ADAC drängt auf Führerscheinreform im ersten Halbjahr 2026

08.01.2026 11:32 Uhr | Lesezeit: 3 min
ADAC
Der ADAC befürwortet eine schnelle Umsetzung der Reformpläne von Minister Schnieder
© Foto: ADAC

Wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet, ist der ADAC der Meinung, dass die von Verkehrsminister Schnieder geplante Reform der Fahrschulausbildung schneller umgesetzt werden müsse - und das sogar noch im ersten Halbjahr des neuen Jahres.

In einem Online-Artikel spricht sich ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand dafür aus, dass die Pläne von Verkehrsminister Schnieder schnellstmöglich umgesetzt werden und dass dabei nicht zurückgerudert werden sollte.

Konkret meinte Hillebrand dazu: "Ich hoffe, Herr Schnieder steht den Gesetzgebungsprozess so durch, dass nicht alles im Rahmen der Lobbyarbeit durch Fahrlehrer und andere wieder abgeknabbert wird“. Im Beitrag geht Hillebrand auch auf die Reduktion der Prüfungsdauer und der Prüfungsfragen sowie die Digitalisierung des Theorieunterrichtes ein. Den ganzen Artikel finden Sie auf der Webseite der NOZ

In einem Artikel im Handelsblatt beteuerte Minister Schnieder allerdings, dass es auch bei reibungslosem Ablauf bis 2027 dauern würde, bis ein die Änderungen in Kraft treten könnten. Noch dazu bestehen erhebliche Bedenken seitens der Fahrschulbranche und deren Vertretern, wie auch der MOVING International Safety Association. Bei der im März anstehenden Verkehrsministerkonferenz sollen die nächsten Schritte ausgearbeitet werden.

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KOMMENTARE

Daniel Pitesa

09.01.2026 - 13:41 Uhr

Nachfolgend eine sachliche, aber klare Analyse der Aussagen des ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand sowie eine kritische Einordnung seiner fachlichen Kompetenz und Argumentationslinie. 1. Ausgangslage und Rollenverständnis Der ADAC positioniert sich in der Debatte als Interessenvertreter der Verbraucher. Das ist legitim. Problematisch wird es jedoch dort, wo der ADAC pädagogische, prüfungsfachliche und verkehrssicherheitsrelevante Bewertungen vornimmt, ohne dafür institutionell oder fachlich zuständig zu sein. Herr Hillebrand ist kein Fahrlehrer, kein Prüfer, kein Verkehrspsychologe und kein Ausbildungsforscher. Seine Expertise liegt primär im verkehrspolitischen Lobbyismus, nicht in der Qualitätssicherung der Fahrerlaubnisausbildung. 2. Verkürzung der Praxisprüfung: fachlich nicht haltbar Die zentrale Aussage: „Ob der Prüfling fit ist, lässt sich schon in den ersten zwei Minuten einschätzen.“ Diese Aussage ist fachlich unhaltbar und offenbart ein fundamentales Missverständnis über Sinn und Struktur einer praktischen Fahrerlaubnisprüfung. Warum diese Aussage problematisch ist: Eine Fahrprüfung dient nicht der Momentaufnahme, sondern der Beurteilung stabiler Fahrkompetenz Entscheidende Fahrsituationen (Autobahn, Kreuzungen, Gefahrenbremsung, komplexe Verkehrsführung) treten nicht planbar in den ersten Minuten auf Prüfungsreife zeigt sich gerade in Stresssituationen, Ermüdung und Entscheidungsdichte, nicht im Anfahren vom TÜV-Gelände Die Aussage degradiert die Prüfung zu einer reinen Bauchentscheidung – exakt das Gegenteil dessen, was eine standardisierte, rechtssichere und faire Prüfung sein muss. 3. 25 Minuten Praxisprüfung: politisch attraktiv, fachlich riskant Die Forderung, die Mindestdauer von 45 auf 25 Minuten zu senken, ignoriert: internationale Vergleichsstudien zur Fahranfängersicherheit die steigende Komplexität moderner Verkehrssysteme Assistenzsysteme, deren richtige Nutzung und Fehlinterpretation geprüft werden müssen die Tatsache, dass heutige Prüflinge weniger reale Fahrpraxis haben als frühere Generationen Die Verkürzung dient primär: der Kostenargumentation der Entlastung der Prüfstellen der politischen Symbolik Sie dient nicht nachweislich der Verkehrssicherheit. 4. Pauschale Schuldzuweisung an Fahrlehrer: unsachlich und delegitimierend Hillebrands Warnung vor einer „Verwässerung durch Lobbyarbeit der Fahrlehrer“ ist bemerkenswert, weil sie: einen gesamten Berufsstand pauschal diskreditiert Fahrschulen als Kostenverursacher darstellt, nicht als Ausbildungsinstitutionen verschweigt, dass Fahrschulen keine Preise diktieren, sondern: steigende Energie-, Fahrzeug-, Versicherungs- und Personalkosten tragen immer mehr gesetzliche Anforderungen erfüllen müssen Diese Rhetorik ist populistisch, nicht lösungsorientiert. 5. Fehlende Differenzierung zwischen Kosten und Ursachen Der ADAC spricht von „fast 4000 Euro“ Führerscheinkosten, benennt aber nicht sauber: steigende TÜV-Gebühren verlängerte Wartezeiten → mehr Übungsstunden höhere Durchfallquoten aufgrund komplexerer Prüfungsanforderungen Inflation und Fachkräftemangel Stattdessen wird suggeriert, die Lösung liege in: kürzer prüfen = billiger = besser Das ist ökonomisch verkürzt und verkehrspolitisch gefährlich. 6. Kompetenzfrage: Wo endet die Zuständigkeit des ADAC? Der ADAC ist: Interessenvertretung von Autofahrern Mobilitätsdienstleister politischer Akteur Der ADAC ist keine Ausbildungsaufsicht und kein pädagogisches Fachgremium. Wenn sein Verkehrspräsident öffentlich erklärt, man erkenne Fahreignung „in zwei Minuten“, verlässt er den Bereich seriöser Interessenvertretung und betritt den Bereich unbelegter Meinungspolitik. 7. Fazit Die Aussagen von Gerhard Hillebrand sind: politisch zugespitzt fachlich unterkomplex pädagogisch nicht fundiert rhetorisch zulasten der Fahrschulen verzerrt Der ADAC leistet damit keinen konstruktiven Beitrag zur Reform der Fahrerlaubnisausbildung, sondern reduziert ein komplexes System auf Kosten- und Zeitargumente, ohne Verantwortung für die langfristigen Folgen zu übernehmen. Eine Führerscheinreform braucht Sachlichkeit, Daten und Fachkompetenz – keine Zwei-Minuten-Thesen.


Gunter Erbes

09.01.2026 - 16:31 Uhr

Ist es überhaupt noch möglich gemeinsam mit dem ADAC neue Mitglieder zu gewinnen ? Wenn diese "Partnerschaft " eine Einbahnstraße wird müssen wir überdenken Vertreter des ADAC unsere Räume zu öffnen und ihnen gestatten unseren Kunden Ihr Produkt anzubieten. Was halten andere Fahrschulen von dieser Meinung des ADAC Verkehrspräsidenten ?


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