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Mitgliederversammlung Sachsen: Besonderes Engagement

Zahlreiche Mitglieder und Gäste waren der Einladung nach Höckendorf gefolgt
© Foto: Bastian Hambalgo

Mit der zweiten Präsenz-Versammlung in Folge feierte der Landesverband Sächsischer Fahrlehrer die Rückkehr zur Normalität und präsentierte sich durch die Nähe zur Politik als starke Kraft für den gesamten Berufsstand.


Datum:
22.12.2022
Autor:
Bastian Hambalgo
Lesezeit:
9 min
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War letztes Jahr noch der Sachsenring Austragungsort für die Mitgliederversammlung des Verbands Sächsischer Fahrlehrer, begrüßte der Vorstand um den Vorsitzenden Andreas Grünewald dieses Mal rund 90 Personen im Hotel „Zum Erbgericht“ in Höckendorf, südlich von Dresden. Neben den Mitgliedern folgten auch wieder zahlreiche Gäste dem Ruf nach Sachsen, unter Ihnen namhafte Vertreter aus der Bundes- und Landespolitik.

Auch die Industrie war in Form von Peter Pernat, Gebietsleiter Verkauf an Sonderabnehmer Fahrschule der Audi AG, bei der Versammlung vertreten und ließ es sich nicht nehmen, die Anwesenden zu begrüßen. Er schilderte die derzeitige, schwierige Lage der Automobilindustrie und bat die Fahrschulen trotz langer Lieferzeiten (beim Q4 seien es derzeit anderthalb Jahre) und Preissteigerungen um einen Ausbau der Zusammenarbeit. Die Tatsache, dass Fahrschulumbauten bei Audi weiterhin ab Werk verfügbar sind, sei aus Pernats Sicht ein klares Zeichen dafür, dass Audi den starken Willen hat, den Berufsstand als Zielgruppe zu bewahren.

Politik in Sachsen

Nach den Grußworten aus der Industrie zeigte sich, welch gute Verbindungen der Verband Sachsen in die Politik hat. Das betonte auch Conrad Clemens, Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund. Der enge Kontakt nach Berlin habe vor allem in den heißen Corona-Phasen dafür gesorgt, dass die sächsischen Fahrschulen früher wieder aktiv werden konnten als viele andere. Er unterstrich die enge und produktive Zusammenarbeit mit dem Team um Andreas Grünewald. Anschließend fand er mahnende Worte für die aktuelle Politik der Ampelkoalition, die aus seiner Sicht die Verkehrsplanung im ländlichen Raum komplett vernachlässige. Zudem richtete er auch deutliche Worte in Richtung der TPn und sprach davon, dass gerade bei dieser „Monopolstellung“ die Performance besser werden müsse.

Ein Thema, das auch dem nächsten Gast aus der Politik, Torsten Herbst, am Herzen lag. In seiner Funktion als Obmann im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur im Bundestag gab Herbst zuerst einen Ausblick auf die Zukunft der individuellen Mobilität und bekräftigte die Bedeutung des Berufsstandes. Schließlich, so Herbst, werde das Auto „das Rückgrat der Mobilität bleiben“. Deshalb sei es unabdingbar, die Engpässe bei den Technischen Prüfstellen zu beseitigen. Der FDP-Politiker unterstrich die Wichtigkeit, Unternehmer wie Fahrschulen gerade in der aktuellen Energiekrise zu stärken. Denn nur mit funktionierenden Unternehmen im Berufsstand der Fahrschulen könne das Ziel, keine Unfälle und keine Verkehrstoten mehr auf deutschen Straßen zu haben, erreicht werden.

Im Anschluss gab Dr. Georg Freytag, Referent im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, einen Ausblick auf die Entwicklung im Freistaat Sachsen. Hierbei sprach er die zunehmende Digitalisierung und vor allem deren Grenzen an. Für die Verkehrssicherheit sei es nach Freytags Meinung immens wichtig, den klassischen Präsenzunterricht fortzuführen und sich einer „Zentralisierung“ der Ausbildung im virtuellen Raum entgegenzustellen. Er lobte OFSA II und den damit verbundenen Versuch, Vor- und Nachteile von digital und Präsenz zu kombinieren, gab aber auch zu bedenken, dass es bei der Umsetzung auch Probleme geben könnte. Am Ende seines Grußwortes beleuchtete Freytag noch die steigenden Durchfallquoten in Sachsen und sprach die Hoffnung aus, dass die Sorgfalt ein ständiger Begleiter in der Ausbildung bleibe.

