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Vom Fahrschüler zum Fan

Verbandsvorsitzender Friedel Thiele begrüßte die zahlreich angereisten Teilnehmer der Mitgliederversammlung
© Foto: Simone Eschenbach

In Werl kamen die Mitglieder des Fahrlehrer-Verbandes Westfalen zusammen, um sich über neueste Entwicklungen ihres Berufsstandes zu informieren.


Datum:
08.06.2015
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Ob Facebook oder Onlineportale zum Preisvergleich – die neuen Medien schaffen Transparenz und verschieben die Macht vom Anbieter zum „Nachfrager“. Dieser Realität werden sich Unternehmer und damit auch die Fahrschulen stellen müssen, betonte Guido Peternell im Rahmen seines Vortrags auf der westfälischen Mitgliederversammlung. Der Fahrlehrer und Seniorberater bei Inline Consulting aus Österreich möchte seine Zuhörer deshalb zum Umdenken anregen – beispielsweise mit einem Zitat des irischen Dramatikers George Bernard Shaw: „Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.“ Statt also immer nur auf Bewährtes zurückzugreifen sollten sich Fahrlehrer fragen, wo sie hin wollen, was sich ihre Kunden wünschen, wie man diese begeistern kann, und mehr noch: wie man sie zu Fans macht.

Warum Fans? Ganz einfach: Fahrschüler, denen mehr geboten wurde als „nur“ die Fahrausbildung, teilen dieses Erlebnis mit Freunden. Ein Fan sorgt für Mundpropaganda – und die ist viel wert. Doch wie wird denn nun ein Fan aus dem Fahrschüler? Peternell präsentierte dazu einige Positiv-Beispiele wie etwa die Segway-Tour der Fahrschule Walter in Idstein oder die Konzertbesuche der Fahrschule V3 in Offenburg. Mehrwert heißt das Stichwort. Und im besten Fall macht das Ganze auch noch Spaß – sowohl die Ausbildung als auch das Drumherum.

Ein starkes Fundament

Was der Fahrschüler natürlich nicht spüren soll: Hinter einer kompetenten Fahrausbildung, die Spaß macht und sichere Fahrer auf die Straße entlässt, steckt eine Menge Arbeit. Für die bestmöglichen Rahmenbedingungen setzen sich die Fahrlehrerverbände ein. Ein Thema, das dabei aktuell besonders im Fokus steht, ist die Reform des Fahrlehrerrechts. Einen Überblick zum aktuellen Zwischenstand gab Dieter Kettenbach, Ministerialrat im nordrheinwestfälischen Verkehrsministerium: „Das Ziel ist unverändert geblieben: Das Fahrlehrergesetz soll aufgrund hoher Bürokratiekosten entschlackt und die Fahrschulbranche dadurch wirtschaftlich entlastet werden.“ Als Eckpunkte in Sachen Fahrlehrerausbildung führte Kettenbach unter anderem auf: „ Die Ausbildung soll zukünftig etwa zwölf Monate betragen. Sie wurde damit von heute 700 auf rund 960 Stunden erhöht. […] Als Fahrerlaubnisvorbesitz wird künftig voraussichtlich die Fahrerlaubnis der Klasse BE ausreichend sein. Die Klassen A2 und CE sollen nicht mehr als Voraussetzung zum Fahrlehrerberuf zählen.“ Insbesondere letzteres wurde von den Teilnehmern der westfälischen Mitgliederversammlung sehr kritisch aufgenommen. Verbandsvorsitzender Friedel Thiele fasste den Unmut des Publikums in Worte: „Abschaffung der Klassen A und CE als Zugangsvoraussetzung – und das aus Kostengründen! Wer Zugangsvoraussetzungen dieser Art cancelt, macht sich zum Totengräber der professionellen Fahrausbildung in Deutschland. Das kann nicht sein! Von diesen Ergebnissen bin ich absolut enttäuscht.“

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist …

Neben der Fahrlehrerausbildung hatte Ministerialrat Kettenbach auch die Pläne zur Fahrschulüberwachung vorgestellt, die ebenfalls Teil der Fahrlehrerrechtsreform sein wird. Diese soll sich neben der Formalüberwachung bei Eröffnung einer Fahrschule künftig auf die pädagogisch-didaktische Ausbildungsqualität im Theorieunterricht und der fahrpraktischen Ausbildung beziehen. Der Fokus liegt also darauf, wie gut die Fahrschule die Wissensvermittlung gestaltet. Auch zu diesem Thema fand Thiele indes klare Worte in Richtung Gesetzgeber: „Wer am Anfang nicht in eine Ausbildung für den Berufsstand der Fahrlehrer investieren will, der hat jegliches Recht verloren, eine qualifizierte pädagogische Fahrschulüberwachung einzuführen. Wenn ich vorher nicht in die Ausbildung investiere, kann ich auch hinterher keine besonders guten Ergebnisse erwarten.“

