Die Diskussion um die geplante Reform der Fahrausbildung gewinnt erneut an Dynamik. Vor der Verkehrsministerkonferenz am 25. März legt die Allianz für professionelle Fahrausbildung und Verkehrssicherheit neue Umfrageergebnisse vor, die die Haltung der direkt Betroffenen deutlich machen: Fahranfängerinnen und Fahranfänger sprechen sich mit großer Mehrheit gegen Laienausbildung und vollständigen digitalen Theorieunterricht aus. Zugleich äußern sie erhebliche Zweifel an der Verkehrssicherheit der vorgeschlagenen Modelle.
Eine aktuelle Befragung der Civey Marktforschung unter 16- bis 25‑jährigen Führerscheinanwärteinnen und -anwärtern zeigt, dass traditionelle Ausbildungswege klar bevorzugt werden. 80 Prozent der Befragten halten den klassischen theoretischen Gruppenunterricht für wichtig, um Verkehrssituationen besser einschätzen zu können. 77 Prozent plädieren dafür, die praktische Ausbildung weiterhin ausschließlich bei professionellen Fahrlehrkräften zu absolvieren. Die Skepsis gegenüber privaten Begleitpersonen ist groß: 63 Prozent gehen davon aus, dass sie mit Laien weniger sicher Autofahren lernen würden. Damit spricht sich die Mehrheit der jungen Bevölkerung klar für eine professionelle, integrierte Ausbildung und gegen alternative Modelle aus.
Fahrschulen fürchten wirtschaftliche Folgen - und warnen vor Sicherheitsrisiken
Auch Fahrschulen bewerten die Reform kritisch. Eine aktuelle Erhebung der MOVING International Road Safety Association e.V. unter 400 Betrieben zeigt, dass 84 Prozent der Fahrschulen die Pläne des Verkehrsministers negativ bis sehr negativ einschätzen. 85 Prozent sehen durch die Einführung von Laienausbildung ein erhöhtes Risiko für die Verkehrssicherheit. Darüber hinaus befürchtet mehr als jede zweite Fahrschule ernste wirtschaftliche Konsequenzen, 58 Prozent sehen ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet, 35 Prozent rechnen sogar mit Entlassungen von Fahrlehrkräften.
Kostensenkung fraglich
Ein zentrales Politikziel der Reform - die Reduzierung der Führerscheinkosten - wird von den befragten Fahrschulen ebenfalls kritisch bewertet. 78 Prozent bezweifeln, dass die Reform eine Kostensenkung bewirken wird. Fast die Hälfte (45 Prozent) erwartet sogar steigende Preise für praktische Fahrstunden. 35 Prozent gehen von einem Anstieg der durchschnittlichen Anzahl an Fahrstunden aus - um rund 2,6 Stunden.
Reform mit Augenmaß
Angesichts der neuen Daten fordert die Allianz für professionelle Fahrausbildung und Verkehrssicherheit, die Reformpläne grundlegend zu überdenken. "Die bevorstehenden Entscheidungen dürfen nicht zulasten der Verkehrssicherheit gehen. Unsere Fahrschulen stehen bereit, junge Menschen bestmöglich auszubilden – aber nur, wenn praxisnahes Training, qualifizierte Lehrkräfte und eine integrierte Ausbildung weiterhin gewährleistet bleiben", betont Jörg Michael Satz, Präsident von MOVING und Sprecher der Allianz.
Die Allianz fordert daher den Erhalt der integrierten Theorie‑Praxis‑Ausbildung, die klare Ablehnung der Laienausbildung, sowie die Beibehaltung von Präsenzunterricht in der Theorie. Ziel müsse eine Reform sein, die Modernisierung und Digitalisierung ermöglicht, ohne Verkehrssicherheit und Ausbildungsqualität zu gefährden