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Fahrlehrerkongress 2021: Digitale Transformation - von analog zu digital und wieder zurück?

Gerald Lembke fand in Berlin klare Worte zur Digitalisierung
© Foto: Marco Urban

Als ausgewiesener Fachmann im Bereich digitale Medien sprach Prof. Dr. Gerald Lembke über Chancen aber auch Grenzen der Digitalisierung und machte damit den Auftakt der Referenten auf dem Fahrlehrerkongress in Berlin.


Datum:
12.11.2021
Autor:
Bastian Hambalgo
Lesezeit: 
5 min
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Prof. Dr. Gerald Lembke ist kein Mensch, der lange um den heißen Brei herumredet. Diesen Eindruck gewann man bei seinem Vortrag auf dem 8. Deutschen Fahrlehrerkongress bereits nach wenigen Minuten. Mit den Worten „Ich beneide Sie nicht“ richtete er das Wort direkt an die Fahrlehrer und leitete seine Rede über Digitalisierung (und was diese Entwicklung mit jungen Menschen macht) ein. „Denn“, fuhr Lembke fort, „junge Menschen sind komisch.“ Aus seiner täglichen Arbeit an der Universität wisse er, wovon er rede. Egal ob an der Hochschule, auf der Autobahn oder in der eigenen Familie stelle Lembke fest, dass vor allem die Zuwendung zu digitalen Medien einen Rückgang der motorischen, als auch sozialen Kompetenzen junger Menschen bedinge.

Kritischer Blick auf Digitalisierung

Für Lembke ist genau das ein großes Problem, das auch die Fahrausbildung betreffe. Denn er findet, „Fahren ist eine soziale Fähigkeit, ein sozialer Prozess“ und deutlich schwieriger als der Umgang mit dem Smartphone. Dementsprechend wichtig sei es, jungen Menschen soziale Kompetenzen zu vermitteln. Gerade dieser Punkt leide aber unter der zunehmenden Digitalisierung der Ausbildung besonders. Lembke appellierte, Defiziten im sozialen Verhalten der jungen Generation entgegenzuwirken. Dies ginge beispielsweise, in dem man seinen Fahrschülern Verständnis für Defizite beibringe und vermittelt, warum Ausbildungsinhalte wichtig sind. Ein reines „das muss sein“ genüge bei jungen Menschen nicht. „Wir müssen die jungen Menschen in ihren Lebenswelten abholen – und die sind mitunter deutlich anders als unsere.“

Relevanz der Digitalisierung

Trotz seines differenzierten Blickes auf die Digitalisierung bestätigte Lembke, dass diese Entwicklung ein Treiber in der Wirtschaft sein. Durch Automatisierung streben Unternehmen nach Produktions- und dadurch Umsatzsteigerungen. Das ergebe, wenn man es nicht übertreibe, auch Chancen für Fahrschulen. Vor allem dann, wenn man sich frühzeitig mit dem Trend befasse und die „First Mover“-Effekte für sich nutzen kann. Denn wer früher mit der Digitalisierung beginne, profitiere mittelfristig deutlich stärker davon. Auch sei die Digitalisierung aus dem Bildungswesen nicht mehr wegzudenken. Durch die Aufhebung der Trennung von Vorbereitung und Prüfung fühlen sich viele junge Menschen im Studium angesprochen und in ihrer Sichtweise ernstgenommen.

Eine Welt ohne Fahrlehrer?

Auch das Thema „autonomes Fahren“ spielte in Lembkes Vortrag eine Rolle. Er könne sich eine vollautomatisierte Welt, in der man sich beispielsweise vollautonom zur Arbeit fahren lasse, zwar vorstellen, betrachtet das aber als nicht erstrebenswert. Dies überfordere die Menschen und führt zu Verwirrung. Deshalb sieht er nicht die Gefahr, dass Fahrlehrer bald durch Maschinen ersetzt werden. Die digitalen Entwicklungen fasste Lembke mit dem Satz „Soft skills sind die neuen hard skills“ zusammen und meint damit, dass Faktenwissen nicht mehr ganz so wichtig wie früher sei. Aus seiner Sicht seien die wichtigsten „soft skills“ das kritische Denken, die Empathie und die Fähigkeit, richtige Entscheidungen in kurzer Zeit treffen zu können. Der Schlüssel, diese Fähigkeiten zu erreichen, liege unter anderem in der Fokussierung. Am Ende seines Vortrags betonte Lembke, dass der Mensch bei allen Entwicklungen im Fokus stehen muss. „Das Digitale darf das Soziale und das Humane nicht verdrängen.“

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