Einsatz für die Fahrlehrer

Die Reform des Fahrlehrerrechts ist nur ein Thema von vielen, für das sich der westfälische Fahrlehrer-Verband einsetzt. So warb Thiele beispielsweise für die Kameradschaftshilfe, die Hinterbliebene von verstorbenen Verbandsmitgliedern finanziell unterstützt. Er berichtete außerdem von den vielfältigen Aktivitäten des Vorstands, darunter etwa die Teilnahme an der Beiratssitzung Fahrschulüberwachung Nordrhein-Westfalen, am Fachaustausch zum Fahreignungsseminar mit dem TÜV Nord oder dem Verkehrsgerichtstag in Goslar. Darüber hinaus gab es eine personelle Änderung: Am 1. Januar 2015 wurde Michael Echelmeyer als zweiter stellvertretender Vorsitzender in den geschäftsführenden Vorstand bestellt und durch die Mitgliederversammlung einstimmig im Amt bestätigt.
Veränderungen gab es auch bei den Mitgliederzahlen, allerdings nur in geringem Maß: Von 1.716 Mitgliedern im Mai 2014 ging es auf 1.713 im Mai 2015 zurück. Austritte waren lediglich durch Berufsaufgabe oder die wirtschaftliche Situation begründet. Unzufriedenheit wurde nicht als Grund genannt.

Überzeugende Zahlen präsentierte im internen Teil der westfälischen Mitgliederversammlung auch Rolf Schrade, Vorstandsmitglied der Fahrlehrerversicherung. So stieg im Geschäftsjahr 2014 die Zahl der Kunden auf rund 79.650 an. Der Jahresüberschuss beträgt voraussichtlich nicht mehr als 0,4 Millionen Euro. Damit liegen die Beiträge also recht genau auf Höhe des tatsächlichen Bedarfs für die Regulierung der Schäden.

Mit den Ergebnissen zufrieden dürften darüber hinaus die privatversicherten Fahrlehrer sein, die die Dienstleistungen von Minerva Kundenrechte in Anspruch genommen haben. Als Verbandsmitglied haben Fahrlehrer die Möglichkeit durch die Minerva-Versicherungsexperten prüfen zu lassen, ob sich ein Wechsel des Vertrags bei gleichbleibenden oder verbesserten Konditionen finanziell auszahlen könnte. 48 Fahrlehrer haben bislang davon Gebrauch gemacht. Dabei wurden pro Fahrlehrer im Schnitt jährliche Ersparnisse von 3.292 Euro erzielt, der Höchstwert lag bei 9.355 Euro.

Blick voraus

Das gesparte Geld ließe sich beispielsweise direkt in die Anzahlung für ein neues Fahrschulfahrzeug investieren. Einige Vorschläge hatte Bernd Nentwig zu bieten. Der Audi Fahrschulansprechpartner präsentierte die aktuelle Modellpalette des Hauptsponsors, beispielsweise mit dem überarbeiteten Audi Q3 und dem neuen Audi A4. Einen technischen Ausblick gab darüber hinaus auch Peter Glowalla. Der erste stellvertetende BVF-Vorsitzende betonte die Rolle der Fahrausbildung bei der korrekten Nutzung von Assistenzsystemen: „Als Berta Benz nach Pforzheim gefahren ist, hat sicherlich noch kein Mensch daran gedacht, was aus diesem motorisierten Gefährt wird. Wir sprechen heute schon vom autonomen Fahren – und das ist näher als wir denken. In der Golf-Klasse haben wir aktuell schon rund 45 Fahrerassistenzsysteme; davon dienen allein 28 nur der Sicherheit. Und diese Systeme sind ganz schwer auszubilden – sie sollten sorgfältig geschult werden, damit die künftigen Fahrer sie richtig anwenden können.“
Glowalla hatte außerdem Antworten auf die vielen Fragen der Fahrlehrerschaft zum elektronischen Prüfprotokoll im Gepäck: Dieses soll die praktische Fahrerlaubnisprüfung mittels festgelegter Fahraufgaben und Beobachtungskategorien transparenter gestalten. Die Entscheidung, ob die Prüfung bestanden wurde, trifft dabei weiterhin der Prüfer, nicht die Technik.

Einen Ausblick auf künftige Themen der TÜV Nord Mobilität GmbH bot Rainer Cyganski, Leiter der technischen Prüfstelle. So sei es eine wachsende Herausforderung, mit immer mehr Führerscheinanwärtern umzugehen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. In diesem Zusammenhang regte Cyganski beispielsweise an, vor der theoretischen Prüfung einen Sprachtest durchzuführen. Einen Dolmetscher lehne er ab: „Eine Dolmetscherprüfung prüft den Dolmetscher und nicht den Probanden.“ Es müssten Lösungen gefunden werden, die deutschsprachige Prüflinge nicht benachteiligen.

(se)


Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbands Westfalen 2015

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