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Ladesäulencheck 2024: Unterwegs laden ist teurer als Tanken

02.05.2024 10:43 Uhr | Lesezeit: 6 min
Ladesäule
© Foto: Jan Woitas/ZB/picture alliance

Das E-Auto unterwegs zu laden, wird in Deutschland zunehmend teurer. Jede geladene Kilowattstunde Strom an öffentlichen Ladesäulen kostet durchschnittlich 55 Cent an Normalladepunkten(AC) und sogar 66 Cent an Schnellladepunkten (DC).

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Für eine Reichweite von 100 Kilometern (bei 20 kWh Stromverbrauch) fallen damit Kosten in Höhe von 11,10 EUR respektive 13,11 EUR für eine Stromladung an. Fahrer*innen von Verbrenner-Autos kostet die gleiche Strecke nur 10,38 EUR (bei sechs Litern Benzinverbrauch) - klimaschädliches Tanken ist damit günstiger als Laden unterwegs. Das geht aus dem heute veröffentlichten Ladesäulencheck 2024 hervor. Für die Analyse hat Statista im Auftrag von LichtBlick die Tarife führender Betreiber ausgewertet. 

„Die Preise an den Tank- und Ladesäulen sorgen bei Autofahrer/innen für Fehlanreize und fördern damit klimaschädliches Verhalten. Die Entwicklung ist fatal. Für die Verkehrswende ist der breite Umstieg von Verbrenner- auf E-Autos unerlässlich, ebenso wie verbraucherfreundliche Preise an öffentlichen Ladesäulen", resümiert Markus Adam, Chefjurist von LichtBlick, nach Abschluss der diesjährigen Ladesäulen-Untersuchung.

Trotz sinkender Strompreise höhere Preise an öffentlichen Ladestationen

Die durchschnittlichen Preise pro geladener Kilowattstunde Strom sind im Vergleich zum letzten Ladesäulencheck weiter angestiegen - die Differenz liegt bei 3 ct/kWh (AC) bzw. 4 ct/kWh (DC). Dabei ist der Durchschnittspreis für Haushaltsstrom im selben Zeitraum gesunken, wie hier detailliert erklärt wird. Eine ähnliche Tendenz lässt sich beim Fahrstrom unterwegs nicht erkennen. Darüber hinaus machen auch die Zugangsbedingungen an öffentlichen Ladesäulen den Umstieg aufs E-Auto unattraktiv.

Wer mit einem E-Auto unterwegs ist, muss bei überregionalen Fahrten zwangsläufig auf verschiedene Anbieter zurückgreifen, die wiederum jeweils unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten (Ladekarte, App) anbieten und die Kunden zum Bereithalten verschiedener Ladekarten und -Apps bringt. Ad-Hoc-Laden mithilfe eines QR-Codes auf den Ladesäulen biete keine zufriedenstellende Alternative denn die Preise, so LickBlick, seien höher als bei vertragsbasierten Fahrstromtarifen, die mit den Anbietern direkt abgeschlossen werden.

Elementare Schwierigkeiten für wettbewerbsgerechte Ladepreise

Ein Hauptgrund für die gestiegenen Preise an öffentlichen Normalladesäulen ist die Monopolbildung im Markt. Monopolisten sind in der Regel die jeweiligen lokalen Energieversorger, die mit dem örtlichen Stromnetzbetreiber konzernrechtlich verbunden oder selbst Stromnetzbetreiber.

Im aktuellen Marktmodell können Stromanbieter keinen eigenen Strom an der Ladesäule anbieten. Vielmehr bestimmt allein der Ladepunktbetreiber den Ladestromlieferanten - dies ist in der Regel der konzerneigene Vertrieb. Daher werden Ladebedingungen und -preise faktisch von den lokalen Monopolisten bestimmt. Diese können aufgrund des fehlenden Wettbewerbs ihren eigenen Fahrstromkund/innen gegenüber nicht marktgerechte Fahrstrompreise durchsetzen. Um kostendeckende Fahrstromtarife an öffentlichen Ladesäulen anbieten zu können, müssen Drittanbieter den Fahrstromtarif des Roaming-Partners sowie das Roaming-Entgelt an ihre Kundschaft weitergeben. Die Monopolkommission hat in ihrem letzten Sektorgutachten ebenfalls bestätigt, dass die marktbeherrschende Stellung des lokalen Anbieters zu höheren Ladepreisen an Normalladepunkten führt.

Durchleitungsmodell könnte für echten Wettbewerb an der Ladesäule sorgen

„Die Monopole im Normalladesäulenmarkt werden sich nicht von allein auflösen, der Markt benötigt dringend eine Reform. Darum schlagen wir bereits seit Jahren das Durchleitungsmodell vor. Die Folgen einer solchen Reform würden sich positiv auf die Preise für auswirken", erklärt Adam. Entsprechende Entwicklungen gab es etwa auch im Zuge der Liberalisierung der Bereiche Haushaltsstrom und Telekommunikation.

Mit dem Durchleitungsmodell könnte jeder Energieversorger das Recht auf Durchleitung seines Stroms an öffentliche Ladesäulen erhalten. Damit wären Fahrstromlieferanten nicht mehr von Stromlieferung und Preisen der Ladesäulenbetreiber abhängig. Im Gegenzug erhielte der Betreiber ein Nutzungsentgelt für Installation, Betrieb und Wartung der Ladesäule, das ebenfalls eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals ermöglicht. Die Ladesäulen-Infrastruktur wird über die Nutzungsentgelte (mit-)finanziert und damit auch unabhängig von staatlicher Förderung.

Wettbewerb entsteht durch die Möglichkeit zum Wechsel des Fahrstrom-Anbieters, analog zum Wechsel des Stromanbieters im Haushalt. Der Vorteil für Verbraucher: Sie können dann den Fahrstrom-Tarif des Anbieters ihrer Wahl an jeder öffentlichen Ladesäule nutzen. Preise und Stromqualität sind transparent, alle Ladevorgänge erscheinen auf einer Abrechnung. In einem gemeinsamen Pilotprojekt haben LichtBlick, 50Hertz und Stromnetz Berlin die Durchleitung an öffentlichen Ladesäulen bereits getestet, mehr dazu hier.

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