Zusammenhalt gefordert

Zum Beginn seines Grußwortes ging Mathias Rüdel, Geschäftsführer der „TÜV I DEKRA arge tp 21“ auf die Aussagen seiner Vorredner ein und betonte die Bemühungen der TPs, die Wartezeiten zu verkürzen und wieder auf das Niveau zu bringen, das auch vor der Pandemie Alltag war. Rüdel bat Fahrlehrerschaft und Politik um ein konstruktives Miteinander, diese Probleme zu beseitigen. Die „TÜV I DEKRA arge tp 21“ bemühe sich, die Entwicklung der Ausbildung und Prüfung im Namen der Verkehrssicherheit voranzutreiben und verwies in puncto Nichtbestehensquoten auf die positiven Zahlen im Nutzfahrzeug- und Motorradbereich. Um in allen Bereichen den Auszubildenden eine bessere Rückmeldung geben zu können, wies Rüdel auf ein neues Portal hin, das unter anderem über einen QR-Code auf dem Prüfprotokoll erreichbar sei und einen Überblick geben könne, was der Prüfling bereits gut beherrsche und welche Bereiche noch ausbaufähig seien. Zum Abschluss verwies Rüdel auf das deutlich gesunkene Unfallrisiko der 18- bis 20-Jährigen.

Für die Technischen Prüfstellen reiste wie im letzten Jahr Thomas Riedel von der DEKRA an und gab vor allem seine Sicht zum Thema Prüfplätze wieder. In Sachsen sei die Anzahl der Theoretischen Fahrerlaubnisprüfungen wieder auf dem Vor-Corona-Stand aus dem Jahr 2019, bei den praktischen Prüfungen gab es sogar einen Zuwachs. Und das, so betonte Riedel, trotz der verlängerten Prüfzeit durch OPFEP. Natürlich gebe es laut Riedel einige regionale Brennpunkte in Sachen Prüfplatzknappheit, beispielsweise Berlin oder Regionen in Mecklenburg-Vorpommern. Wie sein Vorredner betonte Riedel aber das Miteinander der Fahrlehrerschaft mit der DEKRA und zeigte sich über die weitestgehend positive Partnerschaft erfreut.

Unruhige Zeiten

Für die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände reiste der Vorsitzende, Jürgen Kopp, nach Höckendorf um über die „Fahrausbildung in herausfordernden Zeiten“ zu sprechen. Und leider gibt es derzeit viele Dinge, die auch dem Berufsstand Sorgen bereiten. Angefangen bei der Abhängigkeit von chinesischen Produkten und Rohstoffen über die steigenden Energiekosten bis hin zum Krieg in der Ukraine. Immerhin, so konstatierte Kopp, sei der Berufsstand in Sachen Corona „mit einem blauen Auge“ davongekommen. Und beim Dauerthema Prüfplatzknappheit sei man bis auf ein paar Brennpunkte auf einem guten Weg. Auch das zweite große Thema der letzten Jahre, die Digitalisierung der Fahrausbildung, sprach Kopp an und betonte, dass der Verband nicht gegen eine Digitalisierung sei. Vielmehr komme es darauf an, diese aufgrund der Wichtigkeit der Ausbildung nach wissenschaftlichen Erkenntnissen durchzuführen. Denn, so Kopp: „Wir haben einen Auftrag der Eltern und müssen die Ausbildung so gestalten, dass die Kinder immer sicher nach Hause kommen.“ Welch große Rolle hierbei vor allem der Präsenzunterricht spielt, demonstrierte er anhand einer aktuellen MOVING-Umfrage in der sich 95 Prozent der Befragten für einen Präsenzunterricht aussprachen, die nach Meinung der Fahrlehrerschaft eine deutlich höhere Nachhaltigkeit verspreche. Zum Abschluss schwor Kopp die Mitglieder auf schwierige und spannende Zeiten ein und betonte, dass der Berufsstand der Fahrlehrer immer noch wichtig sei und dies auch in Zukunft sein werde.

Den Abschluss des offiziellen Teils übernahm Stefan Kottwitz, Vorstandsmitglied der Fahrlehrerversicherung, mit seinem Beitrag zum aktuellen Stand der Fahrlehrerversicherung. Kottwitz richtete sich an die Mitglieder und bekräftigte, dass eine Versicherung "Sicherheit in unsicheren Zeiten" bringen müsse. Die Corona-Maßnahmen der Fahrlehrerversicherung seien hierfür ebenso ein Beispiel wie die ausbleibende Prämienerhöhung zum 01.01.2023. "Die Fahrlehrerversicherung will für Fahrschulen da sein" fasste Kottwitz die Unternehmensstrategie zusammen. Nach einem kurzen Gedenken an den kürzlich verstorbenen Michael Schaft, Direktionsbeauftragter für Thüringen und Sachsen, versprach Kottwitz weiterhin für die Fahrlehrerschaft vor Ort da zu sein. Neben dem neuen, dreigliedrigen Pkw-Tarif bietet die Fahrlehrerversicherung zudem eine neue Unfallversicherung an, die ebenfalls in den drei Varianten Basis, Komfort und Premium verfügbar sei.

Geschlossenheit und Forderung an DEKRA

Im internen Teil der Mitgliederversammlung stand nach dem ehrenden Gedenken der Verstorbenen und der Ehrung der zahlreichen Jubilare der Bericht des Geschäftsführenden Vorstandes an. Im Vortrag von Andreas Grünewald wurde deutlich, wie viel Engagement der Verband in der Vertretung des Berufsstandes steckt. Neben regelmäßig stattfindenden virtuellen Angeboten standen 2022 zahlreiche weitere Dinge auf der Tagesordnung: Von der Motorrad-Tour über Regionaltagungen bei der Dekra bis hin zur aktiven Teilnahme am Verkehrsgerichtstag in Goslar. Auch die Aus- und Weiterbildung des Berufsstands stand 2022 in Sachsen im Fokus. Grünewald plädierte dafür, das Verbandsleben nach Ende der Corona-Maßnahmen wieder zu reaktivieren und Treffen auf allen Ebenen wieder regelmäßig durchzuführen. Nur so können die Informationen des Verbands wirklich zuverlässig an die inzwischen 400 Mitglieder weitergereicht werden. Im Ausblick auf das kommende Jahr betonte Grünewald die Verbesserung des Angebots zur Bereitstellung von Prüfplätzen, die Forderung, dass DEKRA die Fahrschulen über Terminverschiebungen von Prüfterminen persönlich anfragen muss und diese Veränderungen nicht nur im DEKRA FS-Portal oder per E-Mail mitzuteilen, das weitreichende Fortbildungsangebot, ein neues Mitgliederverwaltungsprogramm samt App sowie den Arbeitskreis „Fahrerassistenzsystem“ der BVF.  Nach dem Kassenbericht und der Entlastung des Vorstands, stand eine außerordentliche Wahl auf dem Programm. Der Platz im Vorstand des verstorbenen, langjährigen Mitglieds Uwe Müller musste nachbesetzt werden. Einziger und per Akklamation bestätigter Kandidat war Falko Schurig, der damit neuer 2. Stellvertretender Vorsitzender ist.

Die Praxis im Blick

Wie im letzten Jahr fanden im Rahmen der Mitgliederversammlung am Tag nach der eigentlichen Veranstaltung wieder Workshops zum Thema Verzahnung der Theorie- und Praxisausbildung sowie Fahrerassistenzsysteme in Ausbildung und Prüfung statt. Die anwesenden Kolleginnen und Kollegen wurden hier mit der Möglichkeit vertraut gemacht, in Form einer VR Brille praktische Ausbildungsbestandteile bereits in den Präsenz-Theorieunterricht einzubinden. Bei dem Thema Fahrerassistenzsysteme ging es vorrangig um das neue Datenblatt FAS, welches ab dem 01.04.2023 gültig ist. Bei dem Praxisteil wurden dann die Fahrerassistenzsysteme „erfahren“, hier der relativ neue Aktive Spurwechselassistent beim neuen Volkswagen ID.4.


Mitgliederversammlung Sachsen 2022

Bildergalerie

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