdem sei es nicht mehr notwendig, sich das Impressum von einem entsprechenden Anbieter kostenpflichtig zusammenstellen zu lassen. Im Internet gäbe es ausreichend kostenlose Impressums-Generatoren.

„Ältere Verkehrsteilnehmer – zwischen Normalität und Gefährdung“ war der Titel des Vortrags des Diplom-Psychologen Dr. Hartmut Kerwien. Er sprach über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Gesellschaft und bereite die Fahrlehrer darauf vor, dass sie sich auf eine zunehmend älter werdende Kundschaft einstellen sollten. Er beobachtet eine Zunahme des Motorisierungsgrades. Denn – im Gegensatz zur Nachkriegsgeneration – sind die Älteren heute mit dem Führerschein aufgewachsen und möchten ihre Mobilität solange wie möglich genießen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist aus Sicht Kerwiens, dass bei der Leistungsfähigkeit ein Ungleichgewicht zwischen Erfahrung und Fahrerfahrung herrscht. Zwar besitzen sie ihre Fahrerlaubnis schon seit einer langer Zeit, mit dem Alter geht aber die Nutzung des Automobils tendenziell zurück. Doch genau hier liegt eine Chance für Fahrlehrer: Moderne Fahrerassistenzsysteme sind bei der älteren Generation sehr beliebt, um nachlassende Fahrfähigkeiten und -fertigkeiten zu kompensieren. Diese Assistenten zielgruppengerecht am Fahrzeug des Kunden zu erklären, ist ein möglicher Geschäftszweig, dem sich Ausbilder öffnen sollten. Daneben sollten Auffrischungsfahrten schon bald zum Standard von Fahrschulen gehören. Doch eines müssten Fahrlehrer bei der älteren Zielgruppe bedenken: „Ältere Kraftfahrer sind keine Laufkundschaft“, warnte Kerwien. Sie würden nur in den seltensten Fällen in die Fahrschule kommen. Hier sind die Fahrlehrer gefragt, auf diese Zielgruppe zuzugehen und ihre Kompetenzen dort zu präsentieren, wo sich die ältere Generation trifft, beispielsweise in Vereinen. Bei der Ansprache sollten Fahrlehrer immer im Hinterkopf behalten: Sie müssen den älteren vermitteln, dass sie ein kompetenter Ansprechpartner sind, die ihnen nicht den Führerschein wegnehmen, sondern sie bei einer sicheren Mobilität unterstützen wollen.

Bernd Nentwig von Hauptaussteller Audi hatte alle Hände voll zu tun: An den mitgebrachten Fahrzeugen, unter anderem ein A 3 Sportback mit Fahrschulausstattung und ein erdgasbetriebener A 3 g-tron, beantwortete er zahlreiche Fragen zu Ausstattung, Motor und Fahrschulkonditionen. Außerdem hatte Nentwig ein tolles Angebot für Fahrschulen im Gepäck: Zusätzlich zu den 17 Prozent Nachlass, die Audi den Händlern empfiehlt, erlassen die Ingolstädter Fahrlehrern für die Audi A 3 Limousine weitere fünf Prozent bis Ende des Jahres.

Andreas Anft, Vorstandssprecher der Fahrlehrerversicherung, freute sich über die positive Entwicklung der Kundenzahlen beim Branchenversicherer. Mittlerweile schenken rund 79.200 Personen dem Stuttgarter Unternehmen ihr Vertrauen. Das Ergebnis für das Jahr 2013 unterstreicht dieses Vertrauen: Ein Jahresüberschuss von 0,4 Mio. Euro zeigt, dass die Fahrlehrerversicherung nicht mehr Beiträge von ihren Kunden einfordert, als wirklich nötig ist.

Die Prüforganisation Dekra wurde von Dr. Andreas Fuchs vertreten. Dieser bereitete die Fahrlehrer auf den Einsatz des elektronischen Prüfprotokolls vor, das schon bald in die Erprobungsphase geht. Hiermit könnten mehr Kompetenzen, aber auch Fehler und Mängel des Prüflings festgehalten und das Ergebnis noch qualifizierter dargestellt werden.

Anwesende Kreisvorsitzende berichteten über Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit dem Dekra. Beispielsweise müsste man über das übliche Maß hinaus auf Prüftermine warten, besonders bei Zweitprüfungen, und der Service gegenüber den Fahrlehrern lasse das Gefühl aufkommen, dass deren Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Brandes versicherte, dass der Verband im engen Dialog mit dem Dekra steht, die genannten Probleme bereits angegangen wurden und weitere Gespräche stattfinden werden.

Weiter berichtete Brandes von einem Rückgang der Fahrschulen in Thüringen: Von 755 Betriebsstätten – dazu zählen Haupt- und Zweigstellen – im Jahr 2012 waren 2013 nur noch 716 Fahrschulen geöffnet. „Doch jede Krise kann auch ihre positiven Aspekte haben“, betonte der Vorsitzende. Ein Weniger an Fahrschulen kann zur Gesundung der Fahrschul-Landschaft insgesamt beitragen. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis würde sich verbessern, der Konkurrenzdruck schwinden und eine positive Entwicklung bei den Preisen könne auch erwartet werden.

Lob gab es auch für den AM 15. Der Verband habe von Anfang an an den Erfolg des Modellprojekts geglaubt und die Prüfzahlen gäben ihm Recht: Seit Mai 2013 haben mehr als 1.100 Jugendliche die AM-15-Prüfung abgelegt, rund 240 mit 16 Jahren. 2012 waren es insgesamt 250 Prüfungen. Dennoch bremste Brandes die Euphorie etwas: am Gesamt-Portfolio macht der Mopedführerschein in Thüringen etwa ein Prozent aller Prüfungen aus. Schwerpunkt ist und bleibt die Klasse B.

Im internen Teil der Thüringer Versammlung standen dieses Jahr die Wahl des Vorsitzenden und seines 2. Stellvertreters an. Sowohl Brandes, als auch sein Kollege Uwe Paschke wurden mit einer Zweidrittelmehrheit in ihren Ämtern bestätigt.

(cm)


Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Thüringen

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