Teure Führerscheine – Diskussion über Fahrlehrer als Prüfer

08.07.2026 14:03 Uhr | Lesezeit: 5 min
Führerschein
Die Reform rund um den Führerscheinerwerb steht nach wie vor in der Kritik
© Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Um die 3.400 Euro werden inzwischen für die Fahrausbildung fällig. Zu viel, findet nicht nur die CDU. Wie der Führerschein günstiger werden könnte – und was die Fahrlehrer davon halten.

Der Weg zum Führerschein soll weniger Geld kosten – dafür schlägt die CDU in Niedersachsens Landtag eine Reihe von Reformen vor. Insbesondere sollen Fahrlehrer auch als Prüfer zugelassen werden, appelliert die Fraktion an die Landesregierung. Das soll die Wartezeiten vor der Prüfung verringern und damit zusätzliche teure Fahrstunden verhindern. 

Mobilität dürfe nicht am Geldbeutel scheitern, heißt es in dem Antrag. "Ein Pkw-Führerschein kostet heute durchschnittlich rund 3.400 Euro", sagte der CDU-Abgeordnete Marcel Scharrelmann. Seine Fraktion unterstütze deshalb das Ziel von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), den Erwerb des Führerscheins bezahlbarer zu machen. 

Minister: "Führerschein darf kein Luxusgut werden"

Auch Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte bereits gewarnt: "Der Führerschein darf kein Luxusgut werden." Niedersachsen werde den Reformprozess des Bundes daher eng begleiten. Er sei überzeugt, dass es gelingen könne, einen bezahlbaren Führerschein mit den Anforderungen an die Verkehrssicherheit zusammenzubringen, sagte Tonne im Oktober. 

Wie viele zusätzliche Prüfer zugelassen werden müssten, um die Wartezeiten auf die Fahrprüfung spürbar zu verkürzen, lasse sich derzeit nicht seriös beziffern, sagte CDU-Politiker Scharrelmann. "Klar ist aber: In mehreren Regionen Niedersachsens bestanden oder bestehen seit Jahren insbesondere in den Sommermonaten Kapazitätsengpässe." Deswegen brauche es mehr qualifizierte Prüfer und zusätzliche Prüfungsanbieter. 

CDU: "Politischer Wunschpreis" nicht seriös 

Das Risiko, dass der Personalmangel damit nur verschoben werden und perspektivisch ein Mangel an Fahrlehrern drohen könnte, sieht Scharrelmann nicht. «Wir sprechen ausdrücklich von erfahrenen Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern, die nicht in einer Fahrschule tätig sind», betonte er. Darüber hinaus könne die Möglichkeit, später als Prüfer zu arbeiten, die Attraktivität des Berufs als Fahrlehrer erhöhen. 

Die CDU fordert weiter, digitale Lernformate und auch Fahrsimulatoren stärker zu nutzen als bisher. Einen konkreten Preis, den die Reformen ermöglichen sollen, nennt Scharrelmann aber nicht. "Jede erfolgreiche Reform, die Kosten senkt oder zusätzliche Belastungen vermeidet, ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte er. "Deshalb halten wir es nicht für seriös, heute einen politischen Wunschpreis festzulegen." 

Mangel an Prüfern unterscheidet sich je nach Region 

Der Fahrlehrerverband Niedersachsen zeigt sich grundsätzlich offen für die Überlegungen. "Es ist nur schwer einzusehen, dass die Person, die für die Ausbildung verantwortlich ist, nicht auch in der Lage ist, die Prüfung abzunehmen", sagte der Vorsitzende Klaus Napierski. 

Tatsächlich könne der Beruf attraktiver werden, wenn man nicht nur als angestellter Fahrlehrer oder Inhaber einer Fahrschule arbeiten könne, sondern auch als Prüfer. "Zu Zeiten des Fachkräftemangels ist diese Vorgehensweise natürlich innerhalb des Berufsstandes nicht so gerngesehen, aber man muss ja auch an die Zukunft denken." 

In einigen Regionen Niedersachsens spiele der Mangel an Prüfern bisher keine Rolle, sagte Napierski. "Es gibt aber auch Regionen, in denen solche Ausfälle der Prüfer zum Prüfungsausfall führen. Dann müssen die Prüfungen häufig neu terminiert werden, was wiederum einen gewissen zeitlichen Vorlauf benötigt. Und Wartezeiten bedeuten Übungsstunden, damit die Bewerber ihr Ausbildungsniveau auch halten können." 

Verband: Ist der Führerschein wirklich teurer geworden? 

Den gestiegenen Preis für den Führerschein erklärt der Verband zudem mit den Kosten der Fahrschulen. "Nachdem über viele Jahre ein nahezu ruinöser Preiswettbewerb unter den Fahrschulen herrschte mit Löhnen für die Fahrlehrer, die nicht ausreichten, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, hat der Fahrlehrermangel dazu geführt, dass die Löhne angepasst werden mussten, wenn man als Fahrschule weiterhin bestehen wollte", sagte Napierski. Der Verband halte diese Löhne auch absolut für gerechtfertigt. "Aber es hat natürlich für den Kunden zu Preissteigerungen geführt."

Napierski macht folgende Rechnung auf: "Im Jahr 2000 kostete eine Fahrausbildung circa 1.200 bis 1.500 Euro. Ein Auszubildender verdiente im Monat circa 500 Euro. Das Verhältnis war also 1:3. Im Jahr 2025 kostete die Fahrerlaubnis zwischen 3.000 und 3.400 Euro. Allerdings verdiente ein Auszubildender circa 1.100 Euro monatlich." Das sei wieder ungefähr ein Verhältnis 1:3. "Ist also der Führerschein so wahnsinnig teurer geworden?" 

Eine Zahl, wie viele Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer derzeit in Niedersachsen aktiv sind, liegt dem Verband zufolge nicht vor. Wegen eines hohen Durchschnittsalters gehe man aber davon aus, dass auf längere Sicht mehr Lehrer aufhören als neue dazukommen. "Dazu kommen natürlich die bestehenden Reformgedanken, die zu einer nicht unerheblichen Verunsicherung im gesamten Berufsstand führen", sagte Napierski. 

Das plant der Bund 

Das Bundeskabinett hatte im Mai seine Pläne für eine Führerschein-Reform auf den Weg gebracht. Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll damit entfallen, Vorgaben zu Schulungsräumen und zur Reihenfolge der Lehrinhalte sollen abgeschafft werden. Der Katalog mit mehr als 1.169 Fragen für die theoretische Prüfung soll auf 840 reduziert werden, und bei der theoretischen Prüfung soll künftig jede Frage mit einem Punkt bewertet werden – statt einer gewichteten Bewertung mit zwei bis fünf Fehlerpunkten.

Der Entwurf muss noch durch Bundestag und Bundesrat. Angepeilt ist, dass die neuen Regeln Anfang 2027 greifen.

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KOMMENTARE

Adolf Sennelager

12.07.2026 - 00:00 Uhr

In Oesterreich und auch in anderen Laendern geht es billiger. Daran sollte man sich orientieren.Die Theorie sollte vereinfacht werden. Eine Antwortmoeglichkeit sollte ausreichen um die Verkehrsregeln begreifen zu koennen.Wer alle Vorfahrtsregeln verstanden hat ist theoretisch fuer den Strassenverkehr geeignet. Alle anderen Regeln sollten im praktischen Unterricht gelehrt werden.So funktioniert es in anderen Laendern und warum nicht auch in Deutschland?


Reinhard Sponer

13.07.2026 - 00:00 Uhr

Ich frage mich, wie Herr König vom ADAC zu seinen Einschätzungen gelangt und welche Interessen tatsächlich hinter dieser Reform stehen. Die Behauptung, Fahrschulen seien „zu teuer“, ignoriert grundlegende wirtschaftliche Fakten. Die allgemeinen Kostensteigerungen, insbesondere Lohnentwicklung und Nebenkosten, betreffen sämtliche Branchen – auch den ADAC selbst, dessen Mitgliedsbeiträge ebenfalls gestiegen sind. Vergleiche, die diese Realität ausblenden, führen zwangsläufig zu falschen Schlussfolgerungen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt deutlich, wie stark sich die Rahmenbedingungen verändert haben: Ein Auszubildender erhielt vor 30 bis 40 Jahren eine Vergütung von etwa 180 bis 300 DM, also rund 90 bis 150 Euro. Heute liegen die Ausbildungsvergütungen im Durchschnitt zwischen 800 und 1.200 Euro – eine Steigerung um mehrere Hundert Prozent. Es ist logisch und ökonomisch zwingend, dass sich diese Entwicklung auch in den Ausbildungskosten der Fahrschulen widerspiegelt. Rein rechnerisch könnte man sogar argumentieren, dass die Fahrschulausbildung im Verhältnis zur Einkommensentwicklung eher günstiger geworden ist. Auch früher gab es Menschen, die sich den Führerschein nicht sofort leisten konnten. Der Unterschied: Man hat darauf gespart, in den Ferien gearbeitet und Prioritäten gesetzt. Heute stehen häufig andere Dinge im Vordergrund – Work-Life-Balance, Freizeit, Markenprodukte, digitale Geräte, Urlaube. Der Führerschein verursacht einmalige Kosten, wird aber gesellschaftlich oft hinter kurzfristigen Konsumwünschen eingeordnet. Es ist daher unredlich, die Verantwortung allein den Fahrschulen zuzuschieben. Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der in der öffentlichen Diskussion kaum Beachtung findet: Viele Fahranfänger werden über Jahre hinweg in eine Form der Unselbstständigkeit erzogen, die sich später in der Fahrschulausbildung bemerkbar macht. Fehlende Eigenverantwortung, mangelnde Grundkompetenzen und geringe Belastbarkeit sind keine Probleme, die die Fahrschulen verursacht haben – sie müssen lediglich mit den Folgen umgehen. Daher meine Frage an Herrn König: Woher stammt Ihr praktisches Wissen über die tatsächlichen Abläufe in der Fahrschulausbildung? Ich lade Sie ausdrücklich ein, einige Fahrstunden live zu begleiten – ohne Doppelpedale, ohne Eingriffsmöglichkeiten, ohne die Sicherheit eines erfahrenen Ausbilders. Danach können wir gerne erneut über „Laienausbildung“ und die Abschaffung der Theoriepflicht sprechen. Die theoretischen Annahmen, die derzeit als Grundlage der Reform dienen, stehen in einem deutlichen Widerspruch zur Realität im Fahrzeug und im Unterricht. Ich befürchte, dass diese Reform – so wie sie aktuell propagiert wird – zu mehr Unfällen, Verletzten und möglicherweise auch Todesfällen führen wird. Wer die Theoriepflicht abschafft und Laienausbildung fördert, trägt eine Mitverantwortung für die Konsequenzen. Vielleicht würden manche Befürworter anders argumentieren, wenn sie vier Wochen lang den echten Fahrschulalltag erleben würden – im Auto, im Unterricht, mit echten Menschen und echten Risiken. Reinhard Sponer, Fahrleher seit 46 Jahren